Gemeindewahlen
Derendingen wieder in roter Hand? Gleich zwei SP-Gemeinderäte interessieren sich fürs Präsidium

Geht die SP Derendingen mit einem oder mit zwei Kandidaten ins Rennen um das Gemeindepräsidium? Roger Markus Baumann und Roger Spichiger haben Ambitionen bekundet.

Urs Byland
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Markus Baumann (links) und Roger Spichiger: Gleich zwei SP-Gemeinderäte Gemeindepräsident von Derendingen werden.

Markus Baumann (links) und Roger Spichiger: Gleich zwei SP-Gemeinderäte Gemeindepräsident von Derendingen werden.

bar/hjs

Nach 15 Jahren als Gemeindepräsident wird Kuno Tschumi (FDP) 2021 das Amt abgeben. Er hinterlässt ein prosperierendes Dorf. Politisch war Derendingen lange Zeit eine sozialdemokratische Hochburg. Im Jahr 2005 hat die FDP im Gemeinderat erstmals gleich viele Sitze wie die SP erhalten und stellte in der Folge mit Tschumi den Gemeindepräsidenten.

Im kommenden Jahr 2021 hätte man sich einen Wahlkampf zwischen arrivierten FDPlern und SPlern vorstellen können. Aber so weit wird es nicht kommen. «Wir haben niemanden gefunden, der bereit ist, das Amt zu übernehmen», erklärt Florian Broghammer, Co-Präsident der FDP Derendingen. Entweder sei aus zeitlichen Gründen verzichtet worden «oder die Angefragten haben sich nicht in diesem Amt gesehen». Broghammer zeigt Verständnis. «Es ist mir lieber, die Angefragten sprechen Klartext, als dass sie später das Amt nicht richtig machen.»

Nun würden Gespräche mit den anderen Parteien laufen, damit die Mitglieder der FDP Derendingen sich entscheiden können, welche Kandidatin oder welchen Kandidaten der anderen Parteien sie unterstützen wollen.

Die SP kann zwei Interessenten vorweisen

Während die FDP darbt, blüht die SP. Hier haben gleich zwei amtierende Gemeinderäte ihre Ambitionen für das Amt angemeldet. Weniger überraschend ist das Interesse von Vizegemeindepräsident Roger Spichiger, der das Amt für Bau und Planung in Derendingen leitet. Sein Name ist immer wieder gefallen. Nicht alle haben aber erwartet, dass auch Gewerkschaftspolitiker Markus Baumann kandidieren möchte.

Er ist gleichzeitig Präsident der SP Derendingen und erklärt, dass die Parteiversammlung über die Nomination für die Kandidatur entscheiden wird. «Wir wissen aber noch nicht, wann wir wie die Parteiversammlung durchführen werden.» Ihm wäre es am liebsten, die Versammlung werde in Anwesenheit der Mitglieder durchgeführt. Es sei aber auch möglich, dass der Parteivorstand sich für eine schriftliche Abstimmung entscheidet. «Wir werden das in den nächsten zwei, drei Wochen wissen.»

Spichiger oder Baumann – oder beide?

Die Chancen der beiden Kandidaten in einer parteiinternen Ausmarchung sind schwierig vorauszusagen. Das könnte zudem für die SP Derendingen zu einer schweren Belastung werden. Blickt man zurück auf die Gemeindewahlen 2017, schwingt Spichiger im Dorf klar obenaus, er holte damals 758 Stimmen. Baumann kam auf 507 Stimmen.

Aber Letzterer hat in der Zwischenzeit mit einem weniger konfrontativen Stil aufgeholt. So oder so wäre die SP Derendingen vielleicht froh, andere würden ihr diese Entscheidung abnehmen. Etwa wenn kein Bürgerlicher antritt und die SP Derendingen gleich mit beiden Kandidaten kommt. So müsste der Derendinger Souverän entscheiden. Der SP bliebe eine Zerreissprobe erspart.

Die CVP Derendingen redet mit allen

Macht die CVP Derendingen in diesem Spiel mit? Hat sie eine Kandidatin oder einen Kandidaten für das Gemeindepräsidium? «Wir evaluieren und führen noch Gespräche mit Personen, die wir uns für diese Aufgabe vorstellen können», erklärt Urban Cueni, Präsident der CVP Derendingen. Spricht man mit ihm, öffnet sich die Diskussion um das Gemeindepräsidium um ein zusätzliches Feld.

Mit der beschlossenen Gemeindereform werden in der nächsten Gemeindewahl sieben motivierte Gemeinderätinnen und Gemeinderäte gesucht, die jeweils ein Ressort übernehmen. «Uns liegt es sehr am Herzen, dass diese von uns angestossene Reform auf einen guten Weg kommt. Dazu braucht es Leute mit Herzblut.» Gleichzeitig verändert sich die Verwaltung. Deshalb würden nicht nur innerhalb der CVP im Vorstand Gespräche geführt, sondern auch mit den anderen Parteien.

Timing ist wichtig

Die Gemeindepräsidentenwahl tritt da bei der CVP Derendingen etwas in den Hintergrund, zumal sie auf den ersten Blick auch nicht eine schlagkräftige Besetzung vorweisen kann. Dafür hätte die CVP Derendingen ein ideales Pfand in der Hand. Mit einem Verzicht könnte sie Platz machen für die Zweierkandidatur der SP. Der Verzicht müsste aber irgendwie Früchte tragen bei der Besetzung des Gemeinderates.

Wichtig wird bei dieser Konstellation das Timing. Die FDP hat sich beim Gemeindepräsidium aus dem Rennen genommen. Die SP Derendingen müsste sich sicher sein, dass die CVP nicht querschlägt und doch noch einen Kandidaten stellt. Dann wäre Derendingen wieder in roter Hand. Ende Januar will die CVP Derendingen eine Generalversammlung durchführen. Dann will der Parteivorstand vom Parteivolk die allgemeine Marschrichtung abholen.