Grossprojekt
«Derendingen Mitte» lockte 230 Interessierte an

Zahlreichen Interessierten wurde an einem Informationsabend das Projekt «Derendingen Mitte» vorgestellt. Ein wichtiger Diskussionspunkt waren die hohen Kosten.

Gundi Klemm
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So würde sich der neue Dorfplatz in Derendingen präsentieren.

So würde sich der neue Dorfplatz in Derendingen präsentieren.

Zur Verfügung gestellt

«Mit diesem polyfunktionalen Neubau lösen wir auf einen Schlag zahlreiche Aufgaben», sagte Kuno Tschumi. Der Gemeindepräsident begrüsste 230 Interessierte zum Informationsabend über das 36,5-Millionen-Projekt «Derendingen Mitte». Dieses bringt für Schule, Sport, Kultur, Vereinswesen und Verwaltung Fläche im Umfang von 9117 Quadratmetern.

Die politisch Verantwortlichen hätten sich angesichts des Wachstums für eine neue grosszügige Infrastruktur und gegen die kostspielige Renovation alter Bausubstanz entschieden. Markus Zürcher zeigte als Präsident der Arbeitsgruppe Gebäudeentwicklung die baulichen «Brennpunkte» im Dorf mit dem inzwischen schadhaften Saalbau, dem abseits liegenden Polizeiposten, den alten und zugigen Turnhallen, dem erneuerungsbedürftigen Schulhaus und Kindergarten im Oberdorf und der künftigen Unterbringung von Energie-Wasser-Derendingen (EWD).

Als Präsident der Finanzkommission verbreitete Zürcher viel Zuversicht, dass die Projektkosten durch Verkäufe nicht mehr benutzter Liegenschaften, durch Mieteingänge aus den neuen Objekten und durch den Abzug der zum Teil angesparten, substanzerhaltenden «Ohnehinkosten» auf 16,9 Mio. Franken gesenkt werden können. «Die jährlichen Folgekosten für das errechnete Nettoinvestitionsvolumen von 13,9 Mio. betragen 1,35 Mio. Franken und sind für uns ohne Steuererhöhung tragbar.» Seine Ausführungen zu «Derendingen Mitte» als «Mehrwert fürs Dorf» erhielten viel Beifall aus der Versammlung.

Vereine hoffen auf Neumitglieder

Mehrere Votanten aus der Versammlung illustrierten die Vorteile, die das neu gestaltete Zentrum für Derendingen bringen würde. Schulleiter Matthias Pfeiffer betonte die besseren Bedingungen und nötigen Raumreserven für die Schule. Martin Reinhard, Geschäftsführer der EWD, wies darauf hin, dass seine Organisation «ein neues Nest» brauche, weil die Raiffeisenbank sich räumlich ausdehnen wolle. Als Leiter der letzten Gewerbeausstellung unterstrich er, dass der künftig grosszügige Ausstellungsraum das Gemeinschaftsgefühl stärke.

Andrea Kuratli vom Turnverein «Satus» freute sich auf die tollen Möglichkeiten vor allem für die Vereinsjugend. Christoph Aerni, Präsident im Turnverein SO-TV, war sich sicher, dass die «Attraktivität der künftigen Anlagen» die Motivation von alten und hoffentlich vielen neuen Mitgliedern erhöhe. Unter der Moderation von Reto Vescovi wurden weitere Fragen und Anregungen aus dem Plenum beantwortet.

Die Mehrzahl der Sprechenden gratulierte den Verantwortlichen zu Strategie und geglücktem Entwurf: «Dies ist ein sinnvolles Projekt für die Dorfentwicklung», hiess es. Bezüglich Baunormen wurde die Materialwahl hervorgehoben, auch wenn das Gebäude keinen Minergiestandard aufweist.Otto Gasche von der Musikgesellschaft erkundigte sich nach dem Probelokal für seinen Verein, das aus mehreren Vorschlägen ausgewählt und mit akustischen Erfordernissen ausgestattet werde.

Für Liegenschaften, die verkauft werden sollen, gibt es laut Zürcher bereits Interessenten. Alexandra Müller-Probst fragte nach der Weiterführung des Turnbetriebs in der rund zweijährigen Bauphase. Man werde möglichst lange wenigstens eine bisherige Turnhalle offen halten und nach Alternativen suchen. Die im Werkhof untergebrachte Feuerwehr sei nicht involviert, auch wenn das alte Magazin dem künftigen Dorfplatz weichen müsse. Auch Möglichkeiten der schulergänzenden Betreuung interessierten eine Fragestellerin. Für Mittagstisch und Tagesschule müsse ein anderer Standort gesucht werden, hiess es.

Fusion kein Bremsklotz

Etliche warnten vor der Kostensituation und kaum erkennbaren «Kostentreibern». Nochmals bekräftigten Tschumi und Zürcher das konsequent angewandte «design to cost», auch wenn sich nicht alle Marktveränderungen schon jetzt erfassen liessen. Die bereits zugesicherten 0,5 Prozent Zins auf zehnjährige Darlehen lassen eine Steuererhöhung als unrealistisch erscheinen. «Wenn doch, wird Markus Zürcher geköpft», meinte eine humorvolle Stimme.

Auch das Fusionswerk Top 5 und mögliche Auswirkungen auf «Derendingen Mitte» wurden zum Thema. «Wir lassen uns durch die Fusion nicht bremsen, denn wir bereiten uns mit diesem, bei den Partnern deklarierten Projekt auf unsere gemeinsame Zukunft vor», unterstrich der Gemeindepräsident. Der Baustart ist für den Frühling 2017 vorgesehen. Am 17. März stimmt die Gemeindeversammlung über das grosse Werk ab.