Derendingen
Kunstprojekt mit sieben Goldplaketten und Wortspielen für den neuen Zentrumsbau

Pavel Schmidt realisiert im Zentrumsbau in Derendingen sein erstes Kunst-am-Bau-Projekt im Kanton Solothurn. Der Eingangsbereich soll mit Goldplaketten geschmückt werden, die raffinierte Wortspiele enthalten.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Pavel Schmidt im Eingangsbereich des Neubaus: Am Boden sind die vorbereiteten Einbuchtungen für die Scheiben zu erkennen.

Pavel Schmidt im Eingangsbereich des Neubaus: Am Boden sind die vorbereiteten Einbuchtungen für die Scheiben zu erkennen.

Thomas Ulrich

In Derendingen wird in Kürze der neue Zentrumsbau Mitte eröffnet. Und in Derendingen hat der Solothurner Künstler Pavel Schmidt seit mehr als 20 Jahren sein Atelier eingerichtet. Er fühlt sich also mit der Gemeinde sehr verbunden, kennt viele Leute dort.

So freut es ihn im Besonderen, dass er ausgewählt wurde, seine künstlerische Intension für die Kunst-am-Bau am 36 Mio. Franken-Mehrzweckgebäude zu realisieren.

Kommunikativ-sinnlicher Aspekt im nüchternen Bau

So ist nun im Eingangsbereich des Neubaus ein ganz dezentes, aber nicht minder emotional-anregendes Kunstprojekt zu finden, in welchem der Sprache eine grosse Bedeutung zukommt. «Meine Idee war, diesem eher nüchternen Bau mit dem eleganten Eingangsbereich, einen kommunikativ-sinnlichen Aspekt zu verleihen», so Schmidt.

Er kam auf die Idee, die Form und Anzahl der sieben Leuchtkörper, die an der Decke im Eingangsbereich hängen, am Boden spiegeln zu lassen. Und zwar in Form von sieben goldig schimmernden Scheiben oder Plaketten aus Messing, alle mit einem Durchmesser von 50 cm.

«Sieben ist eine Zahl, die ich immer gerne verwende, denn sie hat eine mystische und wichtige Bedeutung für uns Menschen. Sieben Tage, sieben Todsünden, sieben Weltwunder.»

Eine der goldenen Plaketten.

Eine der goldenen Plaketten.

Thomas Ulrich

Auf diesen sieben Plaketten nun sind sieben Sinnsprüche oder Wortspielereien zu entdecken. Zwei Beispiele: «Niemand wartet auf keinen - keiner wartet auf Niemanden» oder «Mitmensch ist unter uns - der Untermensch ist mit uns».

Sinnsprüche, um die Gedanken anzuregen

Pavel Schmidt verwendet in seiner Kunst gerne Sinnsprüche, die durch Verschiebungen oder Umkehrungen neue oder überraschende Erkenntnisse liefern.

«Es geht mir in diesem Projekt auch darum, dass die Menschen, die sich im Eingangsbereich treffen, sich um die Scheiben bewegen können. Sie lesen die Texte und nehmen Denkanstösse mit oder finden ein Gesprächsthema.»

Schmidt erklärt, dass der Betonboden entsprechend vorbereitet werden musste, damit die sieben Scheiben dann auch ebenerdig versenkt werden können und nicht etwa zu Stolperfallen werden.

Pavel Schmidt gibt gerne zu, dass er froh war, um diese Arbeit in den vergangenen Monaten. «Es ist zwar nicht so, dass ich nicht arbeiten konnte», erzählt er, «denn ich arbeite immer und nicht erst dann, wenn ich einen Auftrag zu einer Ausstellung oder einem Projekt bekomme. Doch hatte ich in den vergangenen Monaten eigentlich kein Einkommen, denn mehrere Ausstellungen – auch im Ausland – wurde nicht nur verschoben, sondern gleich abgesagt.»

Bildband verstaubt in den Regalen der Büchereien

Ganz hart traf ihn die gestoppte Lancierung eines grossen Bildbandes in französischer Sprache über sein Werk. «Genau zwei Tage vor dem Lockdown im Frühling 2020 kam es in die Buchhandlungen in Paris. Doch dann wurden die Läden geschlossen und das Buch verstaubte in den Gestellen», resümiert Schmidt. «Sehr schade.»

Nun freut sich der Künstler aber auf die zweite Hälfte Mai. Dann ist eine kleinere Eröffnung der Mitte in Derendingen geplant. Er ist sehr gespannt, wie seine Kunst bei der Bevölkerung ankommt.