«Elsässli»-Vereinbarung

Derendingen beteiligt sich an Sanierung, Eigentümer verzichten auf weitere Forderungen

Im Jahr 2010 begann alles: Damals fand eine Bewohnerin Unmengen von Teerplatten in ihrem Garten.

Im Jahr 2010 begann alles: Damals fand eine Bewohnerin Unmengen von Teerplatten in ihrem Garten.

Die Gemeinde Derendingen genehmigt die «Elsässli»-Vereinbarung und beteiligt sich an den Sanierungen der «Elsässli»-Böden.

Die lange Geschichte um die belasteten «Elsässli»-Böden scheint nun endlich ein Ende zu haben: Die Gemeindeversammlung hat am Montag die Vereinbarung, welche von fast allen Eigentümern unterschrieben wurde, einstimmig genehmigt. Damit beteiligt sich die Gemeinde finanziell an den Bodensanierungen, die Eigentümer verzichten im Gegenzug auf weitere Forderungen.

Nachdem 2010 in den Gärten des «Elsässli»-Quartiers Bodenbelastungen durch krebserregende polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) festgestellt wurden, hat sich ein mehrjähriger Rechtsstreit entwickelt, der vor Bundesgericht endete. Die Gemeinde, welche das «Elsässli» 1989 gekauft und anschliessend 28 Häuser weiterverkauft hatte, führte im Interesse der Grundeigentümer eine juristische Auseinandersetzung mit dem Kanton.

Der ernüchternde Entscheid: Der Kanton zahlt nichts an die Sanierung. Zwar wurde keine Sanierungspflicht auferlegt, doch die Gärten dürfen nur noch sehr eingeschränkt benützt werden, insbesondere von Kindern.

Guten Ruf erhalten

Der Gemeinderat hat deshalb weiterhin versucht, eine einheitliche Lösung für alle 28 Grundstücke anzustreben. Zu diesem Zweck wurde mit der IG Elsässli eine Vereinbarung ausgearbeitet, welche die gerichtliche Auseinandersetzung mit Einwohnern vermeiden soll.

Ziel ist es zudem vor allem auch, «den Bewohnern in dieser schwierigen Situation zu helfen, den guten Ruf des Quartiers zu erhalten und auch das Ansehen der Gemeinde nicht durch verseuchte Böden zu gefährden», so der Wortlaut der Vereinbarung. Die Vereinbarung beinhaltet eine finanzielle Beteiligung an den Humus-Austauschkosten im Umfang eines Drittels der tatsächlich entstehenden Kosten.

Die Gemeinde übernimmt Kosten des Transports des belasteten Erdreichs in die entsprechende Deponie sowie die Deponie- beziehungsweise Verbrennungskosten. Der Kostenbeitrag erfolge vollkommen unpräjudiziell, ohne Anerkennung einer Rechtspflicht und unter gewissen Vorbehalten. Damit verbunden ist ein Verzicht der Eigentürmer auf jegliche Klagen der Gemeinde gegenüber.

Die Vereinbarung wurde mit zwei Ausnahmen von allen «Elsässli»-Eigentümern unterzeichnet. Die beiden nicht unterzeichnenden Parteien stellen für die Gemeinde jedoch kein erhebliches Risiko dar, weshalb der Vergleich vollzogen werden kann und soll. Das Traktandum ist an der Gemeindeversammlung völlig unbestritten, es gibt weder Fragen noch Wortmeldungen dazu.

Die 94 Stimmberechtigten setzen damit ein klares Zeichen und genehmigen die Vereinbarung sowie den dafür notwendigen Kredit von 490'000 Franken einstimmig und mit Applaus. «Das ist wirklich ein gutes Zeichen», betont Gemeindepräsident Kuno Tschumi.

Er zeigt sich zuversichtlich, dass man die «Elsässli»-Bodengeschichte nun endgültig begraben könne. Eigentümer haben nun bis Ende 2022 Zeit, ihre Böden unter fachlicher und behördlicher Begleitung zu sanieren und dafür Kostenbeteiligung zu erhalten.

«Alterssiedlung» verkaufen

Ausserdem erteilt die Gemeindeversammlung dem Gemeinderat die Kompetenz, die Liegenschaft Alterssiedlung zu verkaufen, und zwar mit grossmehrheitlicher Zustimmung bei nur fünf Gegenstimmen. Es handelt sich dabei um die Liegenschaft GB Derendingen 879 mit den Wohnhäusern Kornfeldstrasse 14, 16 und 18 sowie Leimackerstrasse 3.

Die vier Mehrfamilienhäuser verfügen über insgesamt rund 35 Ein- und Zweizimmerwohnungen in einfachem Ausbaustandard. Die Wohnungen sind relativ hoch ausgelastet, allerdings nicht primär durch Senioren. Da das Verwalten von Wohnungen keine Kernaufgabe der Gemeinde sei und der Verkauf dieser Liegenschaft auch im politischen Leitbild vorgesehen ist, kam der Gemeinderat zum Schluss, dass nun ein Käufer gesucht werden soll.

Der Verkaufspreis soll mindestens 2,65 Millionen Franken betragen und die Liegenschaft müsse im bisherigen Sinne weitergeführt werden, was bedeutet, dass einfache und bescheidene Wohnungen zu günstiger Miete anzubieten sind.

Sie sollen nicht abgerissen werden, Mieter dürfen in ihren Wohnungen bleiben. Die Ermächtigung gilt bis Ende Juni 2018 – sollte die Liegenschaft bis zu diesem Zeitpunkt nicht verkauft worden sein, kann die Frist durch die Gemeindeversammlung verlängert werden.

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