Beide lassen nicht locker: Der Regionalverkehr Bern-Solothurn (RBS) will in Bätterkinden auf einem vier Hektaren grossen Landstück ein Depot bauen, um dort nachts Züge abzustellen. Im letzten Mai haben die RBS-Verantwortlichen Pläne für einen Bau auf offenem Feld im «Stockacher» vorgestellt und bekamen starken Widerstand zu spüren, sowohl von den Anwohnern als auch vom Gemeinderat. Vergangenen Donnerstag hat der RBS nun neue Pläne präsentiert für ein Depot in der «Leimgrube» neben Bahnhof, Kartoffelzentrale und Trocknungsanlage der Landi Landshut. Derweil ist der Widerstand in der Bevölkerung gegen die Pläne noch stärker geworden. Allerdings, so viel vorneweg, hat der RBS diesmal starke Trümpfe in der Hand. Daher bezeichnet das Bahnunternehmen den Standort bereits als definitiv.

Auch Biberist im Auge

Zur Ausgangslage: Die Zahl der Fahrgäste zwischen Solothurn und Bern wächst stetig, mehr Kapazität ist nötig mit dem Einsatz von 180 Meter langen Zügen, Bahnhöfe müssen ausgebaut werden, in Biberist ist dies bereits vollzogen. Dort hatte der RBS ebenfalls einen Depotstandort im Auge, so wie bei insgesamt 24 Standorten entlang der Strecke Solothurn–Bern. Die Firma Infraconsult klärte deren Tauglichkeit anhand der Hauptkriterien Betrieb, Finanzen, Raumplanung, Umwelt und Landschaft sowie weiteren 28 Unterkriterien ab. Bätterkinden schnitt am besten ab, gefolgt von Jegenstorf. Der Verlust von Kulturland sei nicht zu vermeiden, brachliegende Industrieareale, die umgenutzt werden könnten, seien nirgends vorhanden.

Wurde beim ersten Anlauf vor allem der Verlust von Kulturland als Argument gegen das Vorhaben aufgeführt, war es diesmal die befürchtete Lärmbelastung für die Anwohner. So durch den Betrieb an und für sich, denn nur ein Teil des Depots würde überdacht. Ferner wegen quietschenden Rädern, verursacht aufgrund der engen Kurvenradien für die Ein- und Ausfahrt der Züge, denn das Depot käme quer zur Bahnlinie zu stehen.

280 Personen wollten es wissen

Ein Zeichen für den gewachsenen Widerstand ist, dass zum zweiten Informationsanlass rund 280 Personen aufkreuzten – fast ein Drittel mehr als beim ersten. Eine Interessengemeinschaft tritt gegen das Vorhaben auf und der Gemeinderat ist nach wie vor ebenfalls dagegen. Man sehe keine Vorteile für die Gemeinde. Gemeindepräsident Beat Linder erklärte, es sei erstaunlich, dass bei den ersten Plänen im «Stockacher» betriebliche Gründe im Vordergrund standen, nun aber auf einmal die «Leimgrube» sogar als definitiver Standort gewählt wurde. «Dies offenbar aus finanziellen Aspekten, was uns bedenklich erscheint», sagte Linder. «Der Eingriff in die Umwelt und die Belastung der Anwohner wurden tiefer eingestuft.» In diesem Sinne meldeten sich viele Personen zu Wort. Doch trotz heftiger Voten blieb die Stimmung im Saal gesittet, niemand wurde ausfällig. Angeregt wurde, die Gemeinde solle ebenfalls eine Studie erstellen lassen, die ja möglicherweise zu einem anderen Resultat komme.

Die Trümpfe der Bahn

Der RBS hat bei diesem zweiten Anlauf allerdings stark entscheidende Trümpfe in der Hand. Im Mai stellte der betroffene «Stockacher»-Landbesitzer vorneweg fest: «Ein Verkauf kommt nicht infrage.» Der Besitzer des Grundstücks in der «Leimgrube» dagegen lässt dem Vernehmen nach «mit sich reden». Ebenso die Landi, deren ältere Liegenschaften allenfalls wegen der Erschliessung weichen müssten. Die Bahnverantwortlichen sind sich dieser Vorteile bewusst. RBS-Direktor Fabian Schmid fragte denn auch in die Runde: «Ist wirklich ganz Bätterkinden gegen den Bau eines Depots?»

Jahr 2023 als Ziel

Der RBS, so betonte Schmid, halte jedenfalls am Standort «Leimgrube» fest und werde diesen zur Prüfung an den Kanton zuhanden des Richtplans eingeben, parallel dazu läuft ein Mitwirkungsverfahren für die Bevölkerung. Ein Entscheid vonseiten Kanton wird im Mai 2017 erwartet. Ist dieser positiv, folgt ein Studienauftrag oder ein Wettbewerb, gefolgt vom Bauprojekt und dem Plangenehmigungsverfahren mit Möglichkeit zur Einsprache. Ziel wäre, das Depot Ende 2023 in Betrieb zu nehmen.