Buchegg
Der Wassergraben im Mülitäli — Idylle für Frösche, Unken und Schlangen

Das Projekt «Aufwertung Mülitäli – Renaturierung Wassergraben» ist abgeschlossen. Durch die Sanierung soll der Wassergraben zwischen Küttigkofen und Mühledorf wieder zu attraktivem Lebensraum für Frösche, Unken und Schlangen werden.

Urs Byland
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Urs Byland

Der Wassergraben im Mülitäli zwischen Küttigkofen und Mühledorf ist wieder funktionstüchtig. Der bereits bestehende Graben, der im Laufe der Jahrzehnte verlandete, wurde auf einer Länge von zirka 500 Metern saniert. Rund 200 Kubikmeter gute Erde wurde ausgehoben und andernorts ausgetragen.

Ein Gefälle ist beim Augenschein nicht erkennbar. «Doch, doch das Wasser läuft ab, das haben wir schon ausgemessen», sagt Martin Huber, der zusammen mit Ariane Hausammann, Pro Natura Solothurn, zum Abschluss des Projekts «Aufwertung Mülitäli – Renaturierung Wassergraben» eingeladen hatte. An einigen Stellen leitet ein Rohr quer zum Graben das Wasser in den Mülibach ab.

Was für uns unspektakulär ist, ist aus der Perspektive von Fröschen, Unken und Schlangen äusserst attraktiv. Denn auch zu trockenen Zeiten, wie in diesem Spätsommer, bleiben im Wassergraben einige Stellen mit Restwasser zurück. Wie zum Beweis schwimmt an einer der raren Stellen ein Frosch vergnügt im Wasser. «Das ist schon die Idee, dass einige Becken vorhanden sind, wo wir etwas breiter gegraben haben. Der Rest ist einfach der Wassergraben, der das Wasser sammelt und ableitet», erklärt Martin Huber (BSB Biberist). Die nächste Population der Gelbbauchunken lebt in Lüterkofen. Die Hoffnung ist nun, dass sie einwandern und der Natur nicht mit Aussatz von Froschlaich nachgeholfen werden muss. «Wichtig ist, dass der Lebensraum stimmt.»

«Den Bauern braucht es immer»

Der Anstoss kam vom Biologen Huber. «Meine Firma begleitet fachlich die Vernetzungsprojekte Bucheggberg. Da versucht man, die Bewirtschaftung aufzuwerten, überlegt sich aber auch weitere Massnahmen.» Ziel der Vernetzungsprojekte sei es, die Ausscheidung der Ökoflächen der Landwirtschaftsbetriebe an den richtigen Orten zu machen. «So werden Tierwanderungen ermöglicht und die Vernetzung sichergestellt», sagt Huber.

Im Mülitäli sind es die extensiv bewirtschafteten Wiesen. Als Glücksfall bezeichnet Huber den Umstand, dass der Präsident der Arbeitsgruppe für Vernetzungsprojekte, Daniel Marti, gleichzeitig Bewirtschafter im Mülitäli ist. Die Vernetzungsidee habe hier Anschubhilfe geleistet. «Der Wassergraben gehört natürlich nicht dazu und muss deshalb über andere Kanäle finanziert werden.»

«Den Bauern braucht es bei solchen Projekten immer. Und wenn es für beide passt, ist es umso besser», so Martin Huber. Deren Anliegen sei es, dass das Land unterhalb des Entwässerungsgrabens besser bewirtschaftet werden kann. «Die Bewirtschaftung wird nach wie vor extensiv sein, aber das Land ist nicht mehr so feucht», erklärt Huber. Die Massnahme ziele aber in erster auf die Ansiedlung seltener Tierarten. «So kann ein wertvoller Lebensraum geschaffen werden», fügt Ariane Hausammann hinzu.

Viele Player

«Wir haben gesehen, dass das Projekt ein grosses Vernetzungspotenzial hat», bestätigt Ariane Hausammann. Die Sanierung des Grabens ist ein Werk, das mit unzähligen Playern koordiniert werden musste. Im Februar 2015 trafen sich die Beteiligten das erste Mal vor Ort. Mit dabei waren Vertreter der Gemeinde, von Karch (Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz), Grundeigentümer, Vertreter von Pro Natura und vom Kanton.

«Pro Natura hat die Trägerschaft übernommen und die Finanzierung organisiert», erklärt Ariane Hausammann. Den grossen Brocken der Kosten sicherte der Fonds Nature Made Star Kraftwerk Ruppoldingen der Alpiq Hydro Aare AG. Alle drei, vier Jahre soll ein Abschnitt des Wassergrabens wieder ausgebessert werden. Hier hilft massgeblich die Gemeinde Buchegg mit.

Früher den Bach gestaut

Auch Kurt Stuber, ehemaliger Gemeinderat von Buchegg, kämpft sich mit dem Elektrorollstuhl über die Wiese. Er kann sich gut erinnern an seine Jugendzeit. «Hier haben wir früher den Mülibach gestaut und die Wiesen gewässert. Das war eine Wässermatte.» 1957, als laut Erzählung seiner Mutter ein äusserst trockenes Jahr war, sei diese Matte die einzige gewesen, die noch Gras hatte. «Bis nach Küttigkofen hinunter.» Heute soll der Wassergraben nicht mehr die Matte wässern und mit Sedimenten versorgen, sondern vor zu viel Wasser schützen und gleichzeitig Lebensraum werden.

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