Blumenhaus Buchegg

«Der Wald tut ihnen gut» – Was die Gruppe abseits von Therapieräumen erlebt

Seit November letzten Jahres führt das Blumenhaus Buchegg im Wald von Gächliwil von Montag bis Freitag eine Waldguppe.

8 Uhr 30 an einem sonnigen Morgen: im Blumenhaus Buchegg herrscht Hochbetrieb. Die Waldgruppe, angeführt von Simon Weber und Ivan Bürki, ist fast bereit zum Aufbruch. Es fehlen zwar noch zwei von vier der angemeldeten Personen, aber der grosse Wassertank, alle Lebensmittel und Utensilien sind bereits im Transportbus verladen.

«Wir besammeln uns jeweils am Morgen, dann geht’s nach Lohn zum Denner, wo wir das Znüni kaufen und anschliessend fahren wir zur Waldhütte von Gächliwil», erklärt Weber. Kurz vor 9 Uhr treffen dann auch Lukas Häusler und Abyan Noor ein, damit ist die Waldgruppe komplett und es kann losgehen.

Die Waldgruppe ist bei jedem Wetter draussen

Bei der Waldhütte beginnt sogleich die Arbeit. Während Dominik Aeschbacher die Toilette aufschliesst, macht Lukas Feuer. Daniel Schumacher, der mit seinen 52 Jahren der Älteste in der Gruppe ist, bereitet sich auf das Sägen vor und Abyan bestaunt indessen die Baumkronen. «Jeder Betreute ist unterschiedlich», erklärt Weber, «Dominik hat oft herausforderndes Verhalten gezeigt und wurde laut. Seit er aber täglich mit uns in den Wald kommt und hier auch vieles lernt, tritt dieses Verhalten weniger auf. Es ist erfreulich wie viel er seit November gelernt hat.» Dominik und Lukas gehen beide täglich mit in den Wald. «Der Wald tut ihnen gut.»

«Lukas fand sich zum Teil in den engen Atelierräumen nicht zurecht. Hier im Wald hat er genügend Platz, und er kann sich auch mal zurückziehen», meint Bürki während er das Znüni vorbereitet. Die Waldhütte sei super geeignet für die Waldgruppe. Es hat eine grosse Feuerstelle, wo gekocht wird und einen langen Holztisch, an dem das Znüni und das Zmittag gegessen werden. Ausserdem könne man dank dem ausgezogenen Dach auch arbeiten, wenn es regnet. «Wir sind bei jedem Wetter draussen», erklärt Weber stolz. «Es hat sich nie jemand beklagt, wenn es geregnet hat oder kalt war, das ist toll.»

Die Waldgruppe verrichtet verschiedene Arbeiten. «Angefangen haben wir mit dem Aussortieren der verdorrten Tannli im Wald. In gewisser Weise räumen wir den Wald auf.» Mit dem Holz werden von Hand Scheite gesägt und aus den Zweigen entstehen «Wedele». Die Arbeit der Waldgruppe lässt sich sehen: Fein säuberlich gesägte Scheite stapeln sich neben der Waldhütte zu einer riesigen Holzbeige. Hinter der Hütte befinden die «Wedele» und das Holz, das «nicht ganz so schön» sei. Aus letzterem will die Waldgruppe bald Holzkohle herstellen.

Unterdessen ist das Znüni parat, und es brennt ein hübsches Feuer, schliesslich braucht das Risotto genügend Hitze, das später gekocht wird. Es dauert nicht lange und alle Schinkensandwiches sind aufgegessen, nun kann es richtig losgehen. «Wir holen Holz, es hat fast keines mehr hier», erklärt Weber den vier Teilnehmern. Bürki geht mit Dominik und dem Holzwägeli vor, während Weber mit den anderen die Nachhut bildet. «Abyan ist heute nicht so schnell unterwegs», meint Weber.

Der Weg führt die Gruppe durch den Wald zu einem grossen Haufen unverarbeitetem Holz. Als Weber zusammen mit Lukas, Daniel und Abyan dort eintrifft, läuft bereits die Motorsäge. Bürki schneidet meterlange Stücke und Dominik trägt sie zum Holzwägeli. Dieses ist bald voll, und es geht zurück zur Waldhütte. Bald schon muss das Risotto aufs Feuer, aber es herrscht keine Hektik. «Wir geben ihnen so viel Zeit, wie sie brauchen», erklärt Weber. Das sei sehr wichtig. Man merkt wie sehr Daniel, Abyan, Dominik und Lukas die Natur und das Draussensein geniessen. Der Wald tut ihnen wirklich gut.

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