Welcher Standort und welches Ensemble wären geeigneter, die Operette «Der Vogelhändler» von Carl Zeller auf die Freilichtbühne im äusseren Wasseramt zu bringen als die zur Institution gewordene künstlerische Produktion der Bühne Burgäschi? Die bei schönstem Wetter besuchte Vorpremiere liess den Charme dieses hier von Laien und Profis getragenen Gemeinschaftswerks spüren, bei dem man in jeder der pulsierenden Einzelheiten in Organisation und Spielverlauf den Leistungswillen aller Beteiligten empfindet. Dabei gelingt es trotz Anspannung bewundernswert, die unterhaltsame Heiterkeit dieses Stückes hervorzuheben.

Als künstlerische Leiterin hat Melanie Gehrig der Operette eine eigene Prägung verliehen. Für sie war in ihrer Inszenierung die Betonung der märchenhaften Essenz wichtig. Fast augenzwinkernd entführt sie ins «Es war einmal» betitelte Fantasiereich. Gelegentlich lässt ihre von symbolhaft bekleideten Formationen und einem Tänzerpaar mit akrobatischen Bewegungsformen getragene Fassung sogar an einen Shakespearschen «Sommernachtstraum» denken. In der Ausstattung der 32 Chormitglieder, der 10 Chorsolisten und der 16 Rollenträger verfügt die Regie über farbensprühende Meisterschaft, um die flächenmässig ausgedehnte Bühne zu beleben. Ihre Bühnenbildidee setzte Meinrad Engesser gemeinsam mit Mitarbeitenden der Regiomech Zuchwil um.

So wird das früh eintreffende Publikum der vorgesehenen 21 Aufführungen vom Blick in die sanfte Wasserämter Landschaft, auf die Ebenen und Gestaltungselemente der Bühne mit – man glaubt es kaum: quikenden Ferkelchen – von den herüberwehenden Übungen der Sängerinnen und Sänger und vom abschliessenden Einstimmen des wettersicher untergebrachten grossen Orchesters unter der Leitung von Reimar Walthert bezaubert sein. Dank sorgsamer Tonregie (Daniel Trutt) ist ein ausgewogener Instrumentalklang zu hören. Dies ist der Zeitpunkt, den Alltag vergessen zu können. Spätestens dann, wenn Gundel (Andi Hubert), der bei Zeller Quendel heisst, in seiner köstlich pompösen Aufmachung samt Hund Fritzli mit elegant näselndem Akzent das Spiel eröffnet.

Etliche Szenen in diesem optisch faszinierenden Bilderbuch wirken herzberührend: Wenn etwa der Vogelhändler (Roman Lauder) gemeinsam mit Kindern auftritt, die in ihrer hübschen Aufmachung an gefiederten Nachwuchs erinnern. Oder wenn die Liebe zwischen der entzückend mädchenhaften «Postchristel» (Anna Vichery) und dem Vogelhändler unter derart vielen Missverständnissen leidet. Als ländlich-deftig gefällt mit ihrem Anführer Schneck (Hermann Gehrig) die Jägergruppe, die ganz überraschend dem Tisch der dörflichen Wirtschaft entsteigen. Neben vergnüglichen Gags sind die darstellerischen Leistungen bei allen Mitwirkenden wirklich bestechend. Die Sprechrollen sind akustisch verstärkt gut zu verstehen.

Die Geschichte ist schnell erzählt. Es geht um die geplante, dann abgesagte kurfürstliche Jagd, den leergeschossenen Forst, die Geldnot von Stanislaus (gut besetzt: Fabio de Giacomi), Neffe des in Korruptionsmanier agierenden Baron Weps (Roger Bucher, rundum in Spiel und Gesang überzeugend) und dessen Plan, ein Täuschungsmanöver zu entwickeln. Ins Geschehen hinein funkt im Kreis ihrer feinen und stimmschönen Hofdamen Kurfürstin Marie (Melanie Gehrig, wie immer ansprechend in Stimme und Aussehen), die ihrem kurfürstlichen Gatten bezüglich seiner Treue misstraut. Da der gradlinig auftretende Vogelhändler Adam (dessen prächtiger Tenor viel Beifall erhält) glaubt, dass seine Verlobte Christel mit dem Kurfürsten alias Stanislaus ein «Techtelmechtel» hatte, wendet er sich enttäuscht der als Landmädchen verkleideten Marie zu. Etwas langfädig wird im zweiten Teil der Operette der Irrtum aufgeklärt, bis schliesslich die reine Liebe wieder glänzen kann.

Diese Operette besteht aus der alle Sinne ansprechenden, gelungenen Mischung von Handlung und dem herrlich rankenden Beiwerk an Emotionalität. Dafür zuständig sind die Welthits an Carl-Zeller-Melodien. «Schenkt man sich Rosen in Tirol», «Grüss Euch Gott, alle miteinander», «Ich bin die Christel von der Post» oder «Ich bin der Prodekan» als Einlage der trotteligen Gelehrten Süffle (Peter Bader) und Würmchen (Stephan Ruch). Chor und Soli ergänzen sich gefällig auf dem orchestralen Klangteppich. Gestern wurde die Premiere gefeiert.

Informationen zu den weiteren Aufführungen und Reservationen finden Sie unter www.burgaeschi.ch.