Fasnacht

Der Umzug in Biberist feiert Jubiläum: «70 Johr – enorm in Form»

Ein farbenfroher, konfettireicher und mitreissender Umzug mit 19 Nummern erfreute am Sonntag in Biberist eine Unmenge Fasnächtler.

Er hat wie immer Poleposition am Umzug, der hellbraune Schnägg, Biberists fasnächtliches Wahrzeichen. Mit einem Auge zwinkernd schaut er auf dem blumengeschmückten «Schnägge-Wage» in den blauen Himmel. Er freut sich nicht nur genüsslich über seinen Salat und die Karotten, sondern auch über die zahlreichen gut gelaunten Fans am Strassenrand. Denn 70 Jahre Biberister Dorffasnacht sind schliesslich nicht ohne und müssen gefeiert werden.

Unter die Leute, direkt vom Emmenstrand, wagen sich auch die formvollendeten Schnägge und die behaarten Ratten der einheimischen «Ämmeratte». Sie machen es sich auf ihrem Wagen gemütlich zum Thema «70 Johr und gäng no fit, mir grilliere hüt und fiire mit». Die «Chnorz & Morgs GmbH» warnt mit «Achtung Steinschlag» vor den Schlacken der von Roll. «Duets im Stauwärch bolle, muesch e Höum go hole», warnen sie eindringlich. Sie selber lassen anstatt Schlacken explosiv bunte Konfetti himmelwärts verpuffen.

Besuch aus dem Vatikan

Selbst Papst Franziskus fährt winkend im Papamobil am Umzug mit. Seine Nonnen und Mönche betteln wegen dubioser finanzieller Geschäfte des Vatikans für den verarmten Franziskanerorden. Mit einem «Amen und vergelts Gott» geben sie auch gleich die IBAN-Nummer bekannt. Über Krankenkassenprämien jammern die «Füuzlüüs». Auf ihrer übergrossen Kasse leuchtet es bedrohlich «Error – Error». 40 Jahre Mitmachen proklamieren die gestandenen Fasnächtler Sonja und Ernst Schläfli. Sie starteten einstmals unter «Böösi Müüler» und später unter «Hirnibicker». Nach einer Kreativpause nehmen sie nun seit sechs Jahren unter «Schnitzu-Grufties» das Dorfgeschehen auf die Schippe. Seriös zeigt sich die Gruppe «Werkspielplatz». Sie präsentiert sich in Gebasteltem und Gewerktem und macht Reklame für ihr Jahresprogramm. Aus Gerlafingen sind hüpfende «Zwärge in freier Wüudbahn» angereist.

Was wäre ein Umzug ohne explosive Musik? Die seit über 50 Jahren bestehende Biberister Gugge «Ventil-Blöterler» begeistert als Weihnachtsmänner und Weihnachtselfen vom Nordpol. Sie verkünden: «Dr Summer hei mer im Herbst gha, jetz isch haut d’Wienacht ar Fasnacht dra.» Ihre mitreisende Badenixe verkündet resigniert: «Ich mache Ferie ellei, mi Chlous het noni frei». Jung und knackig, wie sich die 15-jährige Jugendgugge «Note-Tschauper» bezeichnet, ist keineswegs übertrieben. Sie erfreuen nicht nur musikalisch, sondern auch mit rot-weissen Kleidern und imposanten Masken. Die Jungtambouren beweisen mit gekonnten Wirbeln ihr Talent. In Affengewändern stecken ihre älteren Kollegen. Logisch, dass diese ihrem, im Bananenkostüm steckenden Major taktgenau folgen.

Sieben Guggen aus der Region

Sichtlich lieben auch auswärtige Guggen den Biberister Umzug. Ob glitzernd, graziös, schelmisch, tierisch oder ergötzlich – ihre Kostüme und Masken sowie kunstvoll geschminkten Gesichter beeindrucken. Die entflammenden Klänge heizen die Zuschauer zum Mitwippen ein. Für einmal ist es unbestritten die fetzige Musik, denn die beinahe obligate Bise fehlt, und die Sonne geizt nicht mit wärmenden Strahlen. Aber auch die Namen der Guggen sind bemerkenswert: Bellachs Schwarzmeerfrösche, die Deitinger Chäslochbrätscher, die Wuuduu-u-du-Ämmekracher aus Derendingen, Niederwils Schnadehüdeler, die Recherswiler Iguschränzer, die Öschschränzer aus Subingen und die Nuggi-Guggi als wilde Bärenbande. Das abschliessende Platzkonzert mit acht Guggen elektrifiziert den Kreislauf nochmals definitiv. Das Stillstehen zu den Ohrwürmern wird unmöglich. Dabei sind auch die Ess- und Getränkestände heiss begehrt. Für die Nimmersatten geht das bunte Treiben in den Restaurants weiter.

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