Uhrenindustrie
Der Uhren-Vertrieb stockt, Marlox baut Stellen ab

Die Uhren- und Schmuck- Vertriebsfirma in Biberist hat acht Kündigungen ausgesprochen. Die Firma gehört den Uhrenpatronen Bernheim, die auch die Besitzer der Uhrenfirmen Mondaine und Luminox sind.

Franz Schaible
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Ronnie Bernheim, Uhrenpatron und Mehrheitsaktionär der Marlox AG

Ronnie Bernheim, Uhrenpatron und Mehrheitsaktionär der Marlox AG

Thomas Ulrich

Bei der Uhren- und Schmuck-Vertriebsfirma Marlox AG in Biberist kommt es zu einem Stellenabbau. Von den 29 Mitarbeitenden haben deren acht die Kündigung erhalten, wie Ronnie Bernheim entsprechende Informationen dieser Zeitung bestätigt. Er ist zusammen mit seinem Bruder André Bernheim Mehrheitseigentümer der Marlox. Die gekündigten Mitarbeitenden würden – falls gewünscht – bei der Stellensuche unterstützt. Ein Sozialplan sei nicht vorgesehen, aber «allfällige Härtefälle werden individuell besprochen», sagt Bernheim.

Lizenznehmer in Hongkong

Untergebracht ist Marlox im Mondaine-Haus. Dort sind zudem die ebenfalls Bernheims gehörenden Uhrenfirmen Mondaine und Luminox tätig. Alle drei Firmen würden aber unabhängig voneinander agieren. 2009 haben die Bernheims zusammen mit weiteren Partnern über die neu gegründete Marlox-Gruppe mit Hauptsitz in Hongkong Produktionseinheiten in Asien und eine Schweizer Vertriebsfirma in Biel des insolventen Egana-Goldpfeil-Konzerns übernommen.

Das Unternehmen beschäftigte weltweit rund 2000 Mitarbeitende. Die Marlox AG in Biberist sei, so Ronnie Bernheim, eine reine Vertriebsfirma der ebenfalls 2009 gegründeten Hongkonger Schwesterfirma Mywa. Letztere sei Lizenznehmerin für Uhren und teilweise Schmuck der Marken Esprit, Joop und Puma. Die Marke Pierre Cardin (Schmuck und Uhren) gehöre seit drei Jahren der Investorengruppe. Die Fashion-Uhren und Schmuckteile werden zum Grossteil in Asien gefertigt und der Teil nach Biberist spediert, den Marlox in der Schweiz und in Deutschland vertreibe.

Keine grosse Überraschung

Nun harze das Geschäft, begründet Bernheim den Stellenabbau. Einerseits liege das an wirtschaftlichen Schwierigkeiten in den wichtigsten Absatzmärkten, andererseits am veränderten Konsumtrend hin zu traditionellen Uhren- und Schmuckmarken.

Als weiteren Grund führt Bernheim das neue Swissness-Gesetz an. Der früher in Biberist produzierte Anteil der Fashion-Uhren sei wegen der starken Verteuerung nach Asien verlagert worden mit dem Effekt, dass das Swiss-Made-Label für diese Kollektionen nicht mehr gelte. «Dies hat die Attraktivität der Fashion-Uhren insbesondere auf den wichtigen Märkten im Mittleren Osten geschmälert.» Die weitere Entwicklung der Biberister Marlox als Distributionsfirma hänge von der Entwicklung der Mywa ab.

Ganz überraschend kommt der Stellenabbau nicht. Vor vier Monaten schrieb die Uhrenfirma Büro- und Gewerberäumlichkeiten im Mondaine-Haus in Biberist zur Vermietung aus. «Das Lager für Uhren-Handelsware der Mieterin Marlox wird kleiner. Es ist geplant, diese freiwerdenden Flächen zu vermieten», begründete damals Ronnie Bernheim die Ausschreibung.

Kein Abbau in der Uhrenproduktion

Im Gegensatz zu Marlox sind die Uhrenhersteller Mondaine und Luminox gut unterwegs. Die Auslastung der Produktion sei gut und man schaue dank neuer Produkte und Innovationen positiv ins laufende Jahr. Auch die Verkäufe der M-Watch bewegten sich nach oben. In der Uhrenmontagefirma Remonta AG würden keine Stellen abgebaut.

Auf dem Schweizer Markt habe Mondaine im 2016 ein Rekordjahr erzielt. «Der Umsatz stieg um 30 Prozent.» Auch wenn der Sondereffekt durch die Special Edition Uhren zur Eröffnung des Gotthard-Basistunnels ausgeklammert werde, habe man den Schweizer Umsatz um zehn Prozent steigern können. Dagegen habe im Export ein Rückgang im einstelligen Bereich resultiert. Im laufenden Jahr erwartet Bernheim wieder steigende Exportverkäufe.

Bei der Marke Luminox sei weltweit ein stärkerer Rückgang zu verzeichnen, weil sich die Geschäfte in China und den USA schlechter entwickelten. Im Herbst haben die Bernheims die Marke Luminox und die dazugehörige amerikanische Vertriebsfirma vollständig übernommen. Zuvor waren sie zur Hälfte an Luminox beteiligt. Nun werde in den Ausbau des Marktes investiert. «Der Umsatz von Luminox dürfte 2017 wieder steigen», so Bernheim.

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