Der Sozialdienst der Gemeinden aus dem Mittleren und Unteren Leberberg (SDMUL) hat ein Raumproblem. Die Anlaufstelle der Sozialbedürftigen der Gemeinden Bellach, Langendorf, Oberdorf, Rüttenen, Riedholz, Flumenthal, Hubersdorf, Feldbrunnen-St. Niklaus, Günsberg, Balm b. Günsberg und Kammersrohr am solothurnischen Rossmarktplatz stösst an ihre räumlichen Grenzen.

«Zugespitzt hat sich die Situation mit der grossen Zunahme von anerkannten Flüchtlingen, die wir betreuen», erklärt Hanspeter Berger. Der Gemeindepräsident von Langendorf ist der Präsident des Zweckverbandes SDMUL.

Die Anlaufstelle ist in der Stadt an einem zentralen Ort untergebracht, damit die Kunden mit dem öffentlichen Verkehr anreisen können. Dies weil Sozialhilfeempfänger keine Fahrzeuge haben dürfen.

Der Sozialregionspräsident begründet den Umzug vor allem mit der Zunahme der zu Betreuenden. Für Sozialregionsleiter Hansruedi Waiz ist die Sicherheit aber ein ebenso wichtiges Thema.

Kein Fluchtweg

Ein Augenschein in der 2. Etage am Rossmarktplatz 12 belegt die ungenügenden Verhältnisse. Der Sozialdienst verfügt über nur einen Zugang. «Wenn im Treppenhaus jemand ausflippt, sind wir abgeschnitten», berichtet Sozialregionsleiter Hansruedi Waiz

Tritt man ein, steht man gut einen Meter von der Anmeldung entfernt, die ohne schützendes Glas ausgestattet ist. Der Anmelderaum ist eigentlich ein Wohnungsgang. Neben der Eingangstüre stehen drei Stühle für die Wartenden bereit. «Dort befindet sich aber nicht nur der Empfang. Auch administrative Besprechungen müssen am Empfang durchgeführt werden», berichtet Hansruedi Waiz.

Zusätzlich schlängeln sich die Mitarbeitenden im Gang an den Wartenden vorbei, um zu den verschiedenen Räumen zu gelangen. «Wenn der Raum voll ist mit Leuten, entsteht nicht nur dort, sondern auch hinter dem Schalter eine unangenehme Drucksituation.» Ein Ausweichen sei nicht möglich.

Die Büros sind sowieso besetzt für die normalen Besprechungstermine der Mitarbeitenden. Auch das frühere Sitzungszimmer musste geopfert werden. Dort sind unter anderem Mitarbeiter der Buchhaltung untergebracht. «Unerwünschte Situationen ergeben sich, wenn zwei sich nicht wohlwollende Personen im Raum befinden.» Die Eingangstüre biete keine Sicherheit. «Wenn dort jemand energisch den Eindruck hat, er will eintreten, dann ist die Türe das kleinste Problem.»

Viel mehr Anerkannte

Der Umzug wird nicht die einzige Erleichterung für den Dienst sein. Der Dienst erhält 60 Stellenprozente Administration zusätzlich. Dies soll den anderen Sozialadministratorinnen mehr Zeit geben für die Betreuung anerkannter Flüchtlinge. «Zur Unterscheidung: Die Asylbewerber sind in kommunalen Unterkünften untergebracht und werden von unserer Asylbetreuerin koordiniert. Die anerkannten Flüchtlinge müssen in eigenen Wohnungen leben», erklärt Hansruedi Waiz.

Anfang Jahr betreute der Dienst 16 anerkannte Flüchtlinge. Aktuell sind es 45. «Diese haben bereits ein Jahr und mehr in Bundes-, Kantons- oder kommunalen Strukturen hinter sich, teils Sprachkurse absolviert und sich bereits Strukturwissen angeeignet.» Von ihnen wird zwar erwartet, dass sie möglichst viel selber bewerkstelligen. Aber bis sie gesellschaftlich und finanziell integriert sind, muss der Sozialdienst mithelfen.

«Absolut unschön»

Die Delegiertenversammlung hat mit dem Ja zum Budget 2016 auch die finanziellen Ressourcen für den geplanten Umzug bereitgestellt. «Budgetiert wurde der Betrag, den wir durch eine Mietzinsofferte am möglichen neuen Standort erhalten haben», erklärt Berger.

Laut Hansruedi Waiz hat der Umzug aber eine «absolut unschöne» Komponente. Wegen einer Kündigungsfrist von einem Jahr am alten Ort müssen 2016 möglicherweise zwei Mietzinse bezahlt werden. «Das ist nicht toll, aber im Alltag haben wir mit unseren Strukturen in diesen Räumlichkeiten einfach Schwierigkeiten.»

Ein möglicher neuer Standort werde nun evaluiert. «Wir schauen, ob sich die Räumlichkeiten für uns eignen.» Der Umzug sollte Anfang 2016 über die Bühne gehen.