Zuerst verliebte sich Brandon Miller in eine Frau, dann in das Dorf, aus dem sie kommt. Als Zeichen seiner Treue heiratet er nächstes Jahr Bernadette Vögeli aus Hersiwil. Und am 2. Juli will er Gemeindepräsident der Drei Höfe werden. Es sei gewesen, wie nach Hause zu kommen, schildert der 63-Jährige seinen Erstkontakt mit dem äusseren Wasseramt. Von der Autobahnabfahrt Kriegstetten fuhr er nach Hersiwil. «Nach Oekingen ging auf einmal das Land auf. Plötzlich diese unverbauten Felder, die Wälder, die Weite. Da machte es Wusch!» Nie zuvor hatte der Weltenbürger heimatliche Gefühle wie hier. Dreieinhalbmal umrundete Brandon Miller den Planeten. Seit gut einem Jahr wohnt er in Hersiwil und will nicht mehr weg.

Die Geschichte beginnt in Brunsbüttel. Dort, an der Mündung der Elbe in die Nordsee, lebte Brandon Miller seine ersten acht Jahre. Der anglofone Name rührt vom Grossvater väterlicherseits her, einem Amerikaner. 1962 war die Familie aus Norddeutschland auf Besuch in der Schweiz. Auf dem Programm stand der Basler Zolli. Im Industriegebiet von Pratteln trat ein Mann aus seinem Firmengebäude und sprach Millers Vater an. Der Deutsche machte Eindruck und wurde aus dem Stand als Speditionschef eingestellt. Die Familie zügelte in die Schweiz. Spontanität zeichne sowohl seinen Vater als auch ihn aus, erklärt Brandon Miller.

Längst ist Brandon Miller ein «waschechter Schweizer» geworden, wie der abtretende Gemeindepräsident der Drei Höfe, Thomas Fischer, vor der Gemeindeversammlung betonte. Weil er zu den Fliegertruppen wollte, liess sich Miller mit 17 Jahren in Pratteln einbürgern. «Ich fühlte mich als Schweizer», begründet er. Das ist ein wichtiges Merkmal bei den Höfern, die die Masseneinwanderungsinitiative angenommen und die erleichterte Einbürgerung der dritten Generation verworfen haben. Selber mag er sich nicht politisch einordnen. «Ich brauche keine Partei, um eine Meinung zu haben.» Seine Leitgedanken seien liberal, Selbstbestimmung sei wichtig. «Gegen patriarchale Strukturen bin ich allergisch.»

Aufgezwungene Entscheide führten in der Regel nicht weit, sagt der Kandidat für das Gemeindepräsidium. Wird er gewählt, will er sich als «Teamplayer» für die politische Autonomie der Höfe einsetzen. Am Herzen liegen ihm ausserdem der Naturschutz und eine intakte Umwelt. Den Volksauftrag der SP für eine bessere Verbindung des Wasseramts an den öffentlichen Verkehr hat der leidenschaftliche Töfffahrer längst unterschrieben.
Auch die Energiestrategie 2050 befürwortete er. Das überrascht, steht er doch bei den Atomkraftwerken in Lohn und Brot, hoffte einst sogar auf den Bau des AKW Kaiseraugst. Im Auftrag des eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorates (ENSI) überprüft Brandon Miller für die SVTI-Gruppe die Sicherheit in den Schweizer AKW. Weltweit überwacht er Bau und Montage von Komponenten und Systemen.

Soeben führte er im italienischen Como eine technische Abnahme für den Einbau von Reaktorpumpen nächstes Jahr in Leibstadt aus. Der gelernte Industrieschweisser mit fachlichen Weiterbildungen begleitete den Bau des AKW Leibstadt, arbeitete bei General Electric und Alstom. Sein Job trägt ihm viel Verantwortung auf. Dabei steht sein Erscheinungsbild mit geflochtenem Bart und Tätowierungen am ganzen Körper nur scheinbar in Kontrast mit seinen Werten. Auf Brandon Miller ist Verlass, hört man allenthalben. «Ich stehe zu meinem Wort, immer», bekräftigt er in breitem Baselländer Dialekt. Seine Partnerin Bernadette Vögeli bezeichnet ihn als grundehrlichen Menschen. «Er sagt, was er denkt, und was er sagt, das tut er.» Sie bewundert, wie offen er mit Menschen umgehe. Für die Kinder im Dorf ist Miller, der aus erster Ehe einen 43-jährigen Sohn hat, eine Attraktion – erst recht, seitdem er ihr «Präsident» werden will.

Gibt es bald ein Präsi-Bier?

Als Mitglied der Freien Liste, die das Dorf seit 2009 führt und der Brandon Miller einen «hervorragenden Leistungsausweis» attestiert, wurde er kürzlich in den Gemeinderat berufen. Nicht einlassen wollte sich der Politik-Neuling auf ein öffentliches Direktgespräch für diese Zeitung mit Rolf Späti. Dieser werde versuchen, ihn in eine Ecke zu drängen, befürchtete Miller. Er wolle lieber über sich selber sprechen. Und sagt dann doch: «Ich finde schlicht keinen vernünftigen Grund, warum der bestehende Gemeinderat mit einem neuen Kandidaten destabilisiert oder demotiviert werden soll.» Eine klare Aussage gegen Späti. Dass die «Alteingesessenen» diesen bevorzugen würden, glaubt Miller nicht. Eine zuerst skeptische, ältere Frau («einen mit langen Haaren wähle ich doch nicht»), will seinen Namen am 2. Juli jedenfalls auf den Wahlzettel schreiben. «Neue Besen kehren besser», meint sie inzwischen. Gut möglich, dass in der nachbarschaftlichen Kleinbrauerei, wo man sich am Freitagabend jeweils zur Männerrunde trifft, schon bald das «Präsidentenbier» im Kessel blubbert.

Hier geht es zum Beitrag über Rolf Späti