Attisholz Nord Riedholz
Der Schrott ist weg, Licht ist gekommen

Das Industrieareal Attisholz Nord in Riedholz hat sich in den letzten Monaten gewandelt. Fast alle Kessel, Tanks und Rohre sind abgebaut. Das Metall ist weg. Geblieben sind Gebäude.

Urs Byland
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Gemeindepräsidentin Jasmine Huber und Lothar Kind (Geschäftsführer Attisholz AG) sehen zuversichtlich in die Zukunft

Gemeindepräsidentin Jasmine Huber und Lothar Kind (Geschäftsführer Attisholz AG) sehen zuversichtlich in die Zukunft

Hanspeter Baertschi

Schöne Gebäude, die diverse Nutzungen zulassen, und schöne, die kaum genutzt werden können, aber auch steinerne Auswüchse, die weder schön noch nutzbar sind. Was davon am Ende stehen bleibt, ist teilweise definiert. Einige Gebäude gelten als prägende Industriebauten, die auf keinen Fall abgerissen werden dürfen. «Es ist klar, jeder hat seine eigene Meinung oder muss ein Interesse wahren, was die Bedeutung der verschiedenen Orte und Gebäude betrifft», sagt dazu Lothar Kind, Geschäftsführer der Attisholz Infra AG. Das werde jetzt in den nächsten Monaten im Rahmen der Nutzungsplanung mit den zuständigen Behörden ausdiskutiert. Im Laufe des Rückbaus musste auch schon mal eine Wand abgerissen werden, um einen verkauften Tank oder eine verkaufte Maschine aus dem Gebäude herausholen zu können. «Die wurden, wenn nötig, wieder aufgebaut», beruhigt Kind.

Gemeinde arbeitet an der Nutzungsplanung

Es entsteht sozusagen ein neuer Dorfteil

Die Planungshoheit für das Attisholz-Areal liegt bei der Gemeinde Riedholz. Diese arbeitet dafür eng mit dem Grundeigentümer und auch dem kantonalen Amt für Raumplanung zusammen. Aktuell detailliert das Planungsteam die im Teilleitbild vorgegebenen Nutzungen und wird einen Vorschlag für den Gemeinderat erarbeiten. Danach ist der Kanton mit der Vorprüfung an der Reihe, bevor eine öffentliche Mitwirkung, die Rede ist von Anfang 2016, gestartet wird. Am Ende entscheidet der Regierungsrat. «Die Frage ist noch, ob ein Teilzonen- und Erschliessungsplan erstellt werden soll oder ob man einen Schritt weitergehen will und einen groben Gestaltungsplan mit definiert», erklärt Jasmine Huber. Ein Gestaltungsplan hätte den Vorteil, dass direkt mit Bauvorhaben gestartet werden könnte.
«Wir achten darauf, dass das von der Gemeindeversammlung abgesegnete Leitbild eingehalten wird», sagt Gemeindepräsidentin Jasmine Huber. Zuallererst werde aber darauf geschaut, dass es für die Gemeinde finanziell tragbar ist. «Wir haben ein enges Korsett und sind froh, wenn wir frühzeitig wissen, was auf uns zukommt.» Betroffen ist etwa die Ausgestaltung der öffentlichen Zonen. Wer bezahlt die Gestaltung, wer ist für den Unterhalt verantwortlich? Handle es sich doch um eine grössere Fläche. «Es gibt andernorts bereits Lösungen, wie solche Entwicklungen verträglich verlaufen können», beruhigt Lothar Kind. Er verstehe die Einwände der Gemeinde. «Das ist nicht ein kleines Quartier, das erschlossen werden muss. Das ist wie der Bau eines neuen Dorfteils. Aber man muss das Rad nicht neu erfinden. Wir haben genügend Zeit», so Kind. Noch sei alles Papier. «Sobald es beginnt, erhält man auch ein besseres Gefühl für die ganze Entwicklung.»
Die Erschliessung des Areals ist eine Aufgabe der Gemeinde, grösstenteils finanziert durch Perimeterbeiträge der Grundeigentümerin. In dieser Phase ist der zeitliche Ablauf wichtig – zum Beispiel mit Vorfinanzierungen durch die Grundeigentümerin – damit die Liquidität der Gemeinde sichergestellt ist. «Ein Beispiel für das Vorgehen könnte die Erschliessungsvereinbarung für das aktuelle Abwasserprojekt sein», ergänzt Lothar Kind. Eine Verhandlungssache ist beispielsweise auch die bereits vorhandene Erschliessungsstrasse, die sich noch im Besitz der Grundeigentümerin befindet. Die Frage: In welchem Zustand soll die Gemeinde die Strasse übernehmen? «Wir wollen so stark wie möglich entlastet werden», sagt Huber. (uby)

Noch keine Blume

Nun präsentiert sich das Industrieareal wesentlich heller und geräumiger. Wo bisher Tanks die Sicht versperrten, hat man plötzlich Ausblick auf die Alpen oder mag erahnen, was auf dem Gelände möglich sein könnte. Die bisher virtuellen Pläne sind ein ganz klein wenig Realität geworden. Beim Rundgang auf dem Gelände sieht man zudem, dass mit einigen wenigen baulichen Eingriffen noch mehr möglich wird. Gleichzeitig erahnt man aber auch, dass es noch viel braucht, um dieses Industrieareal in eine Blume zu verwandeln. Manche Plätze gleichen Orten, die seit Jahrzehnten verlassen sind.

«Wir kommen langsam in eine neue Phase in der wir mehr Raum für Zwischennutzungen anbieten können. Bis anhin hatten wir Lager- und Abstellflächen. Bald können wir aufgrund der Planung und der Erschliessung abschätzen, wie lange wir welche Objekte vermieten können.» Gemeint sind Zwischennutzungen über eine längere Zeitspanne von bis zu 5 oder 10 Jahren für eine Arbeitsnutzung oder eine öffentliche Nutzung, etwa gesellschaftliche oder kulturelle Anlässe. So wurde beispielsweise auch in ein Gebäude aus den 70er Jahren investiert, das langfristig mit grösster Sicherheit abgerissen werden wird. «Vielleicht kann man das zehn Jahre lang nutzen und gewinnbringend als Lagerraum vermieten.» Das sei ein wesentlicher Punkt, um Einnahmen zu generieren.

Investorensuche

Mutterkonzern lässt viel Freiraum

In Sachen Verkauf des Areals, nach wie vor das Ziel des norwegischen Mutterkonzerns Orkla, bleibt Lothar Kind bedeckt. «Mit dem jetzigen Planungsstand gibt es nicht viele Investoren, die ein Areal in dieser Grösse übernehmen könnten.» Attisholz Nord sei aber sicher auf dem Radar der Investoren. Der Mutterkonzern lasse relativ freie Hand, und ermögliche auch mit Investitionen die Zwischennutzungen. «Der Eigentümer hat Erfahrung mit Arealentwicklung und weiss deshalb, was es dazu alles braucht», erklärt Kind. (uby)

Spanische Speisen

Das Areal ist aktuell vor allem im südöstlichen Teil zugänglich und etwas einsichtbar. Dort führt der Spazierweg über die nun öffentliche Fussgängerbrücke nach Attisholz Süd. Lothar Kind hat nicht nur eine Informationstafel aufstellen lassen. Bald soll ein öffentlicher Ausschank eröffnen. Die spanischen Mitarbeiter, die den Rückbau auf dem Gelände besorgen, wollen Trinkbares und spanische Speisen in einem umfunktionierten Waggon namens «Chiquita» anbieten. «Da kann man eine Theke ausklappen, so wie in der Solothurner Hafebar», erklärt Kind. Vis-à-vis steht ganz im Südosten eines der ältesten Gebäude auf dem Areal, die alte Chlorlöserei. Dieses hat eine Nottreppe, Geländer und neue Fenster erhalten. Das Obergeschoss kann für Anlässe gemietet werden. Auch gegenüber steht eine Halle mit einem noch grösseren Raum für Anlässe zu Verfügung. Es bleibe aber schwierig, das Areal zu öffnen, weil auch vieles ungesichert ist. Und trotzdem sagt Lothar Kind: «Es soll hier wieder Leben stattfinden. Wir sind neugierig für vieles. Bisher haben wir gute Erfahrungen gemacht.»

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