Auf einem Hektar Land leben drei bis vier Tonnen Bodenorganismen, eine Tonne davon macht der Regenwurm aus. Unter einem Fussballfeld können sich rund eine Million seiner Art befinden.

Zwar meiden sie zu trockene oder staunasse Böden, können aber sogar einjährige Überschwemmungen überleben. Ausser in vegetationslosen Wüsten und in den kältesten Regionen der Erde gibt es die Regenwürmer überall, wobei sie im Boden ein riesiges Netz an Gängen schaffen.

An der Vernissage vom Freitag wurde im Infozentrum Witi den über vierzig Gästen die neue Sonderausstellung zum Regenwurm vorgestellt. Fredy Vetter vom Zentrum für angewandte Ökologie in Schattweid hat diese Ausstellung vor zwanzig Jahren auf die Beine gestellt, es war seine allererste Ausstellung.

Das Thema ist noch heute brandaktuell. «Der Regenwurm ist für die Qualität des Bodens von zentraler Bedeutung», so Vetter. Dabei sei der Boden etwas vom wichtigsten für den Menschen. «Der Boden ernährt zum Beispiel Pflanzen, und reinigt und speichert Trinkwasser. Wir Menschen bewegen uns auf ihm fort.»

Damals vor mehr als zwanzig Jahren sei eine Art Hype um den Boden entstanden, da der Bund dessen Fruchtbarkeit überprüfen und garantieren wollte. So rückte auch der Regenwurm in den Fokus, der den Boden durchlüftet, ihn umpflügt, einen Beitrag zur natürlichen Stickstoffversorgung der Pflanzen leistet und auch Schädlinge bekämpft.

Das Märchen vom halben Wurm

Die sorgfältig und spannend gestaltete Ausstellung dauert bis zum 15. Oktober und bietet allerhand Informationen zum Regenwurm und dessen Lebensraum, so beispielsweise zeigt ein immens vergrössertes Modell, wie ein Regenwurm von Innen aussieht.

Der Regenwurm atmet mithilfe seiner Haut. Er hat weder Nase noch Augen. Er orientiert sich mit Tast-, Geschmack-, Druck- und Licht-Sinn. Er ist ein Zwitter, besitzt männliche wie weibliche Geschlechtsteile sowie Gehirn und Magen. Fünf Herzpaare sind für seine Durchblutung zuständig.

Die weitverbreitete Meinung, dass aus einem halbierten Wurm zwei Exemplare entstehen können, ist ein Ammenmärchen. Der vordere Teil des Wurms überlebt vielleicht, insofern es zu keiner Wundinfektion kommt und der Darm noch funktionsfähig ist.

Der hintere Teil wird sehr schnell absterben, das Zucken rührt nur noch von den Nerven her. So verwundert es nicht, dass intensiver Pflugeinsatz im Ackerbau den Regenwurmbestand dezimiert. Auch Pestizide sind für den Boden und Wurm schädlich.

Der «rege Wurm»

Ursprünglich hat der Name des Regenwurms nichts mit dem Regen zu tun. Zeitgenossen aus dem 17. Jahrhundert nannten ihn nämlich «reger Wurm».

Seine Hauptnahrungsquelle ist totes organisches Material. Er ist vermutlich vor rund 200 Millionen Jahren entstanden, hierzulande ist er in den Alpen bis auf 3'000 Meter Höhe nachgewiesen, dabei gibt es verschiedene Arten und Gruppen.

Erstaunlich: Er kann das Fünfzig- bis Sechzigfache seines Körpergewichts hochstemmen. Und auch, wieso er genau bei Regen aus dem Boden kommt, weiss man nicht mit Sicherheit zu sagen.