Es ist Anfang Nachmittag und das Jubiläumsfest in der Grabenöle bereits in vollem Gang. Die Festwirtschaft im Zelt hat schon ein Mittagessen für die rund 80 Vereinsmitglieder serviert, die vor Beginn die Generalversammlung besucht haben.

Die Musiker von Mattersax, Otto Wenger und Ennio Gasparoli, sind in den Startlöchern. Auf der Wiese vor dem Mühlebach hat der Elternverein Bucheggberg einen Tisch zum Basteln installiert. Und unter dem Nussbaum, direkt vor dem Hühnergehege, steht das Zelt von Ernesto Romano. Mit Teppichen und Kissen ausgestattet lädt er ein, in die Märchenwelt einzutauchen.

Schon erklingt Romanos Stimme, er ruft zum Beginn der Geschichte auf. Einen Augenblick später haben ein Dutzend Kinder und einige Erwachsene im Zelt Platz genommen. Auf der anderen Seite des Mühlebachs drängen sich die Festbesucher um den Eingang zur Öle.

Ein sinnliches Erlebnis

Wasserrauschen empfängt einen. Dann das mächtige Wasserrad. Dahinter führt eine schmale Steintreppe ins Untergeschoss. Russige Luft, es riecht nach Feuer, die Sicht ist leicht vernebelt. Es knarzt und knallt. Drei Kerzen verströmen schummriges Licht und unterstreichen die geheimnisvolle Stimmung, die von dieser alten Maschine und ihrer Mechanik ausgeht. Die Sinne sind wach, etwas furchterregend mutet es an. Neben, über und vor einem drehen sich geräuschvoll Balken und grosse Holzzahnräder, greifen ineinander und entwickeln immense Kräfte.

Am Kollergang, wo die Nusskerne zuerst zermahlt werden, steht Vereinsmitglied Stefan Vonwil aus Luzern. Seit über zehn Jahren hilft er bei der Ölgewinnung mit. Er erklärt gerade den Mahlvorgang sowie die Flachsreibe und die Knochenstampfe, die ebenfalls hier im Keller stehen, als die Ölerin Claudia Leu ruft, sie brauche jetzt das ganze Wasser. «Ich kupple nun das Rad hier aus, damit die volle Kraft auf die Presse wirkt», erklärt Vonwil.

Ein Knall, es folgen weitere und dazwischen schlägt die Ölerin mit einem Hammer die Keile zurecht. Körperlich anstrengende Arbeit, die die volle Präsenz der Ölerin verlangt. Wenn sie gerade nicht an der Presse hantiert, erwärmt sie im Rührwerk über dem kleinen Feuer den Nussbrei.

«Ölerin sein, ist eine Ehre»

Claudia Leu ist seit 22 Jahren Mitglied des Vorstands. An etwa zehn Wochenenden pro Jahr schlüpft die Kinderphysiotherapeutin aus Luzern in die Funktion der Ölerin, was für sie eine Ehre ist. «Wenn ich jeweils hier ankomme, begrüsse ich zuerst die Öle», sagt sie und spricht von Respekt und Ehrfurcht der Öle gegenüber.

Wichtig sei beim Ölen, dass man den Kopf beieinander habe. «Über die Jahre kennt man die Geräusche der Öle. Es braucht nur ein ungewohntes Geräusch und wir merken sofort, wenn etwas nicht stimmt.» Man erkennt leicht, die Grabenöle und ihr Verein ist den Mitgliedern eine Herzensangelegenheit.

Eine der vielen Besucherinnen ist Beatrice Rohn aus Recherswil. In ihrem Garten hat sie zwei Nussbäume und «wenn es Nüsse gibt, gehen wir ölen», sagt sie. Dieses Jahr erwartet sie eine gute Ernte, vielleicht sogar an die 50 Kilo. Für ein Kilo Kerne sitzen sie und ihr Mann eine Stunde am Küchentisch und knacken Nüsse. Das gebe gute Gespräche, so Rohn. Pro Kilogramm Kerne könne sie über vier Deziliter Öl mit nach Hause nehmen. Und das Nussmehl, das sie zum Backen verwende, etwa für den «Öli»-Kuchen.