Frühlingskonzert
Der neue Dirigent der Musikgesellschaft Derendingen erntet Standing Ovation

Die Musikgesellschaft Derendingen führte ihr erstes Frühlingskonzert unter neuer Direktion durch.

Hans Blaser
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Die «Sandpapier-Werker» im Einsatz.

Die «Sandpapier-Werker» im Einsatz.

Beim ersten Frühlingskonzert der Musikgesellschaft Derendingen unter der neuen Direktion war die starke Hand des neuen Chefs spürbar. Die reiche Erfahrung als Dirigent einerseits und als Experte und Juror andererseits auf allen Stufen der Blasmusik nützt Urs Heri natürlich. Genutzt hat die Musikgesellschaft auch die vertragliche Zusammenarbeit mit der Musikschule. Dank der sass eine verstärkte MGD hinter den Notenpulten. So war es möglich, das Konzert gleich mit der Ouvertüre zu «Don Pasquale» von Gaetano Donizetti (1797–1848) zu eröffnen.

Dabei ist das gewählte Arrangement von Stephan Jaeggi vermutlich nicht das einfachste. Auch wenn einige Mitglieder an der Grenze ihres Könnens kratzten, wurde es ein vergnüglicher Auftritt. Besonders vergnüglich wurde es beim «Sandpaper Ballet» das der Amerikaner Leroy Anderson 1954 explizit für Blasorchester schrieb. Er hat wohl nicht im Traum erwartet, dass diese Komposition den Weg in die grössten und bekanntesten Orchester finden wird und gerne bei besonderen Anlässen als humoristischer Gag aufgeführt wird. Vier Perkussionisten der MGD kamen damit zu ihrem besonderen Auftritt als «Sandpapier-Handwerker».

Obwohl Ralph Vaughan Williams (1872-1958) englische Volkslieder als Ausgangsmaterial nutzte für seine 1923 entstandene «English Folk Song Suite», schuf er damit eine komplett harmonisch ausgestaltete und raffiniert instrumentierte Komposition. Erst im Nachhinein entschied er sich für das Intermezzo, wie er den Mittelsatz nennt, für eine andere Grundlage. Um die klassische Suitenform zu erhalten, ersetzte er den ursprünglichen zweiten Satz «Sea Songs» mit dem heutigen «My Bonny Boy». In genau diesem Mittelsatz ist bei der Interpretation durch die MGD die wunderschöne Oboen-Passage aufgefallen. Man spürte beim ganzen Vortrag, dass er mit viel Liebe und Hingabe erarbeitet wurde.

Mit «Aufwärts» von Ernst Lüthold erspielten sich die Musikanten die wohlverdiente Pause. Wie man den allgemein als «unterhaltenden zweiten Teil» bezeichneten Konzertabschnitt wirklich unterhaltend gestalten kann, zeigte die MGD beispielhaft. Dass dabei die Technik nicht immer wunschgemäss funktionierte, störte den Ablauf kaum. Es wurden klar der Kontrast gesucht und die passenden Titel gewählt. Die wiederum wurden von erlesenen Arrangeuren für Blasmusik bearbeitet. Wolfgang Wössner vertiefte sich in Bon Jovis Musik. Frank Bernaerts knöpfte sich Phil Collins vor.

Peter Schüller steuerte ein tolles Arrangement aus «Tina On Stage» bei. Der schnell und sauber gespielte «Solothurner Marsch» von Stephan Jaeggi sollte eigentlich den Schluss markieren. Die stehende Ovation veranlasste dann aber Heri, doch noch den Lieblingsmarsch des Gemeindepräsidenten auf die Notenpulte zu legen. Den «San Carlo» von Oskar Tschuor genoss sichtlich das ganze Publikum.