PM 9, der Name der riesigen Papiermaschine in der Biberister Papieri, lebt weiter. Die Maschine ist zwar für gut 7 Millionen Franken verkauft worden und wird aktuell demontiert. Mit der P 9 Eventlocation geht der Name der Maschine aber nicht vergessen. P 9 ist ein neues Club- und Kulturlokal der Zwillingsbrüder André und Thomas Burkhalter.

Sie und drei weitere Kollegen haben eine 600 Quadratmeter grosse Halle mitten im HIAG-Industrieareal, der früheren Papieri gemietet. Die Halle stosse zwar, präzisiert André Burkhalter, an die lange Halle der Papiermaschine 8 an. Aber benutzt wurde die gemietete Halle für die Produktionslinie 9 in der 350 Meter langen Halle nebenan mit der PM 9. In der Halle stand früher eine grosse Walzen-CNC-Drehmaschine, die im letzten Herbst herausgenommen wurde.

Neben den anderen Industriegebäuden wirkt die Halle auf dem Plan mickrig. Doch das täuscht. Platz ist genügend vorhanden. Momentan wird die Halle umgebaut zu einem Event-Lokal. Es liegt lärmtechnisch ideal, umgeben von Industriebauten und weit entfernt von irgendeiner Wohnzone.

Herber Charme der Industrie

Hoch oben, unter der Decke steht ein 40-Tonnen-Lastenkran zur Verfügung. «Alles funktioniert noch. Wir waren schon froh um den Kran», erklärt André Burkhalter. Am Regiepult in der Mitte der Halle werden die Scheinwerfer bedient und getestet. Abwechslungsweise leuchten die Scheinwerfer in verschiedenen Farben auf und bringen verschiedene Stimmungen in die Industriehalle. Die bis zu vier Meter tiefen Löcher im Boden wurden mit Schalenbretter zugedeckt. Eine grosse Konzertbühne dominiert den Raum. Angegliedert sind Bartheken, Garderoben und der Backstagebereich.

Die Bartheken wurden mit den vorhandenen Schwerlastregalen zusammengeschweisst. «Wir haben versucht, alles bereits Vorhandene zu nutzen.» So steht der Container, der früher im Winter den Arbeitern in der Halle als Wärmeraum diente, nun draussen im Eingangsbereich, wo er als Kassenhaus verwendet werden soll. Ziel war es unter anderem, das Flair und den besonderen Charme der Industrie beizubehalten. «Das darf man sehen, damit man weiss, wo man ist.» 1300 Arbeitsstunden haben sie im Team bisher aufgewendet.

Eine Herzensangelegenheit

André Burkhalter und seine Kollegen haben einen starken Bezug zur Papieri. «Ich habe hier 25 Jahre lang gearbeitet und die Lehre gemacht, bevor die Papieri 2011 geschlossen wurde. Auch meine Kollegen haben entweder eine Papieri-Vergangenheit oder stammen aus Biberist», erzählt André Burkhalter. Das Engagement sei für sie deshalb eine Herzensangelegenheit.

Die Brüder betreiben seit bald 30 Jahren nebenbei eine Vermietung namens «Mirage» für Licht- und Tonanlagen. «Da kam natürlich der Hintergedanke, statt unsere Geräte irgendwo zu lagern, diese hier in der Halle zu nutzen.» Das Team wolle keinen Club betreiben, in dem immer die gleiche Musikrichtung zu hören ist. «Das ist uns sehr wichtig. Dadurch wechselt auch das Publikum.» House, Rock, Partysound, Konzerte, aber auch mal Comedy sollen Platz haben. Dazu zählt André Burkhalter die Abba-Goldnight im August, für die die Halle an auswärtige Organisatoren vermietet wurde.

«Freude an der Sache haben»

Im P 9 werden nicht jedes Wochenende Veranstaltungen angeboten. «Einmal alle drei, vier Wochen führen wir einen von uns organisierten Anlass durch. Wir wollen keine Konkurrenz zum Kofmehl in Solothurn sein.» Aber natürlich werden sie für die Wasserämter zu einer willkommenen Alternative. Zudem haben sie dank ihrem Nebenerwerb bereits ein ausgezeichnetes Netzwerk und Kontakte auch zu anderen Organisatoren, die möglicherweise interessiert sind, im P 9 Anlässe zu veranstalten. Beispielsweise Vereine. Man kann die Halle auch mieten, wenn der Anlass ins Konzept von P 9 passt. «Wir werden aber das nur zulassen, zu dem wir stehen können.»

Pläne für das Programm seien vorhanden. Das Team will jedoch die definitive Baubewilligung abwarten. «Wir können warten.» Finanziert wird das Ganze durch das Brüderpaar. Der finanzielle Erfolg sei jedoch nicht die treibende Kraft. «Es soll unter dem Strich aufgehen. In erster Linie wollen wir Freude an der Sache haben.»