Vor rund sieben Jahren fand eine erste Begehung des Mülibachs mit dem damaligen Wasserbauaufseher und Vertretern der Gemeinde Lüterswil-Gächliwil statt. Beim offenen Abschnitt West wurde festgestellt, dass der Bach zahlreiche Schäden aufweist. So wurde unter anderem die Längsverbauung unterspült, wodurch die Böschungen stellenweise erodieren. 2012 wurde eine Studie in Auftrag gegeben, um Sanierungsvorschläge aufzuzeigen. Im Rahmen dieser Studie sollte nebst dem Unterhalts- und Revitalisierungsbedarf im offenen Abschnitt auch eine Ausdolung des eingedolten Oberlaufs untersucht werden.

Mit dem Projekt «Ausdolung und Revitalisierung Mülibach Abschnitt West» soll nun ein rund 590 Meter langer Teilabschnitt des Mülibachs westlich der Balmstrasse ausgedolt, und das offene Gerinne bis zum Durchlass an der Hauptstrasse naturnah gestaltet werden. Das bedeutet, dass die teilweise defekte Verbauung, bestehend aus Längshölzern und Querriegeln, entfernt und die Schad- und Erosionsstellen instand gesetzt werden sollen. Zudem werden das Gewässer einseitig aufgeweitet und die Böschungen abgeflacht sowie bepflanzt. Mit Leitelementen wie Steinen und Kleinbuhlen soll eine natürliche Fliessdynamik entstehen. Die einleitenden Drainagerohre sollen angepasst und in die neue Böschung integriert werden.

Gesetzlicher Auftrag

Die Renaturalisierung soll zum Zwecke der Biodiversität, des Trinkwasserschutzes und der Aufwertung des Naherholungsraumes erfolgen. «Nicht zuletzt ist es aber ein gesetzlicher Auftrag», sagte Davide Secci, von der Firma BSB + Partner, die mit den Projektierungsarbeiten beauftragt wurde, «denn eine Instandsetzung der bestehenden Verbauung ist nicht mehr gesetzeskonform». Keine Rolle spielt hingegen der Hochwasserschutz, da der Mülibach bereits hochwassersicher ausgebaut sei.

Die Kostenschätzung für das Projekt beläuft sich auf 440 000 Franken, wovon rund 80 bis 90 Prozent von Bund und Kanton subventioniert werden. Nicht inbegriffen sind die Kosten für allfälligen Landerwerb für den bereits in der Ortsplanung ausgeschiedenen Korridor von elf Metern. Im Falle eines Kaufs durch Kanton oder Gemeinde würde eine eigene, öffentliche Gewässerparzelle ausgeschieden werden. Vorgespräche mit den Besitzern hätten allerdings gezeigt, dass die Grundeigentümerverhältnisse voraussichtlich unangetastet bleiben. Die Bewirtschaftung wäre zwar eingeschränkt, aber für die betroffenen Landwirte besteht die Möglichkeit, Beiträge zu erhalten.

90 Meter zusätzlich revitalisieren

Von den Massnahmen betroffen ist auch ein rund 90 Meter langes Teilstück der bestehenden Eindolung unterhalb der Balmstrasse, welches offengelegt und ebenfalls naturnah gestaltet werden soll. «Man müsste diese Leitung nicht zwingend sanieren, aber wir möchten diesen Abschnitt ausdolen und auch revitalisieren», so Secci. Während die Sanierungsarbeiten noch unbestritten waren, sorgte dieser letzte Punkt in der gut besuchten Mitwirkungsveranstaltung für reichlich Unmut. Verschiedene Voten sahen das Aufbrechen dieser 90 Meter als unverhältnismässig und Ressourcenverschwendung an, da kein Sanierungsbedarf besteht.

Roger Dürrenmatt, zuständig für Wasserbauprojekte beim kantonalen Amt für Umwelt, entgegnete, dass die Ausdolung aufgrund der gesetzlichen Vorlagen früher oder später sowieso stattfinden werde. «Spätestens, wenn Schäden auftreten und man um eine Sanierung nicht mehr herumkommt, muss man die Dole aufmachen», so Dürrenmatt. Dies könne zwar durchaus erst in mehreren Jahrzehnten der Fall sein, aber es mache durchaus Sinn, dies bereits jetzt im Rahmen des Gesamtprojektes in Angriff zu nehmen. Nicht zuletzt, um Kosten zu sparen.

Scheitert Zusatz an Finanzen?

Die Gegner liessen das Kostenargument allerdings nicht gelten und verwiesen ihrerseits auf die nicht gerade auf Rosen gebettete momentane finanzielle Situation der Gemeinde, weshalb ein Zuwarten die bessere Option sei. Man war sich auf beiden Seiten jedoch einig, dass es schade wäre, wenn das gesamte Projekt an dieser Grundsatzfrage scheitern würde. Aus diesem Grund wurde beschlossen, dass auf die nächste Gemeindeversammlung im Dezember zwei Varianten ausgearbeitet und präsentiert werden sollen – eine mit und eine das 90 Meter lange Teilstück –, um zu sehen, in welche Richtung sich das Projekt zukünftig bewegen soll.