Ein paar Kunden betreten das Schuhhaus Emch an der Wangenstrasse in Deitingen. Sie und die Verkäuferinnen grüssen sich gegenseitig, es kommt zu einem spontanen Gespräch. Die Atmosphäre im grossen, mit Herzblut eingerichteten Laden ist familiär. Draussen auf der Mauer vor dem Laden steht Schuh an Schuh und an Stiefel gereiht, ein künstlerischer Blickfänger, der wie ein einladender Wegweiser zum Schuhgeschäft führt und von Fabian Emch kreiert wurde. Im ehemaligen Blumenladen gegenüber befindet sich das Restdepot, wo Schuhe aus vergangenen Sortimenten verkauft werden.

Ernst und Kathrin Emch führen das Geschäft seit 1991, damals haben sie den Schuhladen von Ernsts Eltern übernommen. Inzwischen sind auch die drei Söhne Samuel, Fabian und Nico fester Bestandteil des Gewerbes. In den nächsten zwei bis drei Jahren werden sie das Schuhhaus übernehmen, womit es in der vierten Generation weitergeführt wird. «Wir bleiben aber aktiv, solange es altershalber möglich ist», führt Ernst Emch aus. Das Schuhhaus hat sich in der ganzen Region einen Namen gemacht und wird von Kunden von Grenchen bis nach Langenthal besucht.

Mit der Zeit mitgehen

Den Erfolg macht Emch daran fest, dass der Betrieb bei jeder Generation mit der jeweiligen Zeit mitgegangen ist. So sind bereits seit Jahrzehnten Parkplätze für das Überleben des Betriebs nötig. Mehrmals wurde das Geschäft umgebaut und den Faktoren der Epoche angepasst, zuletzt im Jahr 2006, wodurch sich die Ladenfläche verdoppelt hat. Im Herbst 2018 wird das Geschäft erneut umgebaut.

1932 eröffnete Emchs Grossvater eine Schuhmacherei und arbeitete dazu als Landwirt, um seine Familie über die Runden bringen zu können. Auch Ende der sechziger Jahre, als der Laden von Emchs Eltern übernommen wurde, reichte dieses Gewerbe allein nicht zum Überleben. Dabei herrschte bereits damals allgemein die Meinung vor, dass ein Schuhgeschäft an dieser Lage nicht funktionieren würde, unter anderem weil Einkaufszentren zu dieser Zeit wie Pilze aus dem Boden schossen.

 

Doch seine Eltern hätten es ermöglicht, indem sie auf Nischensegmente setzten. «Sie haben erkannt, was die Kundinnen und Kunden vor allem suchen: Kinder- und Bequem-Schuhe. Dies trug massgeblich zum Fortbestand des Ladens bei und hat sich bis heute bewährt.» Die Nachfrage nach Bequem-Schuhen, die Fussprobleme lindern, werde wohl bald noch zunehmen. Emch: «Dies, weil die Generation der Babyboomer in ein Alter kommt, in welchem sie vermehrt nach einem solchem Angebot sucht.»

Der modische Aspekt dürfe aber nicht unterschätzt werden. Für diese Generation müsse ein Bequem-Schuh eben auch modisch sein. Diese zwei Kriterien zusammenzuführen, sei eine Herausforderung, aber auch eine Chance, um sich auf dem Markt profilieren zu können. Auch kämen Menschen mit ihren Einlagen nach Deitingen, auf der Suche nach einem passenden Schuh. «Wir bieten alles Marken mit dieser Kombination an.» Das Schuhhaus Emch ist aber nicht nur ein reiner Bequem- und Kinderschuhladen, betont Emch, «Wander-, Walking- und Joggingschuhe gehören genauso zu unserem Angebot wie ein modischer Schuh.» 

Kunde braucht Mehrwert

Der Einzug des Online-Handels habe sehr viel verändert. «Als Gewerbler muss man eine Strategie verfolgen, um den Onlinehandel zu umgehen und die Kunden in den Laden zu locken», so Emch, der gelernte Automechaniker, der durch den Schuhhandel die Liebe zum Beruf entdeckt hat. Er bedauert, wie viele Geschäfte in den Dörfern jährlich schliessen. «Ich bin ein klarer Verfechter eines lebendigen Dorflebens. Aber man muss als Gewerbler auch etwas dafür tun, damit die Leute heute in ein Geschäft kommen, anstatt die Ware online zu kaufen. Man muss ihnen heutzutage einen Mehrwert dafür geben, dass sie 20 Kilometer mit dem Auto zurücklegen.»

Sehr wichtig sei es, die Bedürfnisse der Kunden zu erkennen und gezielt zu beraten. Niemand würde heute ausserdem gerne mehrmals dieselben Schuhe beim Besuch im Laden wiedersehen. Auch der menschliche Faktor sei das A und O, genauso gelehrtes Personal. Emch: «Wir haben acht gelernte Detailhandelsfachfrauen. Heute ist ausserdem die Möglichkeit zu flanieren sehr wichtig geworden. Ein Kunde, eine Kundin will meistens nicht einfach nur die Ware abholen, sondern oft gemütlich noch für eine Weile verweilen.»