Wasseramt

Der Mahlzeitendienst der Spitex hat eine sehr hohe Nachfrage

Die Spitex Wasseramt musste wegen des Corona-Lockdowns bereits eine vierte Tour für den Mahlzeitendienst organisieren. Viel mehr liegt aber nicht mehr drin. In die Bresche springen teilweise die Gemeinden.

Viele Mahlzeitendienste kommen zurzeit an ihre Grenzen. Die meisten müssen ihre Fahrerinnen und Fahrer ersetzen, weil dies häufig Pensionierte waren, die nun zur Risikogruppe gehören und das Haus nicht mehr verlassen sollten. So ist es auch bei der Spitex Wasseramt. Geschäftsführerin Beatrice Jenni muss acht der zehn Chauffeure ersetzen. «Das musste von einem Tag auf den anderen organisiert werden», erklärt sie. Sie versuche nun Personen einzusetzen, die zurzeit arbeitslos sind.

Coiffeusen beispielsweise. Aber auch einen Fahrer aus dem Kontiki, der zurzeit kaum mehr Behindertentransporte durchführen muss. Gleichzeitig musste eine vierte Tour ausgearbeitet werden. «Statt wie bisher 60 liefern wir zurzeit 80 Mahlzeiten aus.» Viele Senioren, die sich bisher am Mittagstisch in einem Altersheim verpflegen konnten oder in einem Restaurant gegessen haben, hätten sich nun beim Mahlzeitendienst gemeldet.

Mahlzeitenboxen sind ausverkauft

Alle diese Schwierigkeiten würden sich lösen lassen, so Jenni. Das grösste Problem, das sich stelle, sei die Tatsache, dass in Europa keine Mahlzeitenboxen mehr erhältlich seien. «Das heisst konkret, dass wir zum Teil das Geschirr nach dem Mittag gleich wieder einsammeln müssen, damit es am Abend erneut verwendet werden kann.» Die Spitex Wasseramt bezieht ihr Essen vom Altersheim am Bach in Gerlafingen und aus dem Kontiki in Subingen. Letzteres hilft zurzeit mit den zusätzlichen Mahlzeiten aus. «Aber die Küchen kommen mit den zusätzlichen Essen irgendwann an ihre Grenzen.»

Das Durchschnittsalter der Klienten der Spitex Wasseramt liege bei rund 80 Jahren, meint Beatrice Jenni auf Anfrage. «99 Prozent von ihnen gehören in der momentanen Situation zur Risikogruppe.» Die Bedürfnisse der Klienten seien unterschiedlich. Das gehe von der einfachen Grundpflege, dem Abgeben von Medikamenten bis hin zu hochkomplexen Verbandswechseln. Seit der Coronavirus in der Schweiz angekommen ist und vor allem, seit der Lockdown Tatsache sei, habe der Zeitaufwand pro Klient für die Spitex zugenommen. Viele seien verunsichert. «Wir müssen sie darum nicht nur pflegen, sondern sie auch aufklären und ihnen Sicherheit geben. Zudem haben wir natürlich verstärkte Hygienevorschriften, die wir einhalten müssen.»

Laut Beatrice Jenni gab es durchaus auch Fälle, in denen die Spitex Angehörige bremsen musste und sie bat, den persönlichen Kontakt einzuschränken und lieber zu telefonieren, als zu Besuch zu kommen. Viele dieser Verwandten hätten kleinere Hilfsleistungen für die Senioren erbracht und die Einkäufe erledigt. «Wir hatten aber auch Klienten, denen wir deutlich machen mussten, dass es nun angezeigt wäre, wenn sie selbst auch zu Hause bleiben würden.»

Kein Problem habe die Spitex Wasseramt mit Desinfektionsmitteln. «Ende Februar hatten wir einen Engpass. Dieser ist nun behoben, wir haben eine kleine Firma im Thal gefunden, die für uns liefert.» Schwieriger könnte es mit den Schutzmasken werden. Hier verändere sich die Situation fast stündlich und auch die Vorgaben seien verschärft worden. «Mit den neusten Vorgaben reicht unser Vorrat noch für knapp zwei Wochen», so Jenni. Man hoffe darum sehr, dass der vom Kantonalverband versprochene Nachschub auch tatsächlich komme (siehe auch Box).

Alle ziehen gemeinsam an einem Strick

In den letzten drei Wochen hat Beatrice Jenni praktisch nur wegen des Coronavirus gearbeitet und vieles organisiert. «Ich bin viel mehr am Telefon als sonst.» Die Personalsituation bei der Spitex Wasseramt sei sehr gut. «Ich habe ein ganz tolles Team. Viele Mitarbeitende haben ihre Pensen befristet erhöht und alle ziehen gemeinsam an einem Strick.» Ehemänner würden mit Unterstützung ihres Arbeitgebers ebenfalls mithelfen und sich freiwillig ins Homeoffice begeben, damit die Spitexmitarbeiterinnen problemlos zur ausserhäuslichen Arbeit gehen können. «Trotz der ausserordentlichen Situation und der Belastung erleben wir zurzeit auch viel Schönes.»

Dazu gehöre auch, dass man innerhalb des Teams über seine Ängste rede. «Auch wir haben Respekt vor dem Coronavirus und den gesundheitlichen Folgen. Wir sind ja auch nur Menschen», meint Beatrice Jenni. Eines sei aber für das ganze Personal klar: «Wir tun alles, um unsere Klienten in der jetzigen Situation weiterhin optimal zu betreuen.»

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