Gerlafingen
Der letzte Schweizer Nordisch-Kombinierer ist ein Gerlafinger

Weit zurück liegen die Zeiten, als sich die Nordische Kombination beachtlicher Popularität erfreute und Schweizer für Edelmetall sorgten. Es gibt nur noch einen Schweizer Nordisch-Kombienierer: Tim Hug. Der Gerlafinger ist auf dem Weg, aus der Baisse herauszufinden.

Jörg Greb
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Obwohl Tim Hug (links) Richtung Rapperswil gezogen ist, ist er immer noch mit Gerlafingen verbunden. So nahm er an der Eröffnung des Dorffestes teil.

Obwohl Tim Hug (links) Richtung Rapperswil gezogen ist, ist er immer noch mit Gerlafingen verbunden. So nahm er an der Eröffnung des Dorffestes teil.

Hansjoerg Sahli

Gestern hat der Gerlafinger Tim Hug das Flugzeug in Richtung Finnland bestiegen – mit seinen Sprungski und der Skatingausrüstung. Die nächste Serie von Weltcup-Prüfungen steht an. «Ich bin gespannt, wozu ich am Wochenende fähig bin», sagt Hug. Und Lathi hat einen zusätzlichen Reiz. Um «einen WM-Test» handelt es sich. In Lathi werden in einem Jahr die Weltmeisterschaften ausgetragen – mit Hug, so sieht dies der 28-Jährige.

Hugs Situation ist speziell geblieben. Als einziger Schweizer Nordisch-Kombinierer ist er auf dieser Stufe unterwegs. Weit zurück liegen die Zeiten, als sich die Sparte aus Skispringen und Langlaufen beachtlicher Popularität erfreute und Hippolyt Kempf, der heutige Disziplinchef Langlauf und Nordische Kombination bei Swiss Ski, Andreas Schaad und Freddy Glanzmann für Schlagzeilen und olympisches Edelmetall sorgten. Hug und die Nordische Kombination führen ein Nischendasein. «Ich habe mich mit meiner Position arrangiert», sagt Hug, verschweigt dabei ein gewisses Bedauern aber nicht.

Ansteigende Formkurve

Tim Hug: «Ich wünschte mir Kollegen, die dasselbe tun wie ich, mit denen ich mich austauschen kann.»

Tim Hug: «Ich wünschte mir Kollegen, die dasselbe tun wie ich, mit denen ich mich austauschen kann.»

KEYSTONE/EPA NTB SCANPIX/TERJE PEDERSEN

Aber fast fatalistisch fügt Hug an: «Auch an das gewöhnt man sich.» Und er hat nach einem verhaltenen Auftakt in diesen Winter zu erfreulichen Resultaten gefunden. Nachdem ab Mitte Dezember wegen des Schneemangels etliche Wettkämpfe abgesagt werden mussten und es erst Ende Januar weiterging, erfreut er sich nun einer aufsteigenden Formkurve. Die «Minitour» in Seefeld (Ö) machte mit lauter Weltcup-Klassierungen den Anfang. Mit einem feinen 11. Rang in Trondheim (No) aber meldete er sich endgültig zurück.

Um Hugs beste Klassierung auf oberster Ebene seit zwei Jahren handelte es sich. «Das war ein Superwettkampf, ich hoffe, ich kann den Schwung mitnehmen», sagt er. Die Top 10 will er nun möglichst schnell knacken. Viermal ist dies dem Mann mit einem einzigen Weltcup-Sieg – 2014 in Russland bei einem ausgedünnten Teilnehmerfeld allerdings – bereits geglückt.

Mit der jüngsten Entwicklung sieht sich Tim Hug darin bestätigt, dass der Schritt weg vom Kombinierer-Profi – er war dies während dreier Jahre – hin zum Leistungssportler, der sein Tun mit einem Studium kombiniert (Erneuerbare Energien und Umwelttechnik in Rapperswil), bestätigt.

«Mir tuts gut, wenn sich die Gedanken nicht ständig um den Sport und um die Resultate drehen», sagt er. Diese Kombination soll ihn weiter tragen. «Vollgas geben» will er hier wie da. Pyeongchang, die nächsten Olympischen Spiele in Südkorea in zwei Jahren, hat er vor Augen. Es wären seine dritten Winterspiele nach Vancouver und Sotschi.

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