Biberist

Der Lerchenhof darf den 200.Geburtstag feiern

200 Jahre Lerchenhof: Martin Ast-Moser, Vizepräsident der historischen Kommission Biberist, übergibt die Info- und Gedenktafel an Hausbesitzerin Ellen Slegers.

200 Jahre Lerchenhof: Martin Ast-Moser, Vizepräsident der historischen Kommission Biberist, übergibt die Info- und Gedenktafel an Hausbesitzerin Ellen Slegers.

Die historische Kommission Biberist zeichnet ein fünftes Objekt mit einer Gedenktafel aus. Dieses Jahr ist es der Lerchenhof.

Es ist ein idyllisches Plätzchen. Vor dem stattlichen Bauernhaus steht ein ansehnlicher zweikammriger Brunnen aus massivem Kalkstein unter einem ausladenden Kastanienbaum. Der Hausplatz ist mit Kopfsteinpflaster belegt. Hinter dem Haus blöken Schafe. Hühner scharren im Sand. Im Ökonomieteil des Hauses schauen zwei Pferde mit ihren Fohlen aus den Boxen. Im Hintergrund hört man dezent das Rauschen der Autobahn.

Hier, an der Buchrainstrasse 5 in Biberist, liegt der Lerchenhof. Direkt an der Grenze zum Stadtgebiet. Die Nachbarn gleich nebenan sind bereits Stadtsolothurner. Das Haus, unter dessen Dach Wohn- und Ökonomieteil vereint sind, wurde im Jahr 1820 erbaut und darf heuer sein 200-jähriges Jubiläum feiern. Anlässlich eines Abendspaziergangs überreichten Vertreter der historischen Kommission der Besitzerfamilie Slegers eine Gedenktafel.

Bewusstsein über historische Bauten fördern

Die historische Kommission wählt jedes Jahr ein Objekt aus, um es mit einer Gedenktafel als erhaltens- und schützenswert zu küren. Erhaltenswert sei ein Gebäude, wenn Volumen und Erscheinungsbild nicht verändert würden, erklärte Ulrich Sterchi, Präsident der historischen Kommission. Zudem sollte das Gebäude nicht zweckentfremdet sein. Die heutige Nutzung müsse stimmen. Die Kommission möchte die historischen Bauten nicht nur katalogisieren, sondern auch der Bevölkerung bekannt machen.

Sterchi liegt viel daran, dass nicht nur grosse, bekannt Bauwerke wie beispielsweise Kirchen ausgezeichnet werden. Er möchte vielmehr weniger bekannte Objekte, die an der Peripherie der Gemeinde liegen, ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken und darauf aufmerksam machen, dass es sich dabei um ein historisches Objekt handelt. Da die Kommission noch nicht lange besteht, wurden bisher erst fünf Tafeln verteilt. In der ganzen Gemeinde gebe es jedoch 137 erhaltens- und schützenswerte Gebäude.

Heute dient der Hof der Pferdehaltung

Seit zwölf Jahren ist der Lerchenhof im Besitz der Familie Slegers. Mit der Nutzung als Wohngebäude mit Pferdehaltung erfüllt es die Anforderungen eines erhaltenswerten Objekts. «Auch wenn die Raumaufteilung zum Teil etwas unglücklich ist, haben wir im Innern nicht viel verändert. Wir haben die Räume bloss etwas aufgefrischt», erzählt Ellen Slegers.

Auch die Aussenhülle habe keine Veränderung erfahren. Die grosse Fotovoltaikanlage auf dem Dach entschuldigt die Hausherrin mit dem grossen ökologischen Nutzen, den sie bringt.

Abendspaziergang als Naturerlebnis

Ein kleines Grüppchen von 13 Personen war trotz Regen dem Aufruf der Kommission gefolgt. Auf dem Abendspaziergang von der Taubenmoosstrasse zum Lerchenhof lag der Fokus aber nicht nur auf historischen Gebäuden. Denn die Kommission habe einen doppelten Auftrag, erklärte Vizepräsident Martin Ast. Einerseits dem, was von Menschen gemacht ist, Sorge zu tragen, andererseits aber auch, die ursprüngliche Natur zu hegen und zu pflegen. Unterwegs gab die fachkundige Gärtnerin Regine Anderegg Einblicke in die Natur. Mit der Neugestaltung der Umgebung im Zusammenhang mit dem Autobahnbau wurde hier eine Wildhecke angepflanzt. Anderegg verwies auf die einheimischen Pflanzen, die den Weg säumten: Weiden, Schwarz- und Weissdorn, Liguster, Erlen. Alles Pflanzen, welche der Biodiversität förderlich sind und als Heil- und Nutzpflanzen dienen.

Was ihr Sorgen macht, sind die vielen invasiven Neophyten, welche sich zwischen den Nutzpflanzen breit machen und langsam überhandnehmen. Auf Schritt und Tritt begleiteten Robinien, Berufskraut oder die kanadische Goldrute die Spaziergänger. Anderegg würde es begrüssen, wenn sich die Schulen im Rahmen eines Clean-up-Days der Problematik annehmen und den unerwünschten Pflanzen radikal zu Leibe rücken würden.

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