Subingen

Der Kostendruck füllt die Auftragsbücher der Paro AG

Thomas Ganz (l.) will als neuer CEO den Erfolg der Paro AG weiterführen. VR-Präsident und Inhaber Martin Frauenfelder legt die Strategie fest.

Thomas Ganz (l.) will als neuer CEO den Erfolg der Paro AG weiterführen. VR-Präsident und Inhaber Martin Frauenfelder legt die Strategie fest.

Für den Subinger Familienbetrieb ist der stetige, auch wechselkursbedingte Effizienzdruck in der industriellen Fertigung kein Nachteil – als Bauer von Automationsanlagen profitiert das KMU davon.

Sie nehmen heute Morgen Ihre Kaffeemaschine in Betrieb, putzen sich die Zähne mit einer elektrischen Zahnbürste, trocknen sich die Haare mit einem Föhn, betätigen den Lichtschalter, öffnen für den Sonntagausflug die Autotüre mit dem Funkschlüssel und schalten die Autoscheinwerfer ein.

Die Chance ist gross, dass Sie dabei mit Hightech «Made im Solothurner Wasseramt» in Kontakt gekommen sind. Denn die Subinger Paro AG entwickelt, konstruiert und baut Automationsanlagen und Produktionszellen für die Industrie. Genauer für Hersteller, die Teile und Komponenten für obige Anwendungszwecke in grossen Stückzahlen fertigen. «Unsere Anlagen sind ausgerüstet für die Produktion von mindestens 100 000 Einheiten pro Jahr bis hin zu 15 bis 20 Millionen», erklärt Verwaltungsratspräsident und Inhaber Martin Frauenfelder auf dem Betriebsrundgang.

Der Firmenname ist Programm: Er steht für Partner für Automation und Robotik. «Wir ermöglichen mit unseren Anlagen den Kunden, ihre Teile noch effizienter, sprich kostengünstiger zu produzieren», erläutert der 59-jährige Unternehmer. Das ist derzeit gefragt, deshalb herrscht im mittelgrossen Familienunternehmen Hochbetrieb. In entfesselten globalen Märkten ist jeder Teilehersteller gezwungen, die Produktion zu rationalisieren. «Insbesondere in Deutschland, neben der Schweiz unserem wichtigsten Einzelmarkt, wird auf Teufel komm raus automatisiert. Davon profitieren wir», sagt Frauenfelder.

Zwar mache einerseits der starke Franken die Entwicklung und den Bau der Anlagen zu konkurrenzfähigen Preisen auf dem Werkplatz Schweiz schwierig (siehe Kasten). Andererseits erhöhe der ungünstige Wechselkurs den Druck auf Teilefertiger in der Schweiz, die Automation noch rascher zu erhöhen. Die folge: Insgesamt steigt die Nachfrage nach Automationsanlagen im In- und Ausland; der Exportanteil liegt bei rund 50 Prozent.

Deshalb ist das Geschäftsjahr 2015 trotz hartem Franken «sehr gut verlaufen», freut sich Frauenfelder. Der Umsatz liege bei rund 12 Millionen Franken. Der Personalbestand sei inklusive 7 Lernenden von 45 auf aktuell 52 Mitarbeitende gestiegen. Und der Start ins laufende Jahr sei geglückt. «Dank einem sehr hohen Auftragsbestand werden wir die Vorjahreszahlen erreichen», blickt der Unternehmer nach vorne.

Nachdem zwischen 2011 und 2013 Verluste geschrieben werden mussten, erwirtschaftete die Paro AG nach 2014 auch 2015 wieder einen Gewinn. Man habe bereits vor dem Euroschock im Januar 2015 unter dem starken Franken gelitten und deshalb schon vor Jahren Massnahmen ergriffen. Beispielsweise mit neu entwickelten Anlagen für die Produktion von sogenannten Hybrid-Bauteilen – Metall- und Kunststoffteile werden verbunden – erzielen die Subinger inzwischen einen Drittel des Umsatzes.

Gezielt ging die Paro AG das Wechselkursproblem an. «Wir haben das Preis-Leistungs-Verhältnis für unsere Anlagen verbessert», erläutert Frauenfelder sein «Geheimnis». Auf dem Werkplatz Schweiz sei es viel einfacher, an der Leistungs- als an der Kostenschraube zu drehen. Auf der Kostenseite sei das Potenzial praktisch ausgeschöpft. «Wir bauen heute Anlagen, die nicht wesentlich teurer sind als zuvor, aber gleichzeitig das Doppelte leisten können.» Dadurch sei man trotz ungünstigen Rahmenbedingungen wettbewerbsfähig geblieben. Und der Konkurrenzkampf sei hart.

In der Schweiz bewege sich die Paro AG im Mittelfeld, in Europa sei man «ein kleiner Player». Trotzdem kann sich die Firma behaupten, weil «wir nur massgeschneiderte Anlagen herstellen». Der Kunde sagt, was er genau herstellen will, und Paro baut nach diesen Vorgaben die Anlage. Das erklärt auch, warum der Output von jährlich rund 20 Montagesystemen – von aussen betrachtet – als eher tief erscheint.

Ein Ausruhen gibt es trotz derzeit gutem Geschäftsgang für Frauenfelder aber nicht. Die Investitionsgüterindustrie sei ein sehr zyklisches Geschäft, mit starken Nachfrageschwankungen. «Wir überlegen uns deshalb stetig, ob wir richtig aufgestellt sind.» Zum Beispiel gelte es, neue Märkte aufzuspüren.

Und die hat er in Osteuropa entdeckt. Seit der Wende ist das Lohnniveau auch in diesen Ländern massiv gestiegen. Auch die dortigen Teilehersteller sind deshalb verstärkt zur Automatisierung gezwungen. Es sei denkbar, mit einem dortigen Anlagenbauer eine Kooperation einzugehen. Aber nicht etwa, um Arbeitsplätze von Subingen dorthin zu verlagern. «Die Kernkompetenzen bleiben hier.» Eine mögliche Zusammenarbeit mit einem lokalen Anlagenbauer werde vielmehr den Einstieg in diese kommenden Märkte erleichtern, glaubt der Unternehmer.

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