Dieses Jahr wird für den Kirchenchor St. Mauritius ein schönes, aber auch ein strenges Jahr. Der Kriegstetter Chor feiert sein 125-jähriges Bestehen. «Wir werden an den hohen Festen sicher spezielle Werke singen», beschreibt Beat Strähl den Fokus im Jubiläumsjahr. Strähl präsidiert das Organisationskomitee für das Jubiläum des Chors, den er bis vor vier Jahren während über einem Jahrzehnt führte.

Der Chor sei heute gut aufgestellt, erklärt Beat Strähl, aber überaltert. Auf der Internetseite sind 43 aktive Sängerinnen und Sänger aufgeführt. Vielen Kirchenchöre drohen, die aktiven Mitglieder wegzusterben. «Schwierig ist es insbesondere bei den Männerstimmen. Wir sind alle inzwischen im Pensionsalter.» Um die Belastung der Mitglieder nicht zu sehr strapazieren, wurden in den letzten Jahren die Auftritte reduziert. Kein Vergleich mehr zu früheren Zeiten. Bis in die 60er Jahre hinein sang der Chor jeden Sonn- und Feiertag. Zusammen mit den Proben gab es beispielsweise im Jahr 1937 insgesamt 164 musikalische Verpflichtungen. Heute orientiert sich der Kirchenchor an den hohen Festen. «Ich plädiere auch für weniger Auftritte, aber diese dafür mit einer hohen Präsenz der Mitglieder», sagt Beat Strähl.

Wertvoller Kirchenchor

Für eine Pfarrei sei ein Kirchenchor sehr wertvoll, bestätigt Strähl. «Der Gesang, das ist die Sprache des Herzens, die Stimme, die Trost schafft und ermuntert. Es sind unsere eigenen oft verschütteten Empfindungen, unsere oft verschwiegenen Sehnsüchte, die aufbrechen in einem Lied», schreibt Theologin Marlis Wyss 1994 in der Jubiläumsschrift zum 100. Geburtstag des Chors. Und sie ergänzt: «Für uns Seelsorger seid Ihr ein Geschenk.» Aber nicht nur für sie, sondern auch für die Besucher der Gottesdienste, die mit ihrer Anerkennung den Kirchenchor befeuern. «Für diese Weihnachten haben wir eine neue Messe einstudiert. Die ist sehr gut angekommen und ist schön zum Singen. Das ist eine tolle Motivation für uns Sängerinnen und Sänger.»

Beliebte Gospels

Das Repertoire des Chores umfasst vor allem geistliche Werke von der Gregorianik bis zur Moderne. Dazu gehören Messevertonungen verschiedener Komponisten vom 17. bis zum 18. Jahrhundert, gregorianische Gesänge, Liedreihen von Komponisten der Gegenwart, alte deutsche Choräle und Motetten, Gospels sowie zeitgenössische geistliche Werke. Geprobt wird jeweils am Donnerstag sowie zusätzlich am Montag, an dem weltliche Lieder auf dem Programm stehen. Neben den Messenvertonungen singen die Mitglieder des Kirchenchors am liebsten Gospels, weiss Strähl.

Im Jubiläumsjahr soll im Mai nach längerer Zeit wieder ein Konzert mit weltlichen Liedern Platz haben. Davor an Ostern wird die Missa brevis gesungen. Am Jubiläumsgottesdienst im September ist die Toggenburger Messe an der Reihe und an Weihnachten wagt sich der Chor erneut an die Misa Criolla mit ihren südamerikanischen Klängen. «Es sind anspruchsvolle Werke, die wir aber immer im Rahmen eines vertretbaren Aufwands einüben wollen.»