«Wo ist denn eigentlich der Hund begraben?», fragte Gemeindevizepräsident Christoph Scholl (FDP) eher spasshaft in die Ratsrunde. Nicht glauben wollte er angesichts knapper kantonaler Finanzen, dass der Kanton Solothurn die gesamte Strassenverbindung von Selzach in den Ortsteil Altreu bald an die Einwohnergemeinde übertragen will und dafür auch noch Geld hinblättert. Inhalt des Angebots sind die ineinander übergehenden Teile der Altreu- und Selzacherstrasse von der Abzweigung an der Bielstrasse an.

Bekannt ist diese Zufahrt nach Altreu wegen der engen und unübersichtlichen Unterführung an der SBB-Bahnlinie. Peter Portmann, Amt für Verkehr und Tiefbau (AVT), erläuterte die Beweggründe für diese geplante Abtretung. «Bei dieser Strasse handelt es sich um eine nur lokale Verbindungsstrasse.»

Die Regel sei, dass jede Gemeinde mit einer Durchgangsstrasse in der Obhut des Kantons erschlossen sei. Aus offenbar historischen Gründen war das Strassenstück zum Weiler Altreu noch als Kantonsstrasse klassifiziert.

Das soll sich nun ändern, denn der Kanton will die Altreustrasse wegen ihres schlechten Zustands neu bauen, zum Teil verlegen und sie danach abtreten. Gleichzeitig soll das Sichtproblem an der einspurig befahrbaren SBB-Unterführung entschärft und die Hochwasserbedrohung durch den parallel verlaufenden Lochbach gelöst werden.

Mehr Sicherheit für Fussgänger

Vorgesehen ist, die Strasse im nördlichen Abschnitt in einem grösseren Bogen auf den Tunnel zuzuführen und mit einem durchgehenden Trottoir mehr Sicherheit für Fussgänger und Velofahrer zu erzielen. Diese Massnahmen würden rund 1,65 Mio. kosten bei einer Gemeindebeteiligung von 580'000 Franken. Dazu kämen nochmals für Selzach Anpassungen an der abzweigenden gemeindeeigenen Eichholzstrasse für rund 100'000 Franken.

Die Abtretung der Altreu-Strasse an Selzach würde demnach in einem neuwertigen Zustand erfolgen. Der Sanierungszeitpunkt wäre ab Frühling 2018 vorgesehen. Für den südlichen Teil, die Selzacherstrasse bis zum «Grüene Aff», besteht bereits eine Zustandserfassung, deren Kostenschätzung sich auf rund 1,6 Mio. Franken beläuft. Abzüglich des Gemeindeanteils von 36,7 Prozent würde der Kanton die Übergabe an Selzach mit einer Pauschalentschädigung von rund 1,1 Mio. Franken begleichen.

Freie Hand für südlichen Teil

«Wir wären wirklich froh, wenn der Kanton die aufwendige Strassenverlegung und den Bachausbau im nördlichen Teil vorantreiben könnte», bekräftigte Selzachs Bauverwalter Thomas Leimer. Im südlichen Teil jenseits der Unterführung hätte die Gemeinde dann freie Hand für den Zeitpunkt einer möglichen teilweisen Umgestaltung. «Wenn wir den Unterhalt sorgsam vornehmen, können wir die jetzige Strasse sicher noch 20 bis 30 Jahre erhalten», zeigte er sich überzeugt.

Im Teil Süd fliesse also das Geld vom Kanton auch ohne festes Projekt, sicherte Peter Portmann zu. Die Aussprache im Rat befasste sich mit den möglichen Auswirkungen von Perimeter-Gebühren, die auf gemeindeeigenen Strassen gelten, mit der Sicherheit der Kostenschätzung und partiellen Baumassnahmen im südlichen Teil, die der Kanton noch vor Abgabe der Strasse 2019 ausführen sollte.

Der Gemeinderat nahm einstimmig Kenntnis vom Beschlussentwurf. Darin stimmt er der Weiterführung der Projektierungsarbeiten zu und beauftragt die Bauverwaltung, das gesamte Vorhaben zu begleiten und die Interessen der Gemeinde zu vertreten.

Alle Einwohner gleich behandeln

Lange beschäftigte sich der Rat mit einer Einsprache gegen die Höhe der Anschlussgebühren von 61 597 Franken für eine Altliegenschaft in der Landwirtschaftszone mit einem Gebäudeversicherungswert von 1,66 Mio. Franken. Gemeinderat Hans-Peter Hadorn (CVP) griff die in der Einsprache aufgeführten Gründe auf und bezeichnete die Kostenhöhe als «unverhältnismässig».

Er plädierte für eine Reduzierung auf 35 000 Franken. Die Ratsmehrheit jedoch sprach sich vor allem aus rechtlichen Gründen gegen eine Verminderung aus, zumal sonst «ein Rattenschwanz von Forderungen» bei ähnlich liegenden Fällen zu erwarten sei. Ziel müsse bleiben, alle Einwohner gleich zu behandeln.