Wasseramt

Der Herr der Brunnen: Wer über die Wasserversorgung von Gerlafingen wacht

Martin Hager ist auch für den Unterhalt der öffentlichen Brunnen in Gerlafingen zuständig.

Martin Hager ist auch für den Unterhalt der öffentlichen Brunnen in Gerlafingen zuständig.

Brunnenmeister Martin Hager kennt das Wassernetz in der Gemeinde Gerlafingen bestens.

Martin Hager ist seit 25 Jahren Brunnenmeister in Gerlafingen. Doch was macht ein Brunnenmeister überhaupt? Gerlafingen hat eine komplett eigenständige Wasserversorgung: ein Grundwasser-Pumpwerk im Lerchenfeld, ein Reservoir im Altisberg und rund 22 Kilometer Leitungen auf dem ganzen Gemeindegebiet. Dazu kommen über 1000 Wasseruhren, um die 400 Schieber und 194 Hydranten. Zwischen 60 und 70 Prozent seiner Arbeitszeit im Werkhof wendet Martin Hager für das Brunnenmeisteramt auf.

Wenn er am Morgen in den Werkhof kommt, geht sein erster Blick zum Computer, der das Wassernetz überwacht. Sind dort alle Perimeter im gewohnten Bereich, dann weiss Hager, dass im Netz alles in Ordnung ist. «Ist der Verbrauch höher, als das normalerweise der Fall ist, dann haben wir in aller Regel ein Leck, das wir suchen müssen.» In den letzten 25 Jahren gab es durchschnittlich 20 Lecks pro Jahr. In Gerlafingen wird das Wassernetz seit zehn Jahren nachts mit Geräuschloggern überwacht. Zeigt einer dieser Logger ungewohnte Geräusche an, beginnt die Lecksuche in diesem Bereich. «Das vereinfacht unsere Arbeit.» Die Suche nach Lecks ist aber der geringste Teil der Arbeit von Hager.

Immer wieder Ersatz

Der weitaus grössere Teil sind Unterhalt und Reinigung der einzelnen Komponenten innerhalb der Wasserversorgung. Das geht vom regelmässigen Ersetzen der Wasseruhren, zum Saubermachen im Reservoir hin zum Flicken kleiner Lecks bis zum Unterhalt der vielen Hydranten im Dorf. Zudem müssen die über 400 Hauptschieber im Netz jedes Jahr mindestens einmal bewegt werden, damit sie funktionstüchtig bleiben. Das geht auch heute noch nur von Hand. Nur gerade beim Pumpwerk und beim Reservoir sind die Schieber elektronisch und vom Werkhof aus bedienbar.

Das Wassernetz in Gerlafingen wird kontinuierlich unterhalten. So werden auch jedes Jahr alte Leitungen ersetzt. Die ältesten dürften laut Hager wohl aus den 40er-Jahren stammen. Die Wasserversorgung ist zudem für den Notfall mit Obergerlafingen verbunden. Eine Notwasserleitung nach Biberist ist in Planung. Das Wasser wird zudem jedes Jahr mehrmals auf seine Qualität untersucht.

Auch Niederdruck

Martin Hager ist in Gerlafingen – und auch in Biberist – auch für das Niederdrucknetz der Wasserversorgungs-Genossenschaft Gerlafingen-Biberist zuständig. Dafür müsse er aber nur wenig Arbeitszeit aufwenden. Das Wasser habe zwar Trinkwasserqualität und sei ebenfalls in das Notfallkonzept der Gemeinde eingebunden. «Im Niederdrucknetz läuft das Wasser ja einfach so. Es braucht keinen Strom. Sollte Gerlafingen länger ohne Strom sein, dann könnten wir kein Wasser mehr pumpen und dann wären wir auf das Niederdrucknetz angewiesen», erklärt Hager.

Aber das ordentliche Niederdruckwasser speist in Gerlafingen nur Brunnen. Leitungsbrüche gebe es auch hier immer mal wieder, aber weil kein Druck in der Leitung sei, trete das Wasser seltener an die Oberfläche. «Wenn ein Brunnenbesitzer plötzlich kein Wasser mehr hat, dann müssen wir suchen.» Immerhin werden rund 110 Brunnen in den beiden Gemeinden durch das Niederdrucknetz gespeist.

Polizei – Freund und Helfer

Ein Brunnenmeister muss 24 Stunden pro Tag und sieben Tage in der Woche präsent sein. Ein Problem? Hager winkt ab. «In den letzten zwei, drei Jahren hatte ich keinen Nachteinsatz mehr. Auch am Wochenende ist es in aller Regel ruhig.» Es kam aber auch schon vor, dass er an Weihnachten ausrücken musste. «Dann macht man halt die nötige Arbeit.»

Einen nächtlichen Einsatz wird der Brunnenmeister aber nie mehr vergessen. «Es war ungefähr um zwei Uhr morgens. Ich wusste, dass irgendwo im Leitungsnetz ein Leck ist. Aber ich hatte keine Ahnung wo.» Hager fuhr deshalb mit dem Auto den grössten Strassenzügen entlang – und wurde prompt von der Polizei angehalten, die seine Papiere kontrollieren wollte.

Hager erklärte, dass er als Brunnenmeister unterwegs sei und dass er ein Leck suche. Die Polizisten liessen ihn weiterarbeiten und setzten ihre Fahrt ebenfalls fort. Fünf Minuten später erhielt Hager einen Anruf: «Die Polizisten standen in einer grossen Wasserlache und haben sich deshalb bei mir gemeldet.»

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