Oberdorf

Der Glaube verbindet die Solothurner Ex-Gardisten

50 ehemalige Schweizergardisten des Kantons Solothurn trafen sich in Oberdorf zu einem feierlichen Gottesdienst.

Neben den Ministranten wird Pfarrer Agnell Rickenmann von zwei Ex-Gardisten in historischer Uniform in die Kirche begleitet. Die Sektion Solothurn der Vereinigung der ehemaligen päpstlichen Schweizergardisten lud ihre 50 Mitglieder in Oberdorf zum feierlichen Gottesdienst und Gedankenaustausch ein.

Unter den Gästen weilen Gilles de Weck, Präsident des Malteserordens Schweiz, und Philippe Jaeger, Initiant der Stiftung der Päpstlichen Schweizergarde. «Das Netzwerk funktioniert ausgezeichnet», bestätigt Pius Müller, ehemaliger Chefadjunkt und höchster Unteroffizier der Schweizer Armee.

Er war von 1978 bis 1981 in der Schweizergarde, als mit Kardinal Wojtyla der erste Nicht-Italiener zum Pontifex gewählt wurde. «Damals gaben sich Lech Walesa, Vorsitzender der polnischen Gewerkschaft Solidarność, und der sowjetische Aussenminister Gromyko fast die Türfallen in die Hand», erinnert sich Pius Müller, der in allernächster Nähe sowohl Königin Elisabeth als auch König Hussein beim Papstempfang begleitete.

An Begegnungen mit Staatsoberhäupter und Persönlichkeiten wie Mutter Teresa oder den Dalai Lama erinnert sich auch Roman Angermann gerne. Der Langendörfer weilte von 1995 bis 1997 im Vatikan und präsidiert seit einem Jahr die Sektion Solothurn der Vereinigung der ehemaligen päpstlichen Schweizergardisten. «Die Kameradschaft ist einmalig», lobt er. In Rom lernte er Kultur und Mentalität Italiens kennen.

Kleinste Armee der Welt

Seit mehr als 500 Jahren bewacht die Schweizergarde den Papst und den Vatikan, gehört zu Roms meistfotografierten Sujets und symbolisiert im Ausland eine der populärsten Visitenkarten der Schweiz. Das 110-köpfige Heer ist die kleinste Armee der Welt und die einzige militärische Formation des Heiligen Stuhls.

Für die Sicherheit des Heiligen Vaters zuständig sein, verlangt den Gardisten viel ab. Entsprechend sind die Aufnahmekriterien: Ledige Schweizer Bürger unter 30 Jahren, gut beleumundet, physisch und psychisch belastbar, mindestens 1,74 Meter gross, mit abgeschlossener Rekrutenschule und Berufslehre. Als «Corporate Identity» steht der Glaube und das Bekenntnis zur römisch-katholischen Kirche. Das Privatleben in der Kaserne ist spartanisch, der Dienst streng. «Sechs Wochen Dienst ohne Freitag waren früher keine Seltenheit. Ich erinnere mich an einen Palmsonntag, als ich 18 Stunden im Einsatz war und mit knapp zwei Stunden Schlaf auskommen musste», erzählt Roman Angermann.

Finanziert werden Sold (rund 1300 Euro), Unterkunft und Weiterbildung nicht von Schweizer Steuerfranken, sondern vom Vatikan. Zusätzlich übernimmt die von Alt-Bundesrat Pascal Couchepin geleitete Stiftung der Päpstlichen Schweizergarde viele Aufwendungen.

Medizinprofessor Philippe Jaeger gab den Anstoss zur Stiftung, weil er die Weiterbildung der jungen Männer fördern sowie das soziale und kulturelle Leben stärken will. Die Stiftung betreut vierzehn Projekte, sammelt Geld für den Umbau der Kaserne und der Kommandozentrale. «Persönlich will ich den jungen Männern bei der Rückkehr in die Heimat helfen, in der Arbeitswelt Fuss zu fassen», erläutert er.

Dies ist den rund 2000 Mitgliedern der Vereinigung der Ex-Gardisten gut gelungen. Nach 1969 und 1993 wird auch am 19./20. August 2017 in Solothurn eine Zentraltagung durchgeführt. Ihr Slogan lautet «Schweizergarde zum Anfassen». Dieses Motto haben die Oberdörfer Kirchbesucher beim Apéro und Spannferkelessen bereits vorweggenommen.

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