Viele Jahre war Andreas Hänggi Gemeinderat (FDP), Vizegemeindepräsident und Präsident der Finanzkommission in Selzach. Als Ingenieur mit Fachrichtung Elektronik führte er in der Privatwirtschaft in verschiedenen Firmen Abteilungen in der Entwicklung, der Logistik und der Produktion. Mit 54 Jahren entschloss er sich, eine neue Herausforderung anzunehmen und bewarb sich für die Stelle des Gesamtschulleiters des neuen Schulkreises Belose (Bellach-Lommiswil-Selzach).

Der Schulkreis, heute die viertgrösste Schule im Kanton, war eben erst aus der Taufe gehoben worden, und Hänggi machte sich mit viel Elan daran, die verschiedenen Standorte zu einem Ganzen zu einen.

«Ich wurde gut aufgenommen, obwohl ich als Quereinsteiger in den Schulbetrieb kam», erinnert sich Hänggi. «Dass ich die meisten Vertreter im Vorstand von Belose schon kannte, war sicher ein Vorteil.» Aber auch in der Lehrerschaft gab es viel Wohlwollen. Gewöhnen musste er sich aber an das Tempo. Besser gesagt daran, dass alles etwas länger dauerte, als er sich das aus der Privatwirtschaft gewohnt war.

Eigenheiten beibehalten

Von Anfang an hatte er mehr als genug Arbeit. Es war die Zeit der Schulreformen und Hänggi musste, gemeinsam mit den Schulleitungen und Lehrpersonen, immer wieder Neues aufgleisen und umsetzen. Stichworte dazu sind beispielsweise die Frühfremdsprachen, die Spezielle Förderung, die Strukturreform der Sekundarstufe, die Digitalisierung in den Schulen und jetzt zum Schluss der Lehrplan 21. Gefordert war Hänggi auch mit den vielen Umbauprojekten rund um die Schulhäuser und Turnhallen in den drei Standortgemeinden.

Eines der Ziele war, dass die drei Schulen in Bellach, Lommiswil und Selzach zu einer Einheit zusammenwachsen. Organisatorisch sind sie das auch geworden. «Wir mussten aber schnell feststellen, dass wir die Standorte und die Schulen nicht einfach über eine Leiste schlagen können.» So lag es den Lommiswilern am Herzen, dass ihre Schülerinnen und Schüler ab der 4. Klasse ins Skilager gehen können.

In Selzach wurden zu Schuljahresbeginn und -ende Anlässe durchgeführt, in die das ganze Dorf miteinbezogen wurde. «Wir haben uns deshalb dazu entschieden, die Eigenheiten beizubehalten.» In der Zwischenzeit hätten sich die Schulanlässe in den Dörfer teilweise angeglichen. «In Bellach geht man heute wieder vermehrt in die Schulverlegungen», nennt Hänggi ein Beispiel. Tatsächlich würden die Eltern aus den drei Dörfern sehr wohl miteinander reden und vergleichen, was man an den anderen Schulstandorten tue.

Kontinuierlich weiterarbeiten

Immer wieder ist zu hören, dass die Lehrerinnen und Lehrer zu viel Zeit für Büroarbeit braucht, statt sich ihrer eigentlichen Aufgabe widmen zu können. Hänggi versuchte, wo dies möglich war, Gegensteuer zu geben. Die Lehrerschaft könne in der Zwischenzeit auf diverse Hilfsmittel zurückgreifen. «Einen gewissen Teil an Schreibarbeiten wird es immer geben. Wenn ein Kind Förderung braucht, ist es klar, dass man das begründen muss.»

Hänggi hat die Zeit als Schulleiter gefallen. «Für mich war es ein Wechsel in einen komplett anderen Bereich. Es ist viel passiert in diesen zehn Jahren. Das ist mir entgegengekommen. Ich mag es, wenn etwas läuft und man Neues anpacken kann.» Und was gibt er seinem Nachfolger Martin Müller mit auf den Weg? «Kontinuierlich weiterarbeiten und ein gewisses Tempo in der Entwicklung beibehalten. Die Zeiten, in denen in der Schule immer alles beim Alten bleibt, sind durch.»