Im Juni 2017 beschlossen die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger von Recherswil an der Gemeindeversammlung Nichteintreten auf die geplante Reorganisation der Gemeindeführung. Seit letztem August beschäftigt sich nun eine überparteiliche Arbeitsgruppe (AG) zusammen mit Thomas Gehrig als externer Berater wieder mit der Thematik. Gehrig erläuterte dem Gemeinderat in einem Zwischenbericht den Stand der Dinge.

Die Verwaltung soll als Dienstleisterin für die Behörden und Kommissionen fungieren. Um dies zu bewerkstelligen, muss sie über klar zugewiesene Kapazitäten sowie eine strikte Abgrenzung der Rollen und Aufgaben verfügen. «Es ist beispielsweise wichtig, sagen zu können, wer schlussendlich für Fragen zur Kulturkommission Ansprechpartner ist», erklärte Gehrig. Offen ist hierbei noch der Stellen- und Prozessbeschrieb sowie wie viele Stellenprozente benötigt werden.

Stimmrecht für Gemeinderäte

Aufseiten der Kommissionen sollen die Lücken gestopft werden. Vorgesehen ist, dass jedes Ressort über eine eigene Kommission verfügt. Dies hätte die zusätzliche Bildung der «Sozialkommission» und der «Planungskommission» zur Folge. Ausserdem ist geplant, dass die Gemeinderäte nicht nur Einsitz nehmen, sondern neu auch ein Stimmrecht in den Kommissionen erhalten sollen.

Die AG vertritt den Ansatz, dass der Gemeinderat inklusive Präsidium in sieben Ressorts gegliedert wird. So soll gewährleistet werden, dass alle Gemeinderäte – ausser der Präsident – ungefähr dieselbe Belastung haben. Hierfür kommt es teilweise zu einer Neugestaltung der Ressorts. Bildung, Soziales und Finanzen bleiben unangetastet. «Sicherheit und Kultur» hingegen werden entflechtet und bei «Bau» sowie «Umwelt und Liegenschaften» findet eine Neugruppierung statt. Aufgrund des ausgeglichenen Aufwands wird jede Ressortleitung mit einer Pauschale und Sitzungsgeld gemäss DGO entschädigt.

Repräsentant oder Verwalter

Der Gemeindepräsident soll nebst einem der sieben Ressorts zusätzlich das Ressort «Präsidium und Information» übernehmen. Dabei haben sich für die AG zwei Kombinationsvarianten herauskristallisiert, welche am sinnvollsten seien. Ressort Variante I sieht vor, dass der Gemeindepräsident nebst dem gesetzten «Präsidium und Information» das Ressort Finanzen übernimmt. Hier ist der Vorteil, dass durch die Nähe zur Verwaltung die Kräfte gebündelt sowie die Koordination vereinfacht wird. Allerdings besteht auch ein «Klumpenrisiko» bei Ausfall oder Nachfolgeregelung. Variante II kombiniert Präsidium, Kultur und Information. Der Grundgedanke hierbei ist, dass der Gemeindepräsident der Bevölkerung besser auf den Puls fühlen kann aufgrund einer starken Präsenz in der Öffentlichkeit. Dafür droht bei Variante II die Gefahr einer Verzettelung in operative Details.

Es «muess verhebe»

Die Vorschläge der AG wurden im Rat ausführlich beraten. Bei der Ressortzusammenstellung des Präsidiums warf Irene Rüfenacht (CVP) die Frage auf, ob nicht alle Kombinationen infrage kämen. Der allgemeine Tenor lautete, dass das Ganze personenunabhängig «verhebe muess». So würde beispielsweise ein Lehrer eher eine Kombination mit dem Ressort «Bildung» oder ein Architekt mit dem Ressort «Bau» bevorzugen. Auch die Verwaltung und die Professionalisierung der Kommissionen boten reichlich Stoff für Diskussionen. So ermahnte Gemeindepräsident Hardy Jäggi (SP), dass die Verwaltung nicht nach bernischem Modell aufgebläht und massiv teurer ausfallen dürfe.

Bevölkerung mit einbeziehen

Als nächsten Schritt will die AG bei den Ortsparteien vorstellig werden. Mit den Inputs aus den Vernehmlassungen ist in einer dritten Etappe der Gang an die Öffentlichkeit geplant, wo die Bevölkerung an einem Informationsabend die Möglichkeit zur Mitwirkung erhält. Mit all diesen Schritten sollen Kritikpunkte im Vorfeld aufgegriffen und Überraschungen an der Gemeindeversammlung im Juni vermieden werden. Noch schuldig ist die AG momentan konkrete Zahlen, doch Gehrig erklärt: «Wir werden Zahlen liefern, und wir werden sie auch zur Diskussion stellen.»