Luterbach
Der Gemeinderat vergrössert sich und das «Rössli» wird gekauft

Eine Mehrheit stand an der Gemeindeversammlung in Luterbach hinter den Vorschlägen und lobte den Mut zum neuen Weg.

Rahel Meier
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Die Gemeinde Luterbach will bei der künftigen Nutzung der Liegenschaft mitreden und kauft das «Rössli» für 1,55 Mio. Franken.

Die Gemeinde Luterbach will bei der künftigen Nutzung der Liegenschaft mitreden und kauft das «Rössli» für 1,55 Mio. Franken.

hanspeter baertschi

«Wollen wir die Zukunft auf uns zukommen lassen, oder wollen wir sie aktiv steuern?» Diese Frage stellte Gemeindepräsident Michael Ochsenbein an der Gemeindeversammlung am Donnerstagabend. Die Antwort gab er gleich selbst: «In unserem Dorf herrscht Aufbruchstimmung. Diese müssen wir nützen.»

Sowohl die geplante Vergrösserung des Gemeinderates, als auch der Kauf der Liegenschaft des «Rössli» seien strategische Geschäfte, die Weichen für die Zukunft stellen könnten. Und die Luterbacherinnen und Luterbacher waren interessiert: 161 Stimmberechtigte kamen und diskutierten mit.

Es erscheint zwar widersprüchlich, aber gerade weil sich immer weniger Einwohner in der Gemeindepolitik engagieren, soll der Gemeinderat vergrössert werden. «Das Amt als Gemeinderat eignet sich für den Einstieg in die Politik. Wir hoffen, so neue Leute zu gewinnen, die später in die Gemeinderatskommission nachrücken könnten.»

«Ihr habt Mut»

In der Diskussion gratulierten mehrere der Votanten dem Gemeinderat für den Mut, der hinter dem Vorschlag steht. Fast alle äusserten sich positiv, wenn gleich Fragen gestellt wurden. So wurde die Befürchtung geäussert, dass es im Gemeinderat eine Zweiklassen-Gesellschaft gebe, aufgeteilt in Gemeinderäte und GRK-Mitglieder. Einige hatten Angst, dass die heutigen Gemeinderäte bei den nächsten Wahlen alle zurücktreten könnten.

Andere fragten sich, ob es überhaupt Wahlen gebe. Denn vor vier Jahren wurden stille Wahlen durchgeführt. «Wenn wir merken, dass das neue System nicht funktioniert, dann gehen wir zum alten zurück», so Ochsenbein. Das sei auch der Grund, wieso man 19 Gemeinderäte und daraus eine neunköpfige GRK wähle. «So stellen wir nicht alles komplett auf den Kopf.»
Die Schlussabstimmung zeigte ein deutliches Bild: 115 der Anwesenden sprachen sich für das neue System aus, 38 dagegen, und eine Person enthielt sich der Stimme.

«Ist das unsere Aufgabe»?

Fast ausschliesslich kritische und negative Stimmen gab es zum beabsichtigten Kauf des «Rössli». Man wisse viel zu wenig, um entscheiden zu können. Es fehle ein Finanz- und ein Business-Plan. Wer denn Mitglied in der zu gründenden GmbH werde. Ob die Steuern wegen des Kaufs ansteigen würden? Und wieso das «Rössli» überhaupt verkauft werde, ob es nicht rentabel zu führen sei? Immer wieder erwähnt wurden die Finanzen.

In Luterbach sei in den letzten Jahren massiv gespart worden, da mache der Kauf einer Liegenschaft, für den man sich weiter verschulden müsse, keinen Sinn. Zudem sei der Betrieb eines Restaurants nicht Aufgabe der Gemeinde. Es wurde angeregt, dass finanzkräftige Einwohner sich zusammenschliessen und das «Rössli» kaufen sollten.

Ochsenbein betonte immer wieder die zentrale Lage der Liegenschaft und den Aspekt, dass ein grosser Teil der Parkplätze im Zentrum auf der «Rössli»-Parzelle liegen. Man habe nicht mehr viele Restaurants im Dorf, vor allem fehlten Säli, wie sie im «Rössli» noch vorhanden seien. Zudem sei das Geld, das ausgegeben werde, nicht verloren, sondern in Form des Gebäudes mit seinem Wert noch vorhanden.

Er erklärte zudem, dass die Gemeinde einen Vorvertrag mit den heutigen Besitzern habe, und der Kaufpreis demzufolge bereits abgesprochen sei.
Trotz langer Diskussionen waren die Befürworter im Saal in der Überzahl: 103 Personen stimmten dem Kauf schliesslich zu; 38 waren dagegen, dazu gab es elf Stimmenthaltungen.

Fakten in Kürze

Vergrösserung Gemeinderat

Der Gemeinderat soll von heute neun auf neu 19 Mitglieder vergrössert werden. Eine Gemeinderatskommission mit neun Mitgliedern und Ressorts soll das Tagesgeschäft des heutigen Gemeinderates in rund zehn Sitzungen weiterführen. Der Gemeinderat trifft sich vier Mal pro Jahr für die strategischen Entscheidungen.

Kauf «Rössli»

Das Restaurant Rössli steht zum Verkauf. Das Gebäude ist ein prägendes Element im Dorfzentrum. Der Gemeinderat möchte mitreden, wenn es um die künftige Nutzung des Gebäudes und des Umschwunges geht. Deshalb soll das «Rössli» für 1,55 Mio. Franken gekauft und eine Betriebsgesellschaft, die zuständig für Unterhalt und Betrieb ist, in Form einer GmbH gegründet werden. (rm)