Lohn-Ammannsegg
Der Gemeindepräsident zum Jubiläum: «Ja, ich freue mich auf die 3000. Person»

Gemeindepräsident Markus Sieber beantwortet Fragen zu den letzten 25 Jahren und zur Zukunft der Fusionsgemeinde Lohn-Ammannsegg.

Urs Byland
Drucken
Teilen
Lohn-Ammannseggs Gemeindepräsident Markus Sieber.

Lohn-Ammannseggs Gemeindepräsident Markus Sieber.

zvg

Markus Sieber, was fällt Ihnen spontan ein zu 25 Jahre Fusionsgemeinde Lohn-Ammannsegg?

Markus Sieber: Eine Erfolgsgeschichte. Zwei Gemeinden fusionieren, weil sie es wollen. Danach entwickelt sich die neue Gemeinde Lohn-Ammannsegg in 25 Jahren dank ihrer Lage, vorausschauender Planung und steigender Finanzkraft zu einer attraktiven Wohngemeinde für alle.

Fast alles ist fusioniert. Nur die Bürgergemeinden von Lohn und Ammannsegg nicht. Die Rede ist von Animositäten. Gibt es solche?

Fusionen können nur gelingen, wenn die Parteien gemeinsam Vorteile identifizieren können. Beide Präsidien wurden in den letzten Jahren neu besetzt, was also die Chance einer Neubeurteilung bieten würde. Ob bezüglich einer Fusion Gespräche stattgefunden haben, weiss ich nicht.

Vom Bauerndorf zur Einfamilienhaussiedlung schreiben die Autoren in der Jubiläumsschrift. War dies die Entwicklung in den letzten 25 Jahren?

Ich denke, dass der Dorfteil Lohn bereits vor 25 Jahren kein Bauerndorf mehr war. Unsere ältesten Gewerbebetriebe haben stattliche Jubiläen hinter sich. Wyss Zäune feierte schon vor ein paar Jahren das 125-Jahr-Jubiläum, die Hofer+Co letzte Woche das 90-Jahr-Jubiläum. Lohn-Ammannsegg hat sich zu einer Agglomerationsgemeinde im Grünen entwickelt.

An welchen Punkten kann man positive, aber auch negative Entwicklungen der Fusion festhalten?

Im Vorfeld der Feierlichkeiten will ich nicht nach negativen Punkten suchen. Wie gesagt, ich blicke mit Stolz auf die Entwicklung der Gemeinde in den letzten 25 Jahren. Eine Herausforderung wird kurz- und mittelfristig aber die Infrastruktur sein, welche aufgrund des Wachstums an ihre Grenzen stösst.

Bauland ist kaum mehr erhältlich und die Baulandpreise steigen. Welche Probleme stellen sich?

Steigende Baulandpreise sind in allen attraktiven Wohngemeinden ein Thema. Gerade in den letzten Jahren wurde aber mehr Bauland verfügbar, als ich erwartet habe. Mit der Ortsplanung sind wir gefordert, unsere Grundlagen so zu definieren, dass ein massvolles Wachstum durch innere Verdichtung möglich bleibt. Dazu brauchen wir nicht zwingend neue Flächen einzuzonen. Mittelfristig sehe ich hier kein Problem.

Mehrfamilienhäuser ersetzen Einfamilienhäuser. Gefällt Ihnen diese Entwicklung?

Ja, eine attraktive und gesunde Gemeinde braucht einen Mix von Einfamilien- und Mehrfamilienhäusern. Die Möglichkeit, zwischen Eigentum und Miete zu wählen, macht uns attraktiver. Durch die Mehrfamilienhäuser wird ein Angebot für die jüngere Generation geschaffen, welche beispielsweise nach dem Auszug bei den Eltern im Dorf bleiben möchte. Auch der Generationenwechsel in den Einfamilienhausquartieren wird damit ermöglicht.
Etwas differenzierter ist die Haltung, wenn Einfamilienhäuser in den Quartieren abgerissen und durch Mehrfamilienhäuser ersetzt werden. Dies sollte möglichst quartierverträglich erfolgen. Grundsätzlich sieht das Raumplanungsgesetz eine Verdichtung nach innen vor, dies aber sicher mit Augenmass.

Die Gemeinde reagiert mit Planungszonen, das heisst befristeten Baustopps für bestimmte Parzellen. Was ist der Sinn dieser Massnahme?

Der Gemeinderat versteht die Planungszonen nicht als befristeten Baustopp, sondern als legitimes Mittel, Parzellen mit entsprechender Bedeutung in der laufenden Ortsplanung bei einer allfälligen Baueingabe bezüglich der künftigen Nutzungsplanung zu beurteilen. Dass es so zu Verzögerungen kommen kann, ist leider nicht auszuschliessen.

Welchen Aufgaben muss die Gemeinde sich in den nächsten 25 Jahren stellen?

Es gibt keinen Masterplan für die nächsten Jahrzehnte, dafür ist unsere Gesellschaft zu agil geworden. Die wichtigste Aufgabe ist, aufmerksam auf Veränderungen zu sein und Entscheide rechtzeitig, also aus der Position der Stärke heraus zu fällen.

Wird Lohn-Ammannsegg auch in 25 Jahren noch bestehen?

Als selbstständige Gemeinde? Ja, falls es nicht eine grosse Bereinigung in der Gemeindelandschaft im Kanton Solothurn gibt. Aufgrund unserer Lage an der Grenze zwischen Wasseramt und Bucheggberg würde sich bei einer politisch gewollten, massiven Reduktion der Anzahl Gemeinden dennoch mehrere Optionen für uns ergeben.

Lohn-Ammannsegg wächst im Vergleich zu früheren Jahren rasant. Bald können Sie die 3000. Person begrüssen. Wie kommentieren Sie diese Entwicklung?

Aus meiner Sicht braucht eine Gemeinde mit unserer Bevölkerungsstruktur mindestens 3000 Einwohner, um mittelfristig selbstständig zu bleiben. Mit unserer Grösse können wir aktuell die benötigten Funktionäre für unsere Gremien finden und qualitativ gute Arbeit leisten. Die zunehmende Komplexität der Aufgaben und Geschäfte fordert uns. Ja, ich freue mich auf die 3000. Person in unserer Gemeinde.

Morgen startet das dreitägige Dorffest. Feiern Fremde miteinander oder Freunde?

Bei 2800 Einwohnern können sich nicht alle Personen persönlich kennen. Wir wohnen aber im selben Dorf, damit haben wir eine Gemeinsamkeit, welche uns die Chance gibt, während dem Dorffest den Freundeskreis zu erweitern. Willkommen bei Freunden.

Aktuelle Nachrichten