Derendingen

Der Gemeindepräsident soll vermehrt als Aussenminister auftreten

Auch das gehört zu den Aufgaben des Gemeindepräsidenten: Kontakte pflegen und sich vernetzen an Anlässen.

In Derendingen sollen Gemeinderat und Gemeindeverwaltung neu aufgestellt werden.

Im Januar fasste der Gemeinderat Derendingen den Grundsatzentscheid, die Verwaltung und Behörden zu reorganisieren. Diesem Entscheid gingen lange Diskussionen und Vorarbeiten in einer Arbeitsgruppe voraus. In der Zwischenzeit liegt das Konzept auf dem Tisch und es wurde zuerst dem Personal und jetzt auch der Bevölkerung vorgestellt. Die wichtigsten Neuerungen in Kürze: Der Gemeinderat wird verkleinert und das Ressortsystem eingeführt. Innerhalb der Verwaltung wird der Gemeindepräsident durch eine Verwaltungsleitung von operativer Arbeit entlastet.

Gemeindepräsidium wurde zum Flaschenhals

Kuno Tschumi steht hinter der Neuorganisation. Und das, obwohl gerade er der Idee, eine Verwaltungsleitung einzuführen, lange Zeit skeptisch gegenüber stand. «Heute bin ich sicher, dass die angedachten neuen Strukturen uns weiterbringen werden.» Tschumi hat schon einmal eine Reorganisation angestossen. Vor rund zehn Jahren wurde die Abteilung Administration neu geschaffen. Sie ist aufgeteilt in die Stabs- und Einwohnerdienste. «An den Schaltern der Einwohnerdienste können heute 80 Prozent aller Begehren und Wünsche der Einwohner erfüllt werden. Gleichzeitig können die anderen Mitarbeitenden im Backoffice ungestört arbeiten.» Damit sei die Verwaltung effizienter geworden. Den Abteilungsleitern wurde mehr Verantwortung übergeben und der Gemeindepräsident liess sich monatlich an den Geschäftsleitungssitzungen über die laufen Geschäfte ins Bild setzen. «Ich wiederum bekam dadurch mehr Zeit für mein Kantonsratsmandat, das VSEG-Präsidium und die Vernetzung mit anderen Gemeinden.»

Fast zehn Jahre lang lief die Arbeit in der Gemeinde relativ gut. Doch plötzlich kam das System an seine Grenzen. Die Anzahl der Projekte hat stark zugenommen und jedes Geschäft muss zwangsläufig über den Tisch des Gemeindepräsidenten gereicht werden. «Irgendwann merkte ich, dass sich bei mir die Arbeit staut, wie in einem Flaschenhals», so Tschumi. Als er dann auch noch wegen eines Krankheitsfalles vorübergehend die Leitung des Sozialdienstes übernehmen musste, wurde es schwierig.

Arbeitsgruppe und Projektleiter

Die Neuorganisation der Verwaltungs- und Behördenstrukturen wurde von Thomas Blum als Projektleiter begleitet. Dazu kamen die Gemeinderäte Urban Cueni (CVP), Michael Käsermann (FDP), Markus Baumann (SP) und drei Personen aus der Verwaltung.

In Derendingen arbeiten heute 45 Personen, die sich 37 Stellen teilen. Die neuen Strukturen sehen vor, dass zusätzlich eine HR-Stelle (Human resource, Personal) geschaffen werden soll. Mit der Verwaltungsleitung sollen operative und strategische Verantwortung getrennt werden. «Das Pensum für die Verwaltungsleitung dürfte rund 30 Prozent betragen. Diese Person muss die Fäden in der Hand haben, wird aber auch noch andere Aufgaben innerhalb der Verwaltung übernehmen», erklärt Tschumi. Zusätzlich wird eine Abteilung zentrale Dienste geschaffen. In dieser sollen die Personaldienste, die Behördendienste, IT und Kommunikation und die Administration zusammengefasst werden.

Von der Reorganisation ausgenommen wird die Schule, da dort bereits reorganisiert wurde. Auch der Sozialdienst ist nicht einbezogen. Mit dem Zusammenschluss der beiden Sozialdienste Wasseramt Ost und Süd läuft auch dort die Restrukturierung bereits.

Gemeinderat soll Strategien entwickeln

«Im Verlauf der Diskussionen haben wir gemerkt, dass auch die politischen Strukturen den heutigen Anforderungen nicht mehr genügen», so Tschumi. Vor allem bei der Arbeit des Gemeinderates sei aufgefallen, dass dieser sich viel zu oft als Kontrollbehörde betätigt habe und daneben vergass, Strategien für die Zukunft zu entwickeln. «Da die Gemeinderäte heute keine Verantwortlichkeiten haben, sind sie oft auch zu weit von den laufenden Geschäften entfernt.» Dies soll nun durch die Verkleinerung des Rates und die Einführung des Ressortsystems geändert werden. Noch nicht entschieden sei, ob die Reduktion auf neun oder sieben Mitglieder erfolgen soll. «Bei neun Ressorts gäbe es Einsteigerressorts, was sicher für sehr junge oder unerfahrene Gemeinderäte von Vorteil wäre.» Die Ressortleiter müssten sich zudem mit den Abteilungsleitern in der Verwaltung vermehrt austauschen, was als befruchtend für beide Seiten gewertet wird.

Kommissionswesen entpolitisieren

Die Gemeinderäte sollen weiterhin im Milizsystem arbeiten, für ihren Aufwand aber entschädigt werden. Der Gemeindepräsident soll nach heutigem Stand der Kenntnisse weiterhin in einem 80 bis 100-Prozent-Pensum angestellt werden und vor allem als «Aussenminister» fungieren. «Die Mitarbeit in den regionalen Gremien wie etwa der Repla und das Mandat als Kantonsrat gehören in Derendingen als erwünscht dazu.»

Als Letztes wird auch das Kommissionswesen entpolitisiert und «entrümpelt». Fachkommissionen würden heute kaum mehr Sinn machen, erklärt Tschumi. «Bei einer professionellen Verwaltung ist genügen Fachkenntnis vorhanden.» Künftig solle vermehrt mit Arbeitsgruppe und Ausschüssen gearbeitet werden. «Diese Leute sollen ihr Wissen und ihren gesunden Menschenverstand mitbringen und vor allem auch Lust haben, mitzuarbeiten.»

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