«Ich mag Crosses, sie liegen mir», sagt die 28-Jährige. Um eine nicht alltägliche Zuneigung handelt es sich, auch wenn Joelle Flück eine profilierte Läuferin ist. Aber sie, die beim Turnverein Hubersdorf polysportiv begann und über die damalige Nachwuchsserie um den UBS Cup 3000 zum Laufen fand, entdeckte früh ein Flair für besondere Herausforderungen.

Cross-Rennen waren eine solche. «Hindernisläufe sagten mir am Anfang besonders zu», sagt sie. Im Crosslauf ist mit besonderen Hindernissen auszukommen: Rhythmusbrechern, tiefem Boden, Richtungsänderungen, Hindernissen, die es zu überwinden gilt.

Gold im Cross gewonnen

Auf den Geländelauf setzte und setzt Joelle Flück hingegen nicht. Zu wenig Gewicht hat dieses Genre in der Leichtathletik. Zu wenig Perspektiven würden sich bieten, zu kurz ist die Cross-Saison. Strassenläufe im Frühling und die Bahn-Leichtathletik im Sommer haben daher stärkeres Gewicht.

Demgegenüber bringt sie den Cross-Lauf mit einen besonderen Erfolg in Verbindung: 2012 war sie Schweizer Meisterin geworden im Kurzcross. Um ihren bis anhin einzigen Einzel-Schweizer-Meistertitel handelt es sich neben jenen mit ihrem Verein LC Regensdorf an den Staffel- und Team-Meisterschaften – und etlichen Silber- und Bronzemedaillen.

Dieser Cross-Titel zeigt auf, welche Entwicklung Joelle Flück in den letzten 15 Jahren als Läuferin gemacht hat – mit dem Beginn des Studiums der Bewegungswissenschaften und Sport 2006 an der ETH Zürich, mit dem Klubwechsel vom STV Attiswil zum LC Regensdorf, mit dem Wechsel in die Innerschweiz nach Schenkon nach dem Studienabschluss und dem Berufseinstieg am Schweizerischen Paraplegikerzentrum in Nottwil als Sportwissenschafterin
Wenn Joelle Flück am Samstagmittag auf der Luzerner Allmend an die Startlinie treten wird, handelt es sich um ihr erstes Crossrennen dieses Winters.

Als Annäherung, Einstimmung betrachtet sie die vier Runden à je einem Kilometer. Zwei Wochen später, an den nationalen Cross-Meisterschaften in Benken will sie sich gegen die nationale Elite behaupten. Dann kommt es darauf an. «Ich will dann vorne mitlaufen und um die Medaillen oder gar den Titel mitreden», sagt sie. Noch offen lässt sie allerdings die Frage, ob sie dies im Kurzcross oder über die Langdistanz versuchen wird. «Ein gutes Training, ein Belastungstest soll Luzern werden», sagt sie.

Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass sie einen ungewöhnlichen Herbst hinter sich hat. Nach einem Velosturz mit Schleudertrauma, Gehirnerschütterung, Prellungen und Schürfungen hatte sie während drei Wochen vollständig auf den Sport zu verzichten. Sodann setzte sie auf einen vorsichtigen und gezielt gesteuerten Aufbau.

Dieser machte sich bezahlt: «Ich hatte keine Rückschläge mehr und war nie verletzt.» Erstmals wieder mit einer Startnummer laufen wollte sie am Zürcher Silvesterlauf Mitte Dezember. Krankheitshalber musste sie jedoch verzichten. Der Gersauer Silvesterlauf (1.) sowie der Dietiker Neujahrslauf (2.) bildeten so ihre einzigen Ernstkämpfe seit Ende Sommer. Jetzt sagt sie: «Ich wünsche mir, das gute Laufgefühl von Gersau erneut abrufen und mitnehmen zu können.»

Kraft und Durchhaltevermögen

Sportlich denkt Joelle Flück längerfristig. Im Hinblick auf die nächsten Herausforderungen im Frühling und im Sommer, erhofft sie sich von ihren Cross-Einsätzen zu profitieren: bezüglich Härte gegenüber sich selber, Kraft und Durchhaltevermögen. Die Schweizer 10-km-Strassenmeisterschaft, der Halbmarathon von Mitte April in Wien sowie die 5000 m auf der Bahn nennt sie als Schwerpunkte. «Ich will meine Bestzeiten verbessern», sagt sie. Vor allem an jene über die zwölfeinhalb Bahnrunden, die 5000 m denkt sie, an die 16:41,25 Minuten.

Und nicht spezifisch zu formulieren braucht sie ihren geheimen Wunsch: «Eine Einzelgoldmedaille auf der Bahn.» Diese nämlich ist ihr bis anhin versagt geblieben. Vom Lozärner Cross erhofft sie sich daher auch einen mentalen Kick auf den Weg zu diesem Ziel. Sie sagt: «Luzern wird so etwas wie mein Heimrennen, da dürfte der Rahmen stimmen.» Sie hat sich in der Innerschweiz bestens eingelebt.