Oberdorf
Der Garten mit den typischen Jurapflanzen wird auf Vordermann gebracht

Seit 60 Jahren existiert der Juragarten unterhalb des Kurhauses Weissenstein. Seit letztem Jahr haben Regine Anderegg und Eicke Knauer die Leitung inne. Jetzt wird der rund 14 Aren grosse Garten saniert und erneuert.

Rahel Meier
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Werner Baumgartner (Präsident Pro Weissenstein, ganz links), Christian Schneeberger (freiwilliger Helfer), Regine Anderegg und Eicke Knauer (Leiterinnen Juragarten) bei der Arbeit im terrassierten Teil des Juragartens.

Werner Baumgartner (Präsident Pro Weissenstein, ganz links), Christian Schneeberger (freiwilliger Helfer), Regine Anderegg und Eicke Knauer (Leiterinnen Juragarten) bei der Arbeit im terrassierten Teil des Juragartens.

Rahel Meier

Es ist ein sonniger Freitagnachmittag im Herbst. Im Juragarten unterhalb der Terrasse des Kurhauses auf dem Weissenstein sind mehrere Freiwillige am Arbeiten. Der Garten, den es seit 60 Jahren gibt, soll erneuert werden. Das macht Freude, ist aber auch Knochenarbeit. Durchschnittlich werden 250 Stunden pro Jahr für den normalen Unterhalt aufgewendet. Arbeiten im Juragarten, das heisst jäten, Stauden und Sträucher schneiden, mähen, Wege frei halten, Pflanzen setzen, Etiketten aufstellen und wegräumen.

30 Jahre lang wurde der Garten unter der Leitung von Willy Bichsel gepflegt und ausgebaut. «Er machte das mit viel Herzblut», so Werner Baumgartner (Präsident Pro Weissenstein). Unter Bichsels Leitung wurde der Juragarten zu einem Bijou, das auch von der Fachwelt anerkannt ist.

Welche Pflanzen im Juragarten unterhalb des Kurhauses Weissenstein alles anzutreffen sind Eine für den Jura typische Hecke mit Schwarzdorn, Pfaffenhütchen, Weissdorn, Kornelkirsche und gemeinem Liguster
12 Bilder
Lorbeer-Seidelbast
Berg-Flockenblume
Vogelbeere
Verblühter gelber Enzian
Vogelbeere
Glockenblume
Eicke Knauer zeigt den stinkenden Nieswurz
Stinkender Nieswurz
Der Hang droht abzurutschen
Jura-Weisen-Bärenklau
Schwarzdorn

Welche Pflanzen im Juragarten unterhalb des Kurhauses Weissenstein alles anzutreffen sind Eine für den Jura typische Hecke mit Schwarzdorn, Pfaffenhütchen, Weissdorn, Kornelkirsche und gemeinem Liguster

Rahel Meier

Mehr Licht

Vor einem Jahr übernahmen dann Regine Anderegg und Eicke Knauer die Leitung über den Garten. Die beiden Fachfrauen haben viele Ideen, wie der Garten umgestaltet werden könnte. Schon im Frühling 2016 wurden mehrere Bäume gefällt, im Dezember 2016 wurde nochmals radikal ausgeholzt. Der Juragarten soll, wie es sein Name sagt, «die häufigen und charakteristischen Arten des Juras, sowie Pflanzen, die an einem speziellen Standort, insbesondere im Weissensteingebiet, vorkommen und heute selten sind», zeigen.

«Die Juraflora ist sonnenadaptiert. Wegen des Schattenwurfes der Bäume sind einige der Jurapflanzen eingegangen. Dafür wuchs vermehrt Moos und Gras», erklärt Eicke Knauer. Und Regine Anderegg ergänzt: «Normalerweise ist der Juraboden relativ karg. Aber wegen des vielen Laubes und des Nährstoffeintrags wurde der Boden hier immer fetter.» Die Beete, die Terrassen und die Trockenmauern sind zudem in die Jahre gekommen und bedürfen einer Erneuerung.

Pro Weissenstein: Vielfältiges Engagement

Pro Weissenstein vereinigt öffentliche Institutionen, Interessensvertretungen und Privatpersonen, die zum Ziel haben, den Weissenstein als Erholungs-, Ausflugs- und Wintersportgebiet zu pflegen und zu entwickeln. Die Vereinigung, die heute rund 500 Mitglieder hat, wurde 1952 als «Verkehrsverein Weissenstein» gegründet. Im Jahr 1957 wurde der Juragarten eingeweiht und dessen Pflege und Unterhalt durch Pro Weissenstein übernommen. Freiwillige erledigen die Gartenarbeit. Investitionen wurden aus den Mitgliederbeiträgen finanziert.

Pro Weissenstein ist auch für den Unterhalt und die Wartung der Wanderwege, Rastplätze und Ruhebänke zuständig. Der Planetenweg Weissenstein–Hasenmatt–Stallberg wurde 1978 eingeweiht und ist ebenfalls ein Kind von Pro Weissenstein. Auch bei der Planung und Realisierung der Bergkapelle Weissenstein 1981 hat Pro Weissenstein mitgeholfen.

Nachdem der Sturm Lothar das alte Kreuz auf der Röti fällte, hat Pro Weissenstein im Jahr 2000 ein neues «Röti-Kreuz» zur Verfügung gestellt, welches seit dem 18. August 2000 wieder über Tal und Land wacht. (rm/mgt)

Der Juragarten ist rund 14 Aren gross und es wachsen um die Pflanzenarten. Der Garten ist in drei Teile gegliedert. Der östliche Teil ist terrassiert mit Mauern aus Jurasteinen. Die Terrassen werden neu bepflanzt. Dann gibt es einen südexponierten Hang, südwestlich unter halb der Terrasse des Kurhauses. Der westliche Teil ist zurzeit im Wesentlichen mit Wald bestockt.

Damit sind die wichtigsten Landschaftstypen des Jura vertreten: Weide, Bergwald, Waldsaum, Fels- und Geröllflur, Wegrand und Blaugrashalde. Seit 1977 steht der Juragarten unter Schutz und wurde in das Inventar der Naturdenkmäler des Kantons Solothurn aufgenommen. Zudem liegt der Garten in der Juraschutzzone und im BLN-Gebiet (Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung).

Vieles neu auf dem Berg

Für Eicke Knauer und Regine Anderegg ist klar, dass mit der neuen Gondelbahn und der Erneuerung des Kurhauses mehr Besucher auf den Weissenstein kommen. «Das sind dann auch mehr Besucher für den Juragarten.» Damit diese den Garten auch tatsächlich aufsuchen, sollte der Eingang West neu gestaltet werden, dieser sei heute ein «etwas gar trauriger Anblick». Ein Teil der Wege und der Mauern müssen saniert werden, da sie wegen Erosion teilweise abzurutschen drohen.

Schön wäre es zudem, so Knauer und Anderegg, mehr Sitzgelegenheiten zu haben. Im Garten selbst möchten die beiden Frauen die bestehenden Vegetationstypen besser darstellen, neue Bereiche schaffen und vermehrt spezielle Pflanzen zeigen. Schon diesen Frühling wurde eine für den Jura typische Hecke mit Schwarzdorn, Pfaffenhütchen, Weissdorn, Kornelkirsche und gemeinem Liguster angepflanzt.

«Wenn wir den Garten erneuern wollen, dann kommen wir mit der Freiwilligenarbeit an Grenzen», so Knauer und Anderegg. Um Bäume zu fällen, brauche es bessere und schwerere Maschinen, als sie den Freiwilligen von pro Weissenstein zur Verfügung stehen. Zudem sind die beiden Frauen daran, ein Pflanzkonzept zu erarbeiten. «Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den Juragarten zu gestalten.»

Um diese Diskussion zu führen, ziehe man Botaniker bei. Schliesslich gehe es auch um eine verbesserte Öffentlichkeitsarbeit. Beispielsweise den Beschrieb auf der Website, die Beschilderung im Garten selbst oder die Neuauflage von Flyer und Führer.

«Wir stellen uns auch vor, das systematische Führungen angeboten werden könnten. Zu Heil- und Giftpflanzen beispielsweise. Oder zu Pflanzen, die seinerzeit für die Molkekuren gebraucht wurden.» Auch Angebote für Schulen und Kindergärten zu entwickeln, sei ein Thema. «Und wieso nicht einen Kochkurs mit juratypischen Pflanzen anbieten?».

Zusammenarbeit suchen

Bei der Neugestaltung wird auch die Zusammenarbeit mit anderen botanischen Gärten in der Schweiz gesucht. Die Zusammenarbeit mit den neuen Besitzern des Kurhauses sei ebenfalls wichtig.

Damit Pro Weissenstein den Juragarten weiter entwickeln kann, wurde ein Gesuch beim Lotteriefonds gestellt. Der Verein rechnet für die nächsten drei Jahre mit Kosten von insgesamt 270'000 Franken. Ein grosser Teil der Leistungen wird in ehrenamtlicher Tätigkeit erbracht.

Des Weiteren finanziert Pro Weissenstein einen Teil, weitere Geldgeber werden laufend gesucht. Der Regierungsrat hat zudem einen Beitrag von 103'000 Franken gesprochen.