Die reformierte Kirchgemeinde Bellach ist im Umbruch. Seit vergangenem September predigt Gabi Wartmann im Gotteshaus an der Kaselfeldstrasse. Sie folgte nach einer Übergangsphase auf Hermann Gilomen, von dem sich der Kirchgemeinderat nach einem längeren Konflikt getrennt hatte.

Mit der ehemaligen Aarauer Stadtpfarrerin zog alles andere als ein konservativer Geist ein. Nun soll zudem das Pfarrhaus abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Offenbar goutieren einige Kreise diese Veränderungen nur bedingt. Die Rede ist von mangelnder Akzeptanz mancher Gemeindeangehörigen. Die Pfarrerin werde spürbar gemieden, Strukturen seien verhärtet.

Dass sie gemieden werde, stimme nicht, sagt Gabi Wartmann. Es sei zwar so, dass die Veränderungen für einen Teil der Kirchgemeinde schwierig seien. «Es gibt Reaktionen, die nicht einfach sind.» Was sie in Bellach erlebe, sei aber nicht aussergewöhnlich. Wo Wandel stattfinde, müssten sich Menschen von Dingen trennen, mit denen sie sich stark verbunden fühlen.

Und ins Herz geschlossen haben viele Bellacher die Kirche und das angrenzende Pfarrhaus, beide 1956 erbaut. Im Dezember haben die Stimmberechtigten der reformierten Kirchgemeinde Solothurn beschlossen, die Kirche zu erneuern sowie das Pfarrhaus abzureissen und neu zu bauen. Zwar wurde der Investitionskredit von 790 000 Franken für den Rück- und Neubau grossmehrheitlich angenommen. Trotzdem gibt es Kritik gegen den Neubau des Pfarrhauses. Vor allem ein Teil der Generation, die in den 1950er-Jahren miterlebte, wie der Sakralbau in die Höhe wuchs, ist irritiert.

«Nicht einmal ein Haarriss»

Bei der Grundsteinlegung dabei war Fritz Ischi. Der mittlerweile 89-Jährige war in den 1950er-Jahren in der Baukommission und hat sich das leerstehende Pfarrhaus vergangenes Jahr angeschaut. «Das Gebäude hat eine sehr gute Hülle, es gibt nicht einmal einen Haarriss.» Dass es nun bis auf die Kellerdecke abgerissen werden soll, versteht Ischi nicht.

Zudem kritisiert er, dass das ganze Bauprojekt viel zu schnell durchgezogen worden sei. Man habe in der besinnlichen Zeit kaum Zeit gehabt, sich damit auseinanderzusetzen. «Geld war wichtiger als die Adventszeit», moniert er. Der Innenausbau und die Isolation indes müssten erneuert werden. Doch dazu brauche man nicht eine gesunde Bausubstanz niederzureissen.

Auch ein anderer Bellacher kritisiert die zu kurze Frist, die zur Stellungnahme geblieben sei. Weil das Thema heikel sei, will er sich nicht zitieren lassen.

Fristen wurden eingehalten

Barbara Fankhauser, Präsidentin der reformierten Kirchgemeinde Solothurn, stärkt Gabi Wartmann den Rücken. Sie leiste sehr gute Arbeit in Bellach. Fankhauser verteidigt den Mitwirkungsprozess. «Die Fristen wurden eingehalten.» Eine Woche vor der Kirchgemeindeversammlung wurde eine Informationsveranstaltung durchgeführt. Auf diese sei zuvor hingewiesen worden.

Sie weist darauf hin, dass der Entscheid zum Rück- und zum Neubau mit grosser Mehrheit gefallen ist. Weil es im Obergeschoss wegen der Dachschrägen viel unnutzbaren Raum gebe, habe man die Variante Neubau vorgeschlagen. Zudem müssten auch die Isolation, die Küche und die sanitären Anlagen erneuert werden. Ein Teilabriss wäre zwar günstiger, aber nicht optimal gewesen, weil dann die Amtsräume im Wohnbereich gewesen wären. «Diese sollen aber abgetrennt sein.»

Aus energetischen Gründen und mit Blick auf die Nachfolgegeneration habe man die Variante eines Rück- und Neubaus vorgezogen. Im Idealfall könnte das neue Pfarrhaus bereits Anfang 2016 stehen, wahrscheinlicher sei ein Bezug aber später.

Bis dahin wohnt Wartmann im leer stehenden Pfarrhaus in Langendorf. «Mit dieser Situation ist niemand glücklich», sagt die Pfarrerin. Es finde niemand toll, dass das Pfarrhaus nicht bezugsfähig sei. Gerade für die Aufbauarbeit, die nach dem Weggang von Hermann Gilomen nötig sei, sei dies keine gute Voraussetzung. «Das Gspüri für das Dorf entwickelt man vor Ort.»

Derzeit treibt sie die Vernetzungsarbeit voran: Senioren, Konfirmanden und Kinderkirche sollen besser mit dem Pfarramt verbunden werden. Ausserdem brauche es mehr Freiwillige, die bereit seien, die Gemeinde aktiv mitzutragen. Der Grundstein dafür scheint gelegt; so waren in der letzten Christnacht 60 Personen anwesend. Im Jahr zuvor waren es deren 5.