Sommeroper
«Der Fliegende Holländer» bringt neuen Schwung nach Selzach

Die Sommeroper Selzach wird aus Anlass des 30-jährigen Bestehens 2018 erstmals eine Wagner-Oper aufführen.

Silvia Rietz
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Sie betreten mit der Wagneroper neue Wege im Passionsspielhaus in Selzach (v. l.): René Gehri, Oskar Fluri, Pia Bürki, Dieter Kaegi und Valentin Vassiliev.

Sie betreten mit der Wagneroper neue Wege im Passionsspielhaus in Selzach (v. l.): René Gehri, Oskar Fluri, Pia Bürki, Dieter Kaegi und Valentin Vassiliev.

zvg

Die Sommeroper Selzach geht neue Wege und überrascht zum 30-Jahr-Jubiläum 2018 erstmals mit einer Wagner-Oper, neuem Regisseur und neuem Dirigenten. «Der Fliegende Holländer» lässt die Herzen nicht nur von Bayreuth-Fans höherschlagen, sondern bedeutet für die Selzacher-Crew René Gehri, Oskar Fluri und Pia Bürki eine echte Herausforderung.

Mit Dieter Kaegi wird eine vom Theater Biel Solothurn her bekannte Persönlichkeit im Passionsspielhaus inszenieren, der Name des musikalischen Leiters wird nach Vertragsunterzeichung bekannt gegeben.

Ein «Opern-Geheimtipp»

Längst hat sich die Sommeroper Selzach als «Opern-Geheimtipp mit Lokalkoloritt» etabliert. In den 1990-er Jahren stand sie manchmal etwas im Schatten des zwei Jahre später gegründeten Classic Openair Solothurn; dessen nachfolgende und kurzlebige Solothurn Classics hat die Selzacher-Produktion jedoch schnell überflügelt und notabene auch überdauert. Dabei war überhaupt nicht klar, ob sich das Passionsspielhaus in eine veritable Opernbühne umfunktionieren lasse.

Die in den 1980-er Jahren gestellte Frage von Regisseur Hansjörg Hack – «In dieser Scheune wollt ihr Oper machen?» – ist längst Geschichte und gerne zitierte Selzacher-Anekdote. Was mit der Mozart Trilogie «Zauberflöte», «Entführung aus dem Serail» und «Don Giovanni» begann, führte über Lortzings «Wildschütz», «Zar und Zimmermann», «Martha», «Die lustigen Weiber von Windsor» bis zu Webers «Freischütz». Nach «Viva la Mamma», «Die Italienerin in Algier», «Hofmanns Erzählungen», «Faust» und dem «Liebestrank» führt die Werkwahl unter neuer Ägide nun folgerichtig zum Fliegenden Holländer.

Als eines der früheren Werke Richard Wagners steht das Werk noch weitgehend in der Tradition der romantischen Oper, wie etwa Webers «Freischütz». Von daher ist es wohl die einzige Wagneroper, die sich von der Besetzung und den Anforderungen her – auch vom Orchester – für das «Holzhaus» eignet. Die Oper handelt vom Begegnen der menschlichen Realität mit dem Übersinnlichen. Diese «Geisterwelt» wird vom Holländer und seiner Schiffsmannschaft repräsentiert, der nach alten Sagen die Naturgewalten des Meeres und des Sturms verfluchte und dadurch für immer mit dem Geisterschiff auf den Weltmeeren kreisen muss und Unglück bringt. Erst die Liebe und Treue einer irdischen Frau kann ihn erlösen.

«Einzigartiges Theatergebäude»

«Das funktioniert nicht nur auf dem ‹Grünen Hügel›, sondern auch im Passionsspielhaus. Gerade der Erlösungsgedanke ist ein logisches Andocken an die Passionsspiele, wo es um Tod und Erlösung geht», sinniert Produktionsleiter René Gehri. Dem pflichtet Dieter Kaegi bei: «Das Passionsspielhaus ist ein einzigartiges, magisches und bedeutungsvolles Theatergebäude. Ich kann mir keinen wirksameren, richtigeren und wichtigeren Ort für eine Produktion des Fliegenden Holländers vorstellen. Einer Oper, in der es um Passion, also Leiden und Erlösen geht.»

Die Zusammenarbeit mit dem Theater Orchester Biel Solothurn Tobs (Valentin Vassiliev studiert den Chor ein) soll frischen Wind in die Segel des Holländers und in die Selzacher Opernpraxis blasen, aber nicht als «Tobs-Gastspiel» missverstanden werden. Eigenständigkeit wird grossgeschrieben, einige der Akteure der ersten Stunde sind noch immer dabei.

Überhaupt hat es in den drei Jahrzehnten erstaunlich wenige Führungswechsel gegeben: Ausstatter Oskar Fluri hat bisher alle Bühnenbilder und Kostüme entworfen, nach René Kunz, Bruno Späti und Bruno Leuschner wird nun der vierte Dirigent das Orchester leiten, nach Hansjörg Hack und Thomas Dietrich wird mit Dieter Kaegi erst der dritte Regisseur zum Zuge kommen. Thomas Dietrich, Allrounder vom Start weg, wird, künftig administrative und organisatorische Aufgaben übernehmen.

Version für Kinder und Jugendliche

Co-Leiterin Pia Bürki hat sich für das Jubiläums-Jahr etwas ganz Besonderes vorgenommen: «Es gibt vom Fliegenden Holländer eine Bearbeitung für Kinder und Jugendliche. Diese Fassung möchte ich, quasi als Parallel-Produktion, Schulen und Jugendorganisationen schmackhaft machen.» Wagners Geisterschiff, das voraussichtlich am 2. August 2018 Premiere feiern wird, scheint tatsächlich neuen Schwung in die gut eingeölte Maschinerie der Sommeroper zu bringen.

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