Biberist

Der Fischereiverein Solothurn hat eine Rettungsaktion für die Fische im Emmekanal organisiert

Mit Hilfe von Strom sind die Fische leichter zu fangen.

Mit Hilfe von Strom sind die Fische leichter zu fangen.

Für die Bauarbeiten beim Wehr in Biberist wurde vergangene Woche das Wasser aus dem Emmekanal abgelassen. Geblieben sind nur noch flache Pfützen. Für die Fische im Kanal wurde jedoch eine Rettungsaktion gestartet.

Damit die Fische trotzdem weiterleben können, organisierte der Fischereiverein Solothurn und Umgebung am Samstag eine grosse Rettungsaktion: Eimerweise wurden vor allem Jungfische aus dem Restwasser gefischt und danach in der Emme wieder ausgesetzt. «Wir fischen den Kanal im Auftrag des Kantons und der Betreiberin der Kleinkraftwerke, der Emmekanal-Gesellschaft, aus», erklärt Giorgio Eberwein die Ausgangslage. «Aber eigentlich machen wir das für die Fische und für die Natur, denn für unseren Verein ist das Hegen des Bestandes mindestens so wichtig wie die Freude am Fischen.»

Derweil ziehen sich die Fischer Gummilatzhosen mit integrierten Stiefeln an. David Gerke schnallt sich zusätzlich noch einen Generator auf den Rücken. «Die Fische zeigen auf elektrischen Strom eine anodische Reaktion», erklärt der Präsident des Fischereivereins Solothurn und schweizweit bekannte Umweltschützer die ungewöhnliche Technik. «Der Gleichstrom verursacht eine Muskelkontraktion, die dazu führt, dass die Fische zur Anode hin schwimmen. Gleichzeitig werden die Fische betäubt, und so lassen sie sich sehr leicht mit den Netzen einfangen.»

Wenn Gerke Fische entdeckt, dann hält er die Anode, die an einem langen, gelben Stock befestigt ist, ins Wasser. Der Generator beginnt schwer zu arbeiten. Ohne die isolierenden Gummistiefel wäre der starke Strom für die Fischer lebensgefährlich. Plötzlich unterbricht David Gerke die Arbeit. «Schaut hier, schaut hier», ruft eine Zuschauerin auf der Brücke, die zum Schwarzweg führt. Sie zeigt auf einen riesigen Biber mit mächtigem Winterspeck, der nur wenige Meter an den Fischern vorbei durch das Restwasser schwimmt und dann gemütlich das Ufer erklimmt. Ein weiterer Beweis dafür, dass sich die Natur das Wasseramt zurückerobern will.

Fische werden den Weg zurück alleine finden

Organisator Giorgio Eberwein ist zufrieden mit dem Fang mehrerer Hundertschaften kleiner Fische in den grossen Kübeln. Er zählt auf: «Alet, Erlitze, zwei Forellenarten, Gründling, Schmerl und sogar ein Egli, das man im Kanal sonst nicht oft sieht.» Dann geht es rüber zur renaturierten Emme, wo die Jungtiere wieder ausgesetzt werden. Damit sei die Arbeit für die Fischer abgeschlossen, sagt Giorgio Eberwein. «Sobald die Fischtreppe fertig ist, werden die Fische von selber den Weg zurück in den Kanal finden.» Diese wird im Rahmen der Renaturierung des Emmenkanals in Biberist gestaltet.

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