Jubiläum

Der FC Gerlafingen feiert 100 Jahre

Urs Wyler (links) und Hansruedi Lehmann berichten zum 100-Jahr-Jubiläum des FC Gerlafingen von ihrer Aktivzeit.

Urs Wyler (links) und Hansruedi Lehmann berichten zum 100-Jahr-Jubiläum des FC Gerlafingen von ihrer Aktivzeit.

Vor 100 Jahren wurde der FC Gerlafingen gegründet. Hansruedi Lehmann und Urs Wyler erinnern an sumpfige, aber auch glorreiche Zeiten.

Es sind die kleinen Anekdoten, die kleinen Geschichten, die ein Jubiläum versüssen. Beim 1915 gegründeten Fussballclub Gerlafingen kann Hansruedi Lehmann von der Reise ins Tessin berichten. Dort fand Anfang 1961 ein Aufstiegsspiel in die 1. Liga gegen Mendrisio statt. «Es war nicht gut, dass wir schon am Vorabend anreisten», berichtet der 75-Jährige und lacht.

Gerlafingen kassierte vier Tore und schoss nur eines. Erneut waren die Aufstiegsspiele nicht von Erfolg gekrönt. Der Aufstieg gelang dafür ein Jahr später.

Bis 1965 blieb der FC Gerlafingen in der 1. Liga. Sportlich sicher der Höhepunkt in der 100 Jahre alten Geschichte des Clubs. Im ersten Jahr spielte der FC Gerlafingen beispielsweise auch gegen den FC Solothurn, damals unter der späteren Trainerlegende Willy Sommer. 600 bis 800 Zuschauer verfolgten die Spiele der ersten Mannschaft. Eine Rekordkulisse gab es mit 3000 Zuschauern im Spiel gegen den FC Solothurn. Bauern haben rund ums Spielfeld ihre Brückenwagen platziert, auf denen die Zuschauer das Spiel verfolgen konnten. Im Jubiläumsjahr 1965 musste der Verein aber den Abstieg hinnehmen.

Der Vater protokollierte

Hansruedi Lehmann spielte in der erfolgreichen Mannschaft in der Verteidigung. Er kam einige Jahre zuvor als Fünfzehnjähriger nach Gerlafingen. Sein Vater arbeitete Schicht bei der Von Roll. Die tägliche Anfahrt aus dem Emmental, zuerst mit dem Fahrrad nach Burgdorf, dann mit dem Zug nach Gerlafingen, dürfte dem Vater zu mühsam geworden sein. «Ich fand sofort Kollegen beim FC», berichtet Lehmann. Damals konnte man sich einzig entscheiden zwischen dem Fussballclub, der Musikgesellschaft oder dem Turnverein. Das wars. 

Lehmanns Vater begleitete die Juniorenteams an die Auswärtsspiele. Trainer war Hugo Misteli, der früher in Grenchen spielte. Von jedem Match hatte der Vater dem Trainer einen schriftlichen Bericht abzuliefern. «Bei prächtigem Frühlingswetter umsäumte eine grosse Menge Schaulustige das Spielfeld, um dem interessanten Matsch beizuwohnen, wo sie aber auch auf ihre Rechnung kamen», protokollierte Lehmanns Vater das Spiel der Gerlafinger Junioren interregional gegen YB. «Das Spiel war mühsam, der Gegner zäh, die Sonne machte warm, die Gemüter heiss. So ging es lange hin und her, bis endlich den unsrigen ein schöner Durchbruch gelang, wo auch der erste Torerfolg nicht ausblieb.»

Das Tor geschossen hatte sein Sohn Hansruedi Lehmann. Gerlafingen gewann mit 2 zu 0. Akribisch schrieb der Vater die Spielberichte für den Juniorentrainer Misteli – der in der Firma Von Roll gleichzeitig sein Meister war. Etliche Junioren dieser Mannschaft tauchten später auf der Spielerliste der erfolgreichen 1. Mannschaft auf.

Werbe-Ikonen für «Zephyr»

Erfolg hatte der Club auch neben dem Platz. In der Jubiläumsschrift zum 50. Geburtstag 1965 warb eine Mannschaft des FC Gerlafingen für die rostfreie Rasierklinge «Zephyr». Alle zwölf Mann, inklusive Ersatzspieler, liessen sich mit derselben Klinge rasieren. Das Werbebild mit dem entsprechenden Text machte in Europa die Runde. Mit dabei war Urs Wylers Vater. «An einem Samstagmorgen haben sie sich auf dem Fussballplatz versammelt, ihre Gesichter eingeschäumt und rasiert», berichtet Ehrenpräsident der 63-jährige Urs Wyler. Er präsidiert das Jubiläums-OK, spielte in der ersten Mannschaft des FC Gerlafingen in der 2. Liga, hörte nach mehreren Knieoperationen auf und wechselte in Funktionsämter. Wyler führte den Klub selber während acht Jahren und half später in einer schwierigen finanziellen Zeit als Kassier aus.

«Auf einer Strichliste protokollierte der Trainer die Trainingsbesuche», berichtet Urs Wyler von seiner Aktivzeit. Die Spieleraufgebote wurden jeweils am Donnerstagabend im Kasten im Restaurant Eisenhammer ausgehängt. So wussten die Spieler frühzeitig, in welcher Mannschaft sie kicken durften. Eine gelbe Karte im Spiel zahlten die Fussballer aus der eigenen Tasche. Das waren dann schon mal 25 Franken. Auch die Wäsche des Trikots kostete jeden Spieler nochmals 2 Franken für die Waschfrau. «Meine Mutter hat jeweils die Dresse gewaschen. Jeden Sonntag. Meine Schwester und ich bügelten. Sie erhielt pro gebügeltes Hemd 50 Rappen. Ich bügelte die Hosen, das war einfacher, und ich bekam 20 Rappen pro Hose», erinnert sich Urs Wyler.

Heute gebe man kaum mehr alles für seinen Verein. «Man geht in die Ferien, jederzeit. Das gab es bei uns nicht. Man gönnte sich vielleicht Anfang Juli zwei Wochen Ferien, aber setzte alles daran, Mitte Monat wieder beim Training anwesend zu sein.» Heute seien die Spieler weniger diszipliniert. «Wenn das Training startet, muss der Trainer vielleicht mit fünf Leute beginnen.»

Idylle auf dem Strackbach

Früher spielte der FC noch auf dem Strackbach, eine Idylle, im Wald zwischen Gerlafingen und Wiler gelegen. Die Qualität des Platzes ist nicht mit der heutigen auf dem Kirchacker zu vergleichen. «In der Mitte hatte der Platz eine sumpfige Stelle, um die man am besten herumlief, sonst wurde man dann wirklich schmutzig», berichtet Urs Wyler. «Die Fussballschuhe putzten wir im nahen Bach. Von dort wurde das Wasser zum Duschen hochgepumpt und in einem Heizkessel erwärmt», ergänzt Hansruedi Lehmann. Ende der 1960er-Jahre wechselte der Klub auf den Kirchacker.

100 Jahre FC Gerlafingen, Kirchacker, 5. Juni ab 17 Uhr, 6. Juni ab 12 Uhr.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1