Derendingen
Der erste «Elsässli»-Garten wird in den kommenden Wochen saniert

Nach sechs Jahren des Abwartens freut sich Familie Blanchat-Weber darauf, dass es endlich vorwärtsgeht mit der Sanierung ihres Gartens im Derendinger «Elsässli».

Rahel Meier
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Jahrelang wurde der Garten im bestehenden Zustand belassen, da nicht klar war, ob und wie er umgestaltet werden darf. Nun wurden die Sträucher ausgegraben und zwei Bäume gefällt. Die gelben Markierungen zeigen, wo Bodenproben entnommen wurden. Direkt am Haus, unter dem Beton, ist der Boden unbelastet und muss nicht ausgetauscht werden.

Jahrelang wurde der Garten im bestehenden Zustand belassen, da nicht klar war, ob und wie er umgestaltet werden darf. Nun wurden die Sträucher ausgegraben und zwei Bäume gefällt. Die gelben Markierungen zeigen, wo Bodenproben entnommen wurden. Direkt am Haus, unter dem Beton, ist der Boden unbelastet und muss nicht ausgetauscht werden.

Rahel Meier

Markierungen, Rasenstücke, die aufgerissen sind, ein gefällter Baum, diverse Werkzeuge und eine Karette, Stapel mit alten Gartenplatten und eine Mulde mit Betonstücken. Der Garten an der Krempelgasse 9 in Derendingen sieht zurzeit nicht allzu einladend aus. Die Besitzer des Gartens freuen sich aber über das Chaos. Es zeigt, dass die Neugestaltung endlich Wirklichkeit wird. Im Jahr 2010 kauften Franziska Weber und Roger Blanchat das Haus im «Elsässli» von der Einwohnergemeinde.

Kurz nachher wurde bekannt, dass die Gärten durch den flächendeckenden Einbau alter Teerplatten schadstoffbelastet sind und im Jahr 2015 wurden Nutzungseinschränkungen ausgesprochen. Diese besagen unter anderem, dass sich Kinder unter 12 Jahren nicht in den Gärten aufhalten dürfen. Jugendliche und Erwachsene dürfen keinen unmittelbaren Körperkontakt zum Boden haben. Gärtnern ist nur bei befeuchtetem Boden erlaubt und nur mit bedeckenden Kleidern, Handschuhen und mit Fusswerk.

Jahrelang blockiert

«Für uns war klar, dass wir ein altes Haus und einen grossen Garten möchten», erzählt Franziska Weber. So kamen sie und Roger Blanchat nach Derendingen. In der Zwischenzeit haben die beiden drei Kinder, das kleinste ist erst wenige Wochen alt. «Der Garten entsprach nicht unseren Vorstellungen. Aber es machte keinen Sinn, etwas zu verändern. So waren wir jahrelang blockiert und mussten abwarten.»

Am schlimmsten war es, wenn eines der beiden grösseren Kinder im Garten spielte. Zwar sei kein einziger Krankheitsfall aus dem «Elsässli» bekannt, der auf die belasteten Böden zurückzuführen sei. «Trotzdem hatte ich immer ein ungutes Gefühl», erklärt Franziska Weber. So waren die beiden Kinder immer möglichst gut eingepackt und im Krabbelalter wurde der Garten wenn möglich umgangen. «In diesem Alter nehmen die Kleinen ja auch noch alles in den Mund, auch den Dreck.»

Vor einem Jahr begannen Franziska Weber und Roger Blanchat mit der Planung des neuen Gartens. Eine Orientierungshilfe fanden sie im Leitbild, das im Auftrag der Interessengemeinschaft Elsässli (IG) erstellt wurde. Das Gartenleitbild ist gemeinsam mit den kantonalen und den Gemeindebehörden erarbeitet worden. Eingebacht haben sich zudem die kantonale Denkmalpflege und der Schweizer Heimatschutz.

Schoggitaler für das «Elsässli»

Der Verkauf des Schoggitalers des Schweizer Heimatschutzes steht heuer unter dem Motto «Gärten und Parks». Ein Beitrag aus dem Verkauf fliesst in den Erhalt der Gärten im «Elsässli». Der Schweizer Heimatschutz will mithelfen, dass die neuen Gärten sowohl dem Aspekt der Denkmalpflege als auch der Biodiversität Rechnung tragen. Der Heimatschutz engagierte sich bereits im Vorfeld und beteiligte sich finanziell an der Erarbeitung eines Leitbildes für die Bewohner des «Elsässli». Dieses listet die vorhandenen Qualitäten der denkmalgeschützten Siedlung und der 28 Gärten auf und zeigt, wie die zukünftige Bepflanzung nach der Sanierung der Böden aussehen könnte. Das Ziel ist, dass die Gärten auch künftig ihren Charakter behalten und nicht uniformiert daherkommen. Aufgelistet wird zudem, welche Bauwerke in den Gärten erlaubt und welche Pflanzen erwünscht sind. (rm)

«Wir sind keine Baufachleute,» erklären die beiden. Zudem brauchte das Baugesuch für die Sanierung mehr Unterlagen als bei einer normalen Umgestaltung. Tatsächlich sind die «Elsässli«-Gärten ein Präzedenzfall und so wussten auch die Derendinger Baubehörden und die kantonalen Fachstellen nicht von Anfang an, welche Nachweise und Pläne einzureichen sind.

Die Fachleute der Abteilung Bodenschutz des Amtes für Umwelt und die Verantwortlichen des kantonalen Denkmalschutzes hätten sich grosse Mühe gegeben. «Wir haben viele Pläne gezeichnet. Diese eingereicht. Fotografiert. Dokumentiert. Diskutiert», so Weber und Blanchat. War man sich einig und alles korrekt, so hätten die kantonalen Fachstellen ihre Bewilligungen jeweils relativ einfach und unbürokratisch erteilt.

Bodenproben entnommen

Zusätzlich wurde ein Geologe beigezogen, der spezialisiert ist auf die Untersuchungen von belasteten Standorten und Aushubarbeiten und Rückbauten begleitet. «Er hat uns empfohlen, Bodenproben entnehmen zu lassen. Das hat uns 3000 Franken gekostet. Dafür wissen wir nun, dass wir nicht den gesamten Boden austauschen lassen müssen und dass ein Teil des Aushubmaterials in einer Inertstoffdeponie entsorgt werden kann.» Das seien willkommene Einsparungen. Die Sanierung wird auf 50 000 Franken veranschlagt. Geld, das für den Ausbau des Dachgeschosses des Hauses gedacht war. Auflagen gibt es auch für den Boden, der aufgefüllt wird. «Wir müssen einen Nachweis erbringen, dass die Erde, die wir einbringen, sauber ist.»

Spielt das Wetter mit, wird mit den Arbeiten im Garten schon bald begonnen. Die Baubewilligung für die Sanierung ist erteilt worden. Die Sträucher, die entlang der Grundstücksgrenzen standen, sind ausgegraben und werden zwischengelagert. Ein alter kranker Apfelbaum musste gefällt werden. Zwei andere Bäume können stehen bleiben. Nach der Sanierung möchten Blanchats einen Gemüsegarten anlegen, die Hühner sollten wieder Platz finden. Zudem soll es Spielgeräte für die Kinder geben.