Hochspannungsleitung
Der Ersatz bleibt eine Freileitung

SBB erneuern die «Alte Mittellandleitung» Kerzers-Rupperswil, gehen aber nicht in den Boden. Es gibt also keine Erdverlegung.

Urs Byland
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Die sogenannte Alte Mittellandleitung Kerzers–Rupperswil wird ersetzt.

Die sogenannte Alte Mittellandleitung Kerzers–Rupperswil wird ersetzt.

Urs Byland

Vor 90 Jahren und früher wurde die Hochspannungsleitung vom bernischen Kerzers ins aargauische Rupperswil gebaut. Die sogenannte «Alte Mittellandleitung» führt auch über den Kanton Solothurn und versorgt die SBB mit Strom.

Nun soll diese Hochspannungsleitung ersetzt werden. Der kontinuierliche Ausbau des SBB-Netzes führe zu einem stetigen Anstieg des Bahnstrombedarfes. Die veraltete Leitung genüge den heutigen Anforderungen nicht mehr, so die SBB in einer Gemeindeinfo.

Die Leitseile werden nicht an 50 Meter hohen Gittermasten, sondern an 20 bis 25 Meter hohen Betonmasten hängen, die seit den 1960er-Jahren verwendet werden und die weniger Land beanspruchen. Als die Leitung 1927 gebaut wurde, verlief sie über unbesiedeltem Land. In der Zwischenzeit sind da und dort Siedlungen in der Nähe oder gar rund um die Leitung entstanden.

Die neue Leitung soll grösstenteils dem bisherigen Verlauf folgen, mit Ausnahmen. «Im Bereich Gerlafingen und Subingen werden wir den neuen Leitungsverlauf entlang der Autobahn planen», erklärt Benedikt Aeberhardt, SBB AG. «Damit bündeln wir Infrastrukturen und halten den Landanspruch klein.»

Grundeigentümer informieren

Aktuell kommen die Pläne für die neue Linienführung zur Vernehmlassung in die Gemeinderäte. Nun ist es Sache der Gemeindebehörden die genaue Linienführung zu beeinflussen. Dieser Bereich des aktuellen Verfahrens ist aber noch nicht öffentlich. Müssen doch bei einer Festlegung der Linienführung die Grundeigentümer zuerst informiert werden. Aber von Seiten der Bauherrschaft wird kommuniziert, dass man grundsätzlich bemüht ist, die Siedlungsgebiete zu umgehen und die Leitung meistens über Landwirtschaftsland zu führen.

Die entsprechenden Gebiete im Wasseramt, wo die Leitung heute Siedlungen schneidet, liegen in Gerlafingen, Kriegstetten, Subingen und Deitingen. In Gerlafingen soll die Leitung ausserhalb der Siedlung verlegt werden. Dies geht aus den Obergerlafinger Gemeinderatsunterlagen hervor.

In Kriegstetten weist Gemeindepräsident Manfred Küng auf den Maulkorb für die Pläne hin. Er verhehlt aber nicht, dass der vorgeschlagene neue Linienverlauf der Leitung für Kriegstetten sehr gut wäre. Aktuell schneidet die Linie Wohnquartiere im Norden der Gemeinde. Gut möglich also, das Strahlungsgeplagte in diesen Gebieten in einigen Jahren von den Hochspannungsleitungen über ihrem Grundstück befreit sind.

Keine Erdverlegung

Laut Gemeindeinfo kann die Leitung aus technischen Gründen nicht unterirdisch geführt oder verkabelt werden. «Die Möglichkeit zur Erdverlegung der SBB-Leitungen ist heute bereits ausgeschöpft», begründet Aeberhardt. Der Einsatz von Kabeln bringe das Schweizer Bahnstromnetz an physikalische Grenzen. Aus diesem Grund werden die vorliegenden Abschnitte als Freileitung und nicht als Kabelleitung geplant. Dadurch entstünden auf den gut 90 Leitungskilometern «einige wenige Konflikte mit Siedlungen oder geschützten Landschaften».

In der Frage der Entschädigung besteht eine Vereinbarung des Schweizerischen Bauernverbandes mit den Elektrizitätsunternehmen. Der Bauer erhält eine doppelte Entschädigung. Einerseits für die Fläche, die der Mast beansprucht. Andererseits werden diejenigen entschädigt, über deren Land die Leitseile gehen. Die Entschädigung gilt für 25 Jahre und wird anschliessend neu verhandelt.

Ab Januar 2017 wird das Projekt den Grundeigentümern vorgestellt. Die Arbeiten starten 2019 auf der Strecke von Kallnach bis Kräiligen, wenn das Verfahren nicht mit Einsprachen verzögert wird. Abgeschlossen würden die Arbeiten 2025.

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