Bellach

Der erfinderische Samichlaus: Wegen Corona gab es in diesem Jahr ein Drive-in der anderen Art

Mit einem langen Stab wurden die Leckerein den Kindern übergeben, die ein Versli aufgetragen haben.

Mit einem langen Stab wurden die Leckerein den Kindern übergeben, die ein Versli aufgetragen haben.

In Zeiten der Pandemie musste sich der Samichlaus in diesem Jahr erfinderisch zeigen. Beim Sauriermuseum in Bellach blieben die Kinder im Auto und der Claus verteilte ihnen Leckereien: ein Drive-in der anderen Art.

«Samichlaus du liebe Maa», so beginnen die meisten Verse, die zu Ehren des Nikolaus von Myra aufgesagt werden. Der Heilige, der bei uns als Samichlaus bekannt ist, hat seit seiner Geburt vor etwa 1750 Jahren schon viel erlebt. Doch beinahe wäre sein Ehrentag diesmal ganz ausgefallen. Zum ersten Mal durfte er dieses Jahr wegen der Pandemie nicht nach Hause zu den Kindern, und da liess er sich einfach etwas ganz Cleveres einfallen: Er liess nämlich die Kinder zu sich nach Bellach kommen.

Es brauchte nur eine gute Idee und etwas warme Kleider: Das Team des Bellacher Dinosauriermuseums wollte den Brauch trotz Pandemie am Leben erhalten und organisierte ein Drive-in für die Kinder der Region. Nach einer umsichtigen Einweisung in den Warteraum löste ein Dinosaurier mit roter Mütze beim Achtjährigen auf dem Hintersitz eine Begeisterungswelle aus. Der Vater wurde genötigt, bis er versprach: «Ja, hier gibt es ein Dinosauriermuseum, und ja, wir werden es nächstes Wochenende besuchen.»

Die Kinder tragen die Versli im Auto vor

Dann war es so weit. Weil der Samichlaus wegen seines unglaublich hohen Alters – der Beweis ist sein langer, weisser Bart– zur Hochrisikogruppe zählt, hörte er sich aus etwas Distanz die ­Versli, die Lieder und das Blockflötenspiel der Kinder an, die auf dem Hintersitz im Auto bleiben mussten. Der Schmutzli sah im fahlen Licht auf dem Parkplatz beim Dinosauriermuseum noch etwas schwärzer und düsterer aus als sonst.

Dafür hatte er statt der gefürchteten Rute diesmal einen langen, goldenen Stecken mit einem Körbchen dabei, womit er den Kindern aus der Distanz das Geschenk überreichte, auf das sie sich so gefreut hatten. «Aber wo ist denn das Eseli?», fragte der Zweitklässler. «Das Eseli hat Angst vor den Autos, deshalb ist es im Stall geblieben», lautete die überzeugende Antwort.

«Ich weiss ja, dass der Samichlaus eigentlich gar nicht echt ist», verriet der Kleine auf der Heimfahrt, «aber ich habe ihm nichts gesagt, damit ich ihm nicht die Freude verderbe.» Das Säckli mit den Nüssen, Manda­rinli und der Schokolade umklammerte er aber mit beiden Armen, als wäre es ein unersetzbarer Schatz.

Grosse Dankbarkeit von den Eltern

Eigentlich wäre das Drive-in beim Dinosauriermuseum ja am Samstag von 18 bis 20 Uhr offen gewesen, aber nach nur einer Dreiviertelstunde waren die 50 Kinder, die sich angemeldet ­hatten, bereits alle vorbeigekommen.

«Die Eltern waren so dankbar, denn wer weiss schon, ob im nächsten Jahr, wenn hoffentlich der Virenspuk vorbei ist, sich die Kinder noch über den Samichlaus freuen werden oder ob sie bis dann bereits aus dem Alter herausgewachsen sind», zog Organisator Stefan Frieden sein Fazit. Und er fasst zusammen: «Es war der schönste und emotionalste Anlass, den wir in den zehn Jahren durchgeführt haben, seit es das Dinosauriermuseum gibt.»

Meistgesehen

Artboard 1