Ein ungewöhnliches Bild präsentierte sich am Samstag auf Hersiwils Strassen. Auf dem Sechsspänner von Feldschlösschen kam Susanne Michel, seit 40 Jahren Wirtin im Restaurant zum Brunnen in Hersiwil, angefahren. Unter dem ausladenden Kastanienbaum machten die stämmigen Brauereipferde halt. Unzählige Leute beglückwünschten die sichtlich gerührte Jubilarin – darunter auch Gemeindepräsident Brandon Miller – und beschenkten sie mit Blumen.

Dass der «Brunnen» nach wie vor beliebt ist, bezeugen die Mitfeiernden, die im Festzelt oder draussen Bratwürste und Bier genossen. Passende Lieder wie «Di Wäg» und «E liebe Mänsch» sang am Nachmittag der Jodlerclub Oekingen. Die Vereinsmusik Kriegstetten begeisterte vom Solothurner Marsch bis hin zum Böhmischen Traum. Den gemütlichen Abend läutete der Männerchor Frohsinn Drei Höfe ein mit «Ein Lied für frohe Stunden», und wie gemacht für den Anlass «Die Getränke sind frei». Der «Brunnen» ist die Stammbeiz der Sänger. Dort führen sie jedes Jahr ihren Lottomatch durch. Dabei darf jeweils die Erbssuppe mit Gnagi nicht fehlen.

Begehrte Kochkünste

Im «Brunnen» scheinen sich Einzelgäste sowie Vereine wohl zu fühlen. Eine «Dorfbeiz», wie man sie sich vorstellt. Der ehemalige Gemeindepräsident von Halten, Eduard Gerber, der sich regelmässig zum Apéro einfindet, meinte: «Der ‹Brunnen› ist ein gemütlicher Ort, man trifft vielfach die gleichen Leute, man kennt einander.»

Lobend erwähnten Anwesende Susanne Michels Kochkünste. Ihre Spezialitäten wie «Metzger-Koteletts», Ochsenmaul- und Siedfleischsalat sowie Spargeln scheinen legendär zu sein. Hoch im Kurs stehen auch die Wildgerichte. Das Wild liefert seit Jahren die Jagdgesellschaft Äusseres Wasseramt. Ihr Präsident, Jürg Misteli, bekundete das gute Verhältnis mit der Wirtin und überraschte sie mit einem Gutschein für ein Reh.

Gutbürgerliche Küche

Unkompliziertes Begegnen scheint neben der gutbürgerlichen Küche das Erfolgsrezept für das ungewöhnliche Jubiläum zu sein. Genau vor 40 Jahren übernahm Susanne Michel mit ihrem verstorbenen Ehemann Bruno das Restaurant. Er kochte, sie arbeitete im Service. Beliebt war zu Beginn die Kegelbahn. Später entstand daraus die «Brunnenstube» mit Platz für 40 Personen. Das ehemalige Jägerstübli dient heute als Fumoir. Als Susanne Michels Ehemann vor 19 Jahren starb, war es für sie keine Frage, den Betrieb weiterzuführen.

Bei Grossanlässen greifen ihr neben den langjährigen Aushilfen auch ihre Kinder Erika und Bruno unter die Arme. «Das ist mein Leben, ich brauche den Kontakt mit Leuten», so die Wirtin. Das Kontaktbedürfnis schwappte auch auf ihren Belgischen Schäfer Akira über, der sonst ebenfalls die Gäste begrüsst. Am samstäglichen Treiben zog er aber ein Schläfchen im Grünen vor.