Dass der Gemeinderat einknicken würde, war vorhersehbar. Der unbedingte Wunsch der Stiftung Fomaso, die in Bellach Ost im «Hofgarten» ein Pflegezentrum mit Demenzabteilung bauen will, setzte sich durch. Laut Gestaltungsplanvorschlag ist die Wiese in vier Baubereiche eingeteilt. Pro Bereich sind zwei Längsbauten (viergeschossig), die ein «L» bilden, sowie ein höheres Gebäude (achtgeschossig) mit quadratischer Fläche als Kontrapunkt vorgesehen. Die Gebäude sollen als einzelne Bauten wahrnehmbar sein und nicht aneinander gebaut werden, um die Durchlässigkeit des gesamten Areals zu fördern.

Die Stiftung hat sich den Baubereich 1 gesichert, aber quasi in letzter Minute gemerkt, dass die beiden Längsbauten miteinander verbunden sein müssen, um die Betriebsabläufe in einem Pflegezentrum zu gewährleisten. Dieser «Wunsch» führte an der Gemeinderatssitzung Ende Mai zu einem Marschhalt. Der Gemeinderat fühlte sich überfordert, die damals neuen Informationen zu entscheiden, und vertagte auf die nächste Sitzung.

Insbesondere der Bauverwalter, aber auch einzelne Gemeinderäte waren verärgert, dass in letzter Minute ein wichtiges städtebauliches Merkmal der Überbauung, die Lücken zwischen den Bauten, abgeändert werden soll. «Wenn die Stiftung früher in das Gestaltungsplanverfahren einbezogen gewesen wäre, hätte diese Auseinandersetzung vermieden werden können», ist Gemeindepräsident Fritz Lehmann überzeugt.

Die Stiftung Fomaso, entstanden aus der Fusion der «Stiftung Pflegezentrum Magnolienpark» und der Stiftung «Psycho-geriatrisches Pflegeheim zur Forst», will die beiden bisherigen Alterszentren an einem neuen Ort zusammenführen. In Aussicht hatte die Stiftung lange das Gebiet «Weitblick» im Westen Solothurns. Da habe sich aber der Zeitfaktor als nachteilig herausgestellt, erklärt Anton Probst, der für die Stiftung als Projektbetreuer wirkt. Die Stiftung musste einen neuen Ort finden für die 8000 benötigten Quadratmeter und hat – spät – in Bellach Ost im «Hofgarten» einen Ersatz gefunden. Dort war das Gestaltungsplanverfahren aber beinahe schon abgeschlossen.

Umgeschwenkt

Am Vorabend der entscheidenden Gemeinderatssitzung am letzten Dienstag wurden die Fraktionen nun nochmals von der Stiftung und ihren Planern vertieft in die Problematik eingeführt. Am Folgeabend war allen klar, dass es die Verbindung zwischen den Längsbauten nicht nur im Parterregeschoss, wie ursprünglich zugestanden, sondern auf allen vier Geschossen brauche, dass also zwischen den Längsgebäuden keine Lücke sein kann. Beat Späti (FDP) brachte einen mehrheitsfähigen Antrag mit sieben Punkten ein.

Die bisher eher ablehnenden Gemeinderäte übten sich in Rückzugsgefechten, wünschten diverse Abänderungen, zeigten aber Kompromissbereitschaft und vertrauen nun den Planern, dass alles gut komme. Sie verzichteten sogar auf eine Weisung, wie die Passerelle materialisiert sein soll. Laut Spätis Antrag hätte es Glas sein sollen, was den Eindruck einer Lücke zwischen den Gebäuden vielleicht noch aufrechterhalten hätte.

Der Gemeinderat hat den Erschliessungs- und Gestaltungsplan «Hofgarten» mit Sonderbauvorschriften und Raumplanungsbericht mit Spätis Ergänzung genehmigt und vorbehältlich der Zustimmung durch das Amt für Raumplanung zuhanden der öffentlichen Auflage verabschiedet.