«Persönlich bin ich auch verärgert über das ganze Gebaren der AEK», sagt Gemeinderat Max Meier. Dennoch sprach sich der Finanzvorsteher von Lüterkofen-Ichertswil für eine Verlängerung der Verträge aus und nannte mehrere Gründe dafür: Der laufende Vertrag läuft so oder so bis 2020, da eine zweijährige Kündigungsfrist besteht. Eine Verlängerung würde lediglich bis 2022 dauern. «Man geht davon aus, dass auf 1.1.2023 eine Liberalisierung stattfinden wird, sodass jeder den Strom von dort beziehen kann, wo er will», erklärt Meier.

Weiter käme die Gemeinde bei einem Neuvertrag mit der AEK Energie AG in den Genuss einer Vergünstigung von 0.8 Rappen pro Kilowattstunde über die Dauer von 5 Jahren. Zusätzlich würde ein Kostendach zu tragen kommen, welches dem Stromtarif von 2018 entspricht. Sollte der Strom gar billiger werden und der Energiepreis gegenüber den Referenzgemeinden einer grösseren Abweichung als 0.65 Rappen entsprechen, dann kann der Vertrag vorzeitig gekündigt werden. 

Die Konsequenzen einer jetzigen Kündigung sähen – nebst dem verschenkten Bonus – so aus, dass die Gemeinde den Strom in den Jahren 2021 und 2022 um 2 Rappen günstiger müsste einkaufen können, als der vergleichbare Wettbewerb. Ansonsten stünde sie schlechter dar, als bei einem allfälligen Neuvertrag mit der AEK.

«Bereits einmal gekündigt»

Anders beurteilt der Gemeindepräsident die Situation. Im Schnitt, so erklärt Roger Siegenthaler, ist die AEK um 4 Rappen teurer geworden. Die Partnergemeinden haben daher gefordert, dass im Minimum die Hälfte der Erhöhung wieder zurückvergütet wird. «Darauf stieg die AEK aber nicht ein und bot lediglich die 0.8 Rappen», so Siegenthaler. Gerlafingen sei auf den Deal aufgrund seiner schlechten finanziellen Lage eingegangen. Kriegstetten stimmte nach längerem hin und her schliesslich ebenfalls zu.

Langendorf, Zuchwil und Subingen hingegen hätten den Vertrag gekündigt. Siegenthaler plädierte dafür, es letzteren gleichzutun. Denn trotz des Rabattes sei die AEK noch immer der teuerste Anbieter in der Region.

«Ausserdem haben wir bereits einmal gekündigt und dies im Dorf allen schriftlich mitgeteilt», erklärt Roger Siegenthaler. Bei einem Rückzieher würde daher die Glaubwürdigkeit Schaden nehmen. Nach einer längeren Diskussion stimmten schliesslich zwei Gemeinderäte für die Verlängerung der Verträge mit der AEK und zwei dagegen. Der Gemeindepräsident votierte mittels Stichentscheides letztlich auch dafür, dass die Verträge gekündigt werden. Somit wird die Verpachtung des Stromnetzes in zwei Jahren neu ausgeschrieben.

Zufriedenstellender Finanzplan

Gemeinderat Max Meier legte dem Rat den Finanzplan 2019–2023 zur ersten Lesung vor. Meier nannte den Planungsvorsatz dabei «vorsichtig realistisch». Die grösste Unbekannte würden demnach die Steuern ausmachen. So hat die Gemeinde in diesem Jahr bei den juristischen Personen eine Steuerreduktion von 155 auf 55 Prozent auf Beginn 2019 beschlossen. Der Finanzvorsteher rechnet damit, dass sich die Steuereinnahmen für juristische Personen ab 2022 positiv auf das Steueraufkommen auswirken werden.

Des Weiteren verzeichnet Lüterkofen-Ichertswil eine rege Bautätigkeit, was theoretisch auf Mehreinnahmen hoffen lasse. Negativ fällt für die Bucheggberger Gemeinde jedoch bald der Finanzausgleich aus. Während Lüterkofen-Ichertswil in diesem Jahr noch 45'000 Franken aus dem Finanztopf beziehen kann, zahlt sie ab 2019 7200 Franken ein. Für die kommenden Jahre wird gar mit einer leichten Erhöhung der Zahlungen gerechnet.

Aufgrund der vielen laufenden Projekte rechnet die Gemeinde für dieses Jahr mit hohen Nettoinvestitionen von mehr als 950'000 Franken. Die Planungsperiode 2019–2023 geht hingegen noch von jährlichen Nettoinvestitionen von rund 400'000 Franken aus, da aktuell keine grösseren Projekte bekannt sind. Aufgrund der mutmasslich hohen Investitionen in diesem Jahr ist mit einer erheblichen Nettoverschuldung pro Einwohner zu rechnen. Der Finanzplan geht von einer mittleren Verschuldung aus, was mehr als 1000 Franken pro Einwohner entspricht.

Beim Nettoinvestitionsquotienten sowie beim Selbstfinanzierungsgrad dürfte ab 2019 die vom Kanton empfohlenen Werte erreicht werden und auch die Entwicklung des Eigenkaptals zeige in die richtige Richtung. Alles in allem, so Meier weiter, könne die Finanzentwicklung als zufriedenstellend beurteilt werden. Jedoch zeige sich auch, dass sich Lüterkofen-Ichertswil keine übermässigen Ausgaben und Investitionen erlauben könne. Der Rat segnete den Finanzplan 2019–2023 einstimmig ab.

Kurswechsel in Sachen Spitex

Der Beschluss zum Fusionsvertrag des Spitexverein Bucheggberg wurde abermals vertagt. Grund dafür ist, dass die geforderten Anpassungen in den Statuten noch nicht vorliegen. Grundsätzlich steht die Gemeinde mittlerweile aber der Fusion positiv gegenüber.

Zwar seien noch diverse Fragen offen, diese könnten aber auch nachträglich gelöst werden. Und falls doch nicht, kann Lüterkofen-Ichertswil immer noch von den vereinfachten Austrittsbedingungen des neuen Vereins Gebrauch machen.