Obergerlafingen

Den Wasserlecks auf der Spur

Eduard Häfliger mit seinem roten Velo: Ein vertrautes Bild in Obergerlafingen.

Eduard Häfliger mit seinem roten Velo: Ein vertrautes Bild in Obergerlafingen.

40 Jahre war Eduard Häfliger Brunnenmeister und für den Betrieb und Unterhalt des Leitungsnetztes verantwortlich. Dieses hat er noch immer im Kopf.

Das rote, alte Fahrrad samt Anhänger kennt man im Wasserämter Dorf. Damit war Eduard Häfliger als Brunnenmeister von Obergerlafingen sage und schreibe 40 Jahre unterwegs. An der vergangenen Budgetgemeindeversammlung wurde er mit lobenden Worten und Geschenken herzlich verabschiedet. «In all den Jahren hatte ich sehr viele Kontakte und ein gutes Einvernehmen zu den Leuten und zu den Handwerkern», erzählt der 79-Jährige.

Als Brunnenmeister war er für Betrieb und Unterhalt des Leitungsnetzes verantwortlich. Anfang der 1960er-Jahre verkauften die Obergerlafinger ihr Pumpwerk und seither sind sie der Gruppenwasserversorgung Grenchen angeschlossen. Eduard Häfligers Telefon klingelte, wenn es galt, ungewohnt hohen Wasserverbrauch abzuklären.

Das hiess früher, von Haus zu Haus zu gehen, um spezielle Fliessgeräusche wahrzunehmen. Dafür stellte er manchmal nachts bestimmte Netzteile ab, um den anormalen Wasserfluss zu orten. Seit drei Jahren verfügt die Gemeinde über eine externe spezielle Funküberwachung mit 40 Sensoren.

Beim Befahren des Leitungsnetzes kann zudem ein spezielles Gefährt die Lecks auf den Meter genau bestimmen. Das Aufbieten der entsprechenden Firmen für die Reparaturen oblag ebenfalls Eduard Häfliger.

80 Rabizoni-Brunnen kontrolliert

Radeln, Klingeln, Notieren erforderte das Ablesen der Zähler. Bis ins Jahr 2006 hatte er in nicht weniger als 410 Häusern den Wasserverbrauch abzulesen. Funkwasserzähler erübrigen heute diese Arbeit. Eigenhändig wechselte er dafür während vier Jahren sämtliche Wasseruhren aus.

Einmal pro Jahr gehörte der Funktionstest der Hydranten zu seinen Aufgaben. Von 1978 bis 2010 war er zusätzlich Brunnenmeister für die Rabizoni-Wasserversorgung. Über 80 Brunnen hatte er jeweils jährlich auf die 6-Minuten-Liter zu kontrollieren.

Das Rüstzeug für die Nebenbeschäftigung holte sich Eduard Häfliger in Luzern mit seiner Lehre als Bauschlosser, seiner Arbeit in einer Leitungsabteilung der Stadt und bei der späteren Anstellung als Heizungsmonteur. Dort lernte er auch, Pläne zu zeichnen, was ihm in all den Jahren zugutekam. Gleichzeitig war er damals bereits in der Gemeinde Littau-Reussbühl als Brunnenmeister tätig.

Wirtsleute des «Zollhüsli»

«Ohne meine Ehefrau Roswitha hätte ich diese Nebenbeschäftigungen nicht machen können», sagt Eduard Häfliger. «Wir lebten mit dem Wasser», ergänzt Roswitha Häfliger, die noch heute von ihrem Haupterwerb als Wirte-Ehepaar des Restaurants Zollhüsli schwärmt. Während 25 Jahren führten die beiden als Besitzer mit viel Enthusiasmus ihr Restaurant bis zu dessen Verkauf im Jahr 1999.

Eduard Häfliger hatte nicht nur zeitlebens die Pläne der Wasserleitungen im Kopf, sondern auch die Velo- und Walkingwege sowie die Langlaufloipen. Er fährt noch heute mit seinem Rennvelo rund 1000 Kilometer im Jahr.

Mit 66 Jahren – wann bekanntlich das Leben beginnt – wagte er sich erstmals an einen Engadin Marathon. Achtmal sind daraus geworden. Sportlich, rank und vital – sichtlich hat das rote Velo des Brunnenmeisters auch ganz besonderen Einfluss auf seine Fitness mit sich gebracht.

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