Zuchwil
Den Rückstand aufgeholt und – verspielt

Das Schweizer Junioren-Eishockey hat während den letzten Jahren international an Glanz und Gloria eingebüsst. Die U18 ist trotzdem bemüht, am 5-Nationenturnier in Zuchwil gegen die Weltklasse zu glänzen.

Michael Schenk
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Die von Thierry Paterlini gecoachte U18 tritt im Sportzentrum Zuchwil am top besetzten Fünf-Nationen-Turnier auf.

Die von Thierry Paterlini gecoachte U18 tritt im Sportzentrum Zuchwil am top besetzten Fünf-Nationen-Turnier auf.

Michael Schenk

Es gab eine Zeit im Schweizer Eishockey, da schaute man selbst in den USA ehrfurchtsvoll auf unser Nachwuchsprogramm. Es war während der 90er-Jahre, als sich die helvetischen Juniorenequipen von ewigen Lift- zu Stammteams in der A-Gruppe entwickelten.

Die Zeit, als sich Leuten wie Riesen, Aebischer oder Cereda in die Notizbücher der NHL-Bosse spielten und später den Sprung in die Topliga der Welt schafften. Früher als bei anderen wurden die Besten damals hierzulande systematisch zu Trainings und Spielen zusammengezogen.

Läuferisch und technisch «kreierte» man so vis-à-vis der Konkurrenz schnell Vorteile. Die Bronzemedaille an der U20-WM 1998 und die Silberne der U18 an der WM 2001 in Helsinki stehen bis heute als Kulminationspunkt dieser prosperierenden Phase.

Eine A-Nation ist man seither geblieben; freilich wird es für die U18 und U20 immer schwerer, sich in der Weltelite zu halten. Die U20 landete an der WM zuletzt zwei Mal auf dem letzten Gruppenplatz und rettete sich erst gegen Deutschland und Weissrussland.

Die U18 entrann 2012 dem Abstieg nur hauchdünn. «Wir befinden uns seit Jahren im Abstiegskampf, sagt Raeto Raffainer, Direktor der Nationalteams. Daran ändere auch der Ausreisser nach oben mit Platz 4 an der U18-Heim-WM 2015 in Zug nichts.

Gegen Weltmeister und Riesen

Was die Aussicht auf Besserung angeht – Fehlanzeige: Die U16 wurde jüngst von den Tschechen drei Mal in Folge brüsk in den Senkel gestellt und verlor auch gegen Deutschland glattweg. Die U17 musste heuer zwar keine Debakel ertragen, unterlag der Konkurrenz aus den USA, Russland und der Slowakei jedoch konstant.

Die U18 schliesslich ist soeben von einem Turnier in Kanada heimgekehrt. Gegen die Russen verlor man da in der Overtime - gegen die USA haushoch (0:9) und Kanada West auch klar (2:6). Die von Thierry Paterlini gecoachte U18 tritt jetzt im Sportzentrum Zuchwil am top besetzten Fünf-Nationen-Turnier auf.

Morgen treffen die Einheimischen auf die Slowaken (18.30 Uhr). Es geht um Tickets für die WM Mitte April in der Slowakei. «Für die, die da sind», sagt Paterlini, «geht es darum, mit auffallend guten Leistung auf sich aufmerksam zu machen.»

Abstieg tut vielleicht Not

Wer freilich auch immer den WM-Cut schafft, «easy» wird es für die Schweizer U18 auch 2017 nicht, sich im Kreis der Weltspitze zu behaupten. Peter Zahner, Geschäftsführer der ZCS Lions und einst verantwortlich für die Nationalteams sagt sogar, dass es «vielleicht mal einen Abstieg braucht, damit jeder begreift, dass wir auf Junioren-Stufe merklich an Klasse verloren haben.»

Andere Nationen, mit denen die Schweiz einst auf Augenhöhe war, haben ihre Hausaufgaben gemacht. In Schweden, Finnland oder Tschechien ging man über die Bücher, überdachte Ausbildungskonzepte und -inhalten, legte den Schwerpunkt tendenziell stärker auf Abschlussverhalten und Zweikampf, harmonisierte die Förderprogramme so mit dem Schulsystem, dass für die Jungs mehr Erholung möglich ist, und engagierte viel qualifiziertes Personal. Und Schwupps ... hängte man die Schweiz wieder ab.

«Wir messen uns heute mit Dänemark, Kasachstan oder Lettland», sagt Paterlini. Den Hauptunterschied zwischen den Topnationen und den Schweizern ortet der 41-jährige Bündner, der 1997 mit Bern Meister war, aber auch im mentalen Bereich.

Letzteres ganz einfach darum, weil es den Begabten hierzulande meist an Konkurrenz fehlt. «Allein aufgrund der Masse an Spielern muss sich ein Junior in Schweden, Finnland, Tschechien – von den USA und Kanada ganz zu schweigen – viel bedingungsloser für den Sport entscheiden, wenn er es an die Spitzen bringen will, als bei uns.»

In dem Sinn also, sind die Schweizer am Heimturnier Aussenseiter - eine Rolle freilich, aus der es sich sehr gut brillieren lässt ...

Zuchwil. U18-Turnier.
Dienstag, 27.12.: Finnland - Slowakei 15.00. Deutschland - Tschechien 18.30. Mittwoch, 28.12.: Tschechien - Finnland 15.00. Schweiz - Slowakei 18.30.
Donnerstag, 29.12.: Finnland - Schweiz 12.00. Slowakei - Deutschland 15.30. Freitag, 30.12.: Deutschland - Finnland 11.00. Schweiz - Tschechien 14.30.

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