In Biberist war man natürlich gespannt auf den ersten Auftritt der Musikgesellschaft mit dem neuen Dirigenten Miguel Etchegoncelay. Der argentinisch-französische Doppelbürger steht erst seit August am Dirigentenpult der Harmonie. Er wurde 1970 in Córdoba (Argentinien) geboren. Logischerweise begann er dort auch seine musikalische Karriere. Er studierte Trompete, Komposition und Dirigieren. Doch schon bald zog es ihn nach Europa, um seinen musikalischen Rucksack zu erweitern.

Ziele waren nicht nur Italien und Frankreich. Ein gewichtiges Ziel war für ihn auch die Schweiz. Die Musikhochschulen von Basel und Zürich wurden Meilensteine in seiner Laufbahn. Da war es nur natürlich, dass er auch da versuchte, seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Frühe Stationen waren die Feldmusik Willisau Land und die Landwehr Fribourg. Als Gastdirigent des Blasorchesters Aulos dirigierte er auf der Tournee 2005 auch im Konzertsaal Solothurn.

Richtung Argentinien

Als Referenz an ihren neuen Dirigenten wählte die Harmonie in ihrem Konzert Literatur aus dessen Heimatland. Da gibt es durchaus Köstlichkeiten. Angefangen hat sie jedoch mit einem jungen Spanier mit Jahrgang 1992. «Enrique Lopez» nannte Anton Alcalde seine Komposition. Nur acht Jahre älter ist José Alberto Pina. Sein «The Legend of Maracaibo» wirkte im ersten Teil angenehm holzig dominiert. Erst spät kam mehr Blech auf und führte zu einem fulminanten Schlussteil. Dabei gefiel auch die räumliche Trennung vom geblasenem (Tuba) und gestrichenen (Kontra-)Bass. Dadurch schien der Bass kraftvoll aus der Tiefe der Bühne zu stützen.

Nach diesem doppelten spanischen Auftakt bewegte man sich mit «Street Tango» aber wirklich in Richtung Argentinien. Robert Longfield war sehr bedacht sein Arrangement nach Astor Piazzolla klingen zu lassen. Das gelang auch der Harmonie scheinbar leicht. Nicht nur rhythmisch, sondern auch dynamisch sorgfältig erarbeitet, wirkte von ihr auch «Conga del Fuego Nuevo». Geschrieben wurde das vom Mexikaner Arturo Marquez mit Jahrgang 1950. Für Blasorchester aufbereitet wurde es vom deutschen Komponisten und Arrangeur Oliver Nickel.

Abstecher nach Brasilien

Den zweiten Konzertteil eröffnete die Harmonie mit «Miniaturas Brasileiras». Darin verarbeitete Hudson Nogueira typische Musik aus zehn verschieden Gegenden Brasiliens zu zwei Sets mit je fünf Sätzen. Mit «Highlights from Evita» langte man zumindest inhaltlich wieder in Argentinien an. Komponiert hat das der Engländer Andrew Lloyd Webber und für Blasorchester aufbereitet der Amerikaner John Moss. Das Finale wurde aber endgültig wieder argentinisch. «El Choclo» (der Maiskolben) wird noch oft gespielt und machte Angel Villoldo bald nach der Uraufführung 1903 weltbekannt. Noch bekannter ist heute «Libertango».

Diese Komposition von Astor Piazzolla bereitete der neue Dirigent der Harmonie für die Besetzung der Harmonie auf. Es war quasi sein Antrittsgeschenk. Damit es auch fürs Auge richtig Argentinien ging, sorgte das Tanzpaar Sonia und Mario Labrunie. In der Mitte des Konzertes bekam auch die Windband, das Orchester der Musikschule Biberist ihren Auftritt. Ihre vier Titel und eine Zugabe spielten sie auf eigenen Wunsch ohne Dirigent.

Musik zelebrieren

Von der Handschrift eines Dirigenten kann nach den paar Wochen sicher nicht gesprochen werden. Es macht aber den Anschein, dass er feine und elegante Interpretationen liebt. Seine Musik soll nicht heruntergerasselt werden. Er will sie vermitteln, sozusagen erspüren lassen, zelebrieren. Das schienen die Musikantinnen und Musikanten bereits verinnerlicht zu haben. Das war auch bei der Zugabe noch spürbar. Die bestand aus dem Arrangement von Paul Murtha zu «Despacito».

Der neue Chef ist auch beim Publikum offensichtlich gut angekommen. Schon bei seinem ersten Konzert musste er seine Geheimwaffe gegen die nimmersatten Zugabeklatscher auspacken. Als zweite Zugabe liess er nur ein paar Takte spielen und als dritte Zugabe noch den ersten und einzigen Ton.