Deitingen
Längerfristig soll es nur noch eine Ansprechstelle für alle Pflegeleistungen geben

Die Gemeinden Deitingen, Derendingen und Luterbach möchten ihr Pflegeangebot zusammenlegen.

Marlene Sedlacek
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Die Spitex Deitingen hat vor wenigen Jahren mit Derendingen fusioniert. Nun will sich auch Luterbach anschliessen.

Die Spitex Deitingen hat vor wenigen Jahren mit Derendingen fusioniert. Nun will sich auch Luterbach anschliessen.

Rahel Meier

Bruno Eberhard, Gemeindepräsident von Deitingen sieht durch die Gründung einer gemeinsamen Pflegeorganisation Derendingen-Luterbach-Deitingen eine grosse Chance für die Gemeinde.

«Dies würde unserem Legislaturziel entgegenkommen, ältere Leute im Dorf behalten zu können»,

betonte er an der Gemeinderatssitzung.

Durch eine koordinierte Versorgung verspricht er sich bessere Pflegeleistungen, flexibleres Reagieren auf die Marktdynamik, mehr Durchgängigkeit von der ambulanten bis zur stationären Betreuung. Kurzum einen Standortvorteil für die Gemeinde.

Rasante Entwicklung im Pflegesektor

Den Anstoss zur Gründung einer gemeinsamen Pflegeorganisation gab Luterbachs Gemeindepräsident Michael Ochsenbein. Der Spitexverein Luterbach hat angekündigt, seinen Betrieb per Ende 2021 einzustellen. Um die Versorgungslücke zu schliessen, suchte Luterbach Anschluss an die Spitexorganisationen in den umliegenden Gemeinden. Gleichzeitig regte Ochsenbein an, sich über die Entwicklungen im Pflegesektor Gedanken zu machen.

Als Gesprächspartner sah er die Gemeinden Deitingen und Derendingen mit ihrer gemeinsamen Spitex und dem Alters- und Pflegeheim Tharad. Die neu gegründete Arbeitsgruppe, bestehend aus den drei Gemeindepräsidenten und den entsprechenden Ressortleitern, beauftragte die Beratungsfirma Pricewaterhouse Coopers (PwC), eine Entscheidungsgrundlage auszuarbeiten.

Ramon Christen von der PwC stellte das Zielbild vor, das auf die Zusammenlegung der Spitexorganisationen, die Weiterführung der Betreuung in den Alterswohnungen und vor allem darauf fokussiert, einen einzigen Ansprechpartner zu haben. Nun galt es für die Gemeinderäte, über die Weiterführung des Projekts abzustimmen.

Bietet eine gemeinsame Organisation tatsächlich einen Mehrwert?

Michael Tüfer hinterfragte den Mehrwert einer solchen Organisation. Die Leistungen seien gesetzlich vorgegeben. Auch bei einer gewissen Grösse könne eine Organisation darauf keinen Einfluss nehmen, meinte er. Zudem ging ihm die Sache zu schnell.

«Ausser bei der Spitex besteht keine Dringlichkeit»,

betonte er. Und Spitexorganisationen könne man auch ohne Beratung fusionieren. Das betreute Wohnen sei eine andere Sache. Hierzu müsse man jedoch zuerst das Volk befragen, ob überhaupt ein Bedürfnis dafür vorhanden sei.

Besonders störte er sich daran, dass für die externe Begleitung und den Businessplan nochmals 20'000 Franken nötigt sind, nachdem für die erste Phase der Beratung bereits Kosten von rund 10'000 Franken für Deitingen aufgelaufen sind. Da diese Ausgaben nicht budgetiert sind, müssen sie als Nachtragskredit behandelt werden.

Das Projekt kann weiterverfolgt werden.

Die verantwortliche Gemeinderätin Franziska Sterchi (Soziales und Gesundheit) stellte einen mehrteiligen Antrag, nämlich das Projekt fortzuführen, mit dem Zielbild, das die PwC vorgestellt hat. Dann der Gemeindeversammlung im November 2021 das Budget zu beantragen und im Frühling 2022 die Errichtung der Organisation. Als letzten Punkt beantragte sie, die finanziellen Mittel für die externe Begleitung bis zur Budgetfreigabe durch die Gemeindeversammlung zu sprechen.

Der Gegenantrag von Michael Tüfer, das Geschäft zu verschieben und in den ordentlichen Budgetprozess aufzunehmen, fand mit zwei gegen fünf Stimmen keine Mehrheit. Der Rat gab dem ursprünglichen Antrag mit fünf Stimmen grünes Licht. «Es ist schön, dass wir dieses spannende, zukunftsweisende Projekt weiterverfolgen können», zeigte sich Eberhard erleichtert.