Obergerlafingen
Datasport AG: Im Breitensport liegt ihr Kerngeschäft

Andreas Csonka ist der neue Geschäftsführer der erfolgreichen Firma Datasport. Ihr Kerngeschäft ist der Breitensport.

Urs Byland
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Andreas Csonka in den Räumlichkeiten der Datasport AG in Obergerlafingen.

Andreas Csonka in den Räumlichkeiten der Datasport AG in Obergerlafingen.

Urs Byland

Startnummern sind eine der Spezialitäten der Firma Datasport AG im Bolacker. Teilnehmerinnen und Teilnehmer eines Stadtlaufes, eines Triathlons oder irgendeines sportlichen Anlasses haben diese Firma längst registriert: Datasport verarbeitet schweizweit und inzwischen auch in Deutschland oder Österreich Daten von Anlässen, vor allem im Bereich Breitensport.

Die Startnummer ist der sichtbare, materielle Ausdruck des Engagements von Datasport. Sie ist nicht mehr nur ein Stück Stoff mit einer Nummer drauf. Mitarbeiter besprechen mit den Organisatoren, wie die Startnummer beschaffen sein soll. Leinen oder reissfestes Papier, wasserabweisend, klebend, mit Gutscheinen drauf und so weiter. Die Startnummer, auf der heute oft gleich der Name der Sportlerin oder des Sportlers steht, wird zu ihrer Trophäe, die die Erinnerung wachhält.

Sie wird im Betrieb in Obergerlafingen von Hand mit zwei Transpondern versehen und anschliessend dem Namen zugeteilt. Dies zur Sicherheit, falls ein Transponder ausfällt. «Die Zeiten werden elektronisch mit Sendern erfasst», erklärt Andreas Csonka, der vor kurzem den aus gesundheitlichen Gründen ausgeschiedenen CEO von Datasport, Matthias Fehr, ersetzte.

Über eine Million Kunden

Datasport liefert aber nicht nur die Hardware, also die Startnummer. Die Firma wird mit den erhobenen Daten auch zum Partner der teilnehmenden Sportlerinnen und Sportler. Über eine Million Athleten verfügen über ein Onlinekonto bei Datasport, 470 000 informieren sich monatlich per Datasport-Newsletter über die nächsten Sportevents. Langlaufrennen in Lenzerheide, Triathlon Nyon, Winterthurer Marathon, Night Run Zürich, Luzerner Stadtlauf, Jungfrau Pararace, Amadé Radmarathon, Engadiner Skimarathon oder Escalade, Genf: Die Liste könnte beliebig verlängert werden.

Datasport ist Vertragspartner etlicher Sport-Organisatoren und liefert ein Dienstleistungsangebot vom Anmeldeprozedere über die Leistungserfassung bis zur Nachverarbeitung und eben beispielsweise die Startnummer.

Für die Einsätze vor Ort sind Teams im Einsatz, die meist am Wochenende arbeiten müssen. Aktuell sind 26 Mitarbeiter fest angestellt. Zusätzlich werden viele Mitarbeiter im Stundenlohn beschäftigt, etwa wenn eine grosse Menge Startnummern vorbereitet werden muss. Vor Ort wird zusätzliches Personal für den Anlass rekrutiert, weil dort für kurze Zeit viele Leute im Einsatz stehen. Der Umsatz von Datasport beläuft sich laut Csonka auf 15 bis 20 Millionen Franken.

Datasport ist seit vier Jahren eine 100-prozentige Tochter der Swisscom. Die Schweiz sei Rekordhalter in Sachen Anzahl sportlicher Anlässe (230 000) und ebenso in der Qualität des Anlasses, sagt der neue Direktor Andreas Csonka. «Zu den sportlichen Anlässen gehört beispielsweise auch jedes Fussballspiel. Uns wird immer wieder bestätigt, dass die Anlässe im Vergleich zu Anlässen im Ausland professioneller organisiert werden.»

Die Daten der Zukunft: Neutraler Datenaufbereiter

Sport ist ein emotionales, positiv geladenes Produkt. Direkt mit dem Konsument verbunden zu sein, ist daher interessant. Ein Kontakt ist heutzutage ein Datenpunkt. «Bei uns ist das ein Name, das Alter, die Adresse und ein Resultat», sagt Andreas Csonka, der im Rudersport gross wurde, beispielsweise als Trainer von Junioren oder auch als Heimtrainer von Xeno Müller, der später Olympiasieger wurde.

«Wir bieten die Kernleistung. Hinzu kommt der Sportler, der neu seine persönlichen Daten aufbereitet haben will. Wir wollen fähig sein, künftig als neutraler Datenaufbereiter zu wirken, also auch Daten zu erheben, die nicht von uns gemessen wurden.»

Individuelle Daten werden nicht herausgegeben. «Ausser der Teilnehmer will das. Nicht alle Teilnehmer von Rennen wollen ihren Namen auf der Resultatliste haben. Früher, als Resultate auf einer Tafel oder auf Papier erfasst wurden, wusste der Teilnehmer, dass diese in einem kleinen Kreis bleiben würde. Heute kann online die ganze Welt diese Daten einsehen. Das muss man in Zukunft auswählen können.» (uby)

Start mit Atari oder Commodore

Schon Mitte der 80er-Jahre habe Datasport-Gründer Claudio Galasso versucht, Computers wie Atari oder Commodore für sportliche Anlässe zu nutzen, um Resultate schnell aufzubereiten und dadurch die Handarbeit zu ersetzen. Die Firma wurde zum Partner von Laufveranstaltungen, organisierte das Anmeldesystem, die Startnummernausgabe, die Zeiterfassung. «Heute will der Teilnehmer, wenn er über die Ziellinie läuft, auf dem Handy sein Resultat sehen. Er will auch, dass während des Wettkampfs seine Angehörigen wissen, wo er im Wettkampf steht.»

Datasport hat hier viel Vorarbeit geleistet, deshalb auch habe Swisscom noch unter der Regie von Carsten Schloter die Firma Datasport übernommen, ist Andreas Csonka überzeugt. Nach dessen Freitod habe es eine Weile gedauert, bis die Swisscom ihre Akquisition, die profitabel arbeitete, «verdaute».

Jetzt soll Datasport ihre gute Ausgangslage nutzen. «Das Monopol, das wir einnahmen, gibt es nicht mehr. Wir haben Konkurrenten. Sie haben aktiv verkauft und uns einige Kuchenstücke genommen.» Datasport sei aber die Einzige, welche ein umfassendes, qualitativ hochstehendes Dienstleistungsangebot hat, wirbt der 48-jährige Csonka, der früher als Unternehmensberater arbeitete und eine eigene digitale Plattform für den Spitzensport betrieb.

Den Grossen ein Bein stellen

Das Dienstleistungsangebot werde kontinuierlich ausgeweitet, etwa mit den Mitarbeitern, die Software entwickeln. Csonka, dessen Vater 1956 aus Ungarn in die Schweiz flüchtete, vergrössert derweil sein Netz im Sport, ist er doch seit kurzem Exekutivrat von Swiss Olympic unter dem neuen Präsidenten Jürg Stahl. «Datasport will einen Beitrag leisten, dass die Sportinfrastruktur der Schweiz aufrechterhalten wird.

Dazu gehören die Breitensport-Anlässe. Da wollen wir ein echter Partner sein und nicht einfach Geld machen.» Und möglicherweise wird Datasport auch den Grossen der Branche mal den einen oder anderen Anlass nehmen können. «Im Triathlon oder im Skisport könnten wir auch auf Weltcup-Stufe die geforderte Leistung bringen, aber es war bisher nicht unsere Strategie. Wir prüfen unsere Weiterentwicklungsmöglichkeiten. Unbestritten ist unser Kerngeschäft: die Breitensportanlässe».