Brunnenanlagen
«Das Ziel einer Sanierung ist, dass man am Schluss nichts von meiner Arbeit sieht»

Es gibt nach wie vor zahlreiche Brunnen im öffentlichen Raum, die renoviert werden müssen.

Rahel Meier
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Denkmalgeschützte Brunnen im öffentlichen Raum im Wasseramt
28 Bilder
Das Brunnenbecken beim Sommerhus musste für die Sanierung freigelegt werden.
Schön zu sehen, dass der untere Teil des Beckens nicht gleich schön gearbeitet wurde, wie der sichtbare Teil.
Die schadhaften Stellen werden ausgebessert.
Die schadhaften Stellen werden ausgebessert.
Die schadhaften Stellen werden ausgebessert.
Nach der Sanierung ist kaum etwas von der Arbeit des Steinbildhauers zu sehen.
Nach der Sanierung ist kaum etwas von der Arbeit des Steinbildhauers zu sehen.
Eine moderne Brunnenanlage in der Schule in Halten.
Eine moderne Brunnenanlage in der Schule in Halten.
Eine moderne Brunnenanlage in der Schule in Halten.
Der Brunnen an der Schulhausstrasse in Gerlafingen Der Brunnen vor dem älteren Schulhaus wurde 1894 erstellt. Er hat ein ovales Brunnenbecken und einen Stock in Obeliskform.
Der ehemalige Feuerwehrweiher mitten in Aeschi steht unter Denkmalschutz und wurde eben erst saniert.
Der Brunnen am Emmenholzweg im Zuchwil, im Hof des Schlösschens
Der Brunnen beim "Kreuz" in Kriegstetten
Der Brunnen an der Hauptstrasse 20 in Luterbach Der Schulhausbrunnen stammt aus dem Jahr 1887
Der Brunnen an der Deitingenstrasse 7 in Luterbach Ein ehemaliger, vier Meter langer, Hausbrunnen
Der Brunnen an der Hauptstrasse 26 in Luterbach Rösslibrunnen beim Haus Schwaller aus dem Jahr 1878
Der Brunnen beim Schulhaus 1 in Derendingen
Der Brunnen auf dem Pestalozziplatz in Derendingen
Der Brunnen auf dem Ritterplatz in Derendingen
Der Brunnen beim Schulhaus II in Derendingen
Der Brunnen beim Coop-Kreisel in Biberist
Der Brunnen bei der heutigen "Chäsi" in Biberist Der Brunnen gehört der Einwohnergemeinde und musste vor wenigen Jahren um einige Meter versetzt werden
Der Brunnen bei der alten Schmitte in Lohn-Ammannsegg Die alte Schmitte wurde 1790 mit dem Hauptgebäude und 1802 mit dem Anbau der Schmiede erstellt. Bauherr war Urs Joseph Strausak, Wirt im Rest. Sternen. Aus dieser Zeit stammt der Brunnen, der vor allem für den Betrieb der Schmiede und dem landwirtschaftlichen Hof diente. Heute steht der Brunnen im Innenhof der Überbauung „alte Schmitte“ Lohn-Ammannsegg
Der Brunnen auf dem Dorfplatz in Lohn-Ammannsegg Der Dorfbrunnen gehörte früher zur Liegenschaft von Johann Schnider von Lohn, mitten im Dorf, welche Ende der 60 Jahre des früheren Jahrhunderts die Einwohnergemeinde Lohn kaufte. Er sammelt das Wasser aus dem Quellbereich Ros- und Bergacker. Im Zusammenhang mit dem Bau des Gemeindehauses und dem Verkauf des „Schnider-Hauses“ sicherte sich die Einwohnergemeinde Lohn die Brunnenanlage und dieser wurde zum Dorfbrunnen. Kürzlich bekam der Brunnen einen schönen, grosszügigen gepflästerten Vorplatz.
Der Brunnen beim Altersheim Bad in Lohn-Ammannsegg DEr brunnen mit einem ovalen Trog, einem Stock und einem Urnenaufsatz wurde von Landvogt J. Schaller im 18. Jahrhundert erstellt, der das Bad als Herrschaftsgebäude im Sommer bewohnte. Sein Sohn Franz Schwaller, Landvermesser, verwandelte das Herrschaftsgebäude später in ein Bad- und Wirtschaftsgebäude. Das Bad Ammannsegg wurde zu Beginn des Kurbetriebes wegen seines schwefel- und eisenhaltigen Wassers sehr geschätzt und viel besucht. Vom alten Bad blieb mit dem Abriss des alten Herrschaftsgebäude im Jahr 1977 nur noch der Brunnen und das alte Badhaus erhalten.
Der Brunnen an der Schulhausstrasse 3 in Lohn-Ammannsegg 1867 baute Urs Joseph Strausak, „rych Strausak genannt“, Wirt, Rest. Sternen, den Mingerhof. Aus dieser Zeit stammt der Brunnen, der das Wasser aus dem Quellgebiet Bergacker sammelt und dem Bauernhof zuführte. Den Name Mingerhof bekam der Landwirtschaftsbetrieb als Fritz Minger 1912 den Hof erwarb. 1971 kaufte die Einwohnergemeinde Lohn den Mingerhof. Heute steht er an der Schulhausstrasse bei der Wohnüberbauung „Mingerhof“ der WOBALO.

Denkmalgeschützte Brunnen im öffentlichen Raum im Wasseramt

Rahel Meier

Alois Herger ist eidgenössisch diplomierter Bildhauermeister. Er ist eine der Fachpersonen, die vom Amt für Denkmalpflege beigezogen werden, wenn es darum geht, denkmalgeschützte Brunnen zu sanieren. Und deren hat es viele im Wasseramt. Ein grosser Teil der Brunnen wurde in den 1940er-Jahren unter Schutz gestellt. «Das war die Zeit des Zweiten Weltkrieges. Man hat sich auf die eigenen Werte und Qualitäten besonnen und wollte diese bewahren», erklärt Benno Mutter (Kunsthistoriker, Amt für Denkmalpflege), dieses Phänomen. Jede Unterschutzstellung müsse heute individuell abgeklärt und begründet werden. «Oft gehören die Brunnen zu einem Ensemble, bei dem auch die Umgebung geschützt wird.» Im Wasseramt stehen fast ausschliesslich Nutzbrunnen. «In den Städten ist dies anders. Dort sind die Brunnen oft mit Figuren verziert», so Mutter.

Einen alten Brunnen zu restaurieren braucht Fingerspitzengefühl. Zudem ist jeder Brunnen anders. Im Jahr 2012 hat Alois Herger den Brunnen beim «Sommerhus» (reformiertes Pfarrhaus) in Subingen restauriert. Hierbei handelt es sich allerdings um einen Zierbrunnen, der in die Erde eingelassen ist. Der Brunnen ist monolithisch, das heisst er besteht aus einem Block. Mit einem Durchmesser von gegen drei Metern und einer Dicke von 65 cm wiegt das schalenförmige Brunnenbecken ungefähr 6 Tonnen. Für die Restaurationsarbeiten musste der Brunnentrog zuerst abgegraben und freigelegt werden. Damit wurden die Risse am Brunnenbecken sichtbar, die Herger sorgfältig gesucht, angezeichnet, später verklebt und mit dem Naturstein angepasstem Restauriermörtel geflickt hat.

Gut zu bearbeiten

«Der Brunnen ist aus Solothurner Kalkstein gehauen. Dieser Stein lässt sich sehr gut mit Spitzeisen und traditionellen Werkzeugen bearbeiten», erklärt Herger. Solothurner Kalkstein ist ein Ablagerungsgestein mit kleinen tektonischen Rissen. Wenn der Stein frisch gebrochen ist, sind diese Risse verzahnt und geschlossen, mit der Beanspruchung durch Sonne, Feuchtigkeit und Frost öffnen sich diese, weiss Herger. Der Stein eignet sich deshalb gut zur Herstellung von Brunnentrögen. Mit den Jahren können die Risse aber grösser werden, und dann kann ein Brunnenbecken lecken.

«Das Ziel einer Sanierung ist, dass man am Schluss nichts von meiner Arbeit sieht.» Jeder Brunnen werde anders saniert. So belasse man heute oft Algen und Flechten auf dem Stein und putze diesen nicht blitzblank. «Damit trägt man auch einen Teil des Steins ab und die ursprüngliche Bearbeitung durch den Steinhauer vor vielleicht 300 Jahren ist nicht mehr erkennbar.» Sicher würden alle Risse verschlossen. Oft hätten die Becken auch Ausbrüche, die man wieder ergänze. Je nach Situation, Grösse und Gewicht wird ein Brunnen vor Ort belassen und auch vor Ort saniert. Kleinere Brunnentröge kann man auch in die Werkstatt zügeln. «Das hat den Vorteil, dass man in den kalten Monaten daran arbeiten kann.» Wenn die Temperatur unter plus fünf Grad sinkt, arbeitet Herger nicht mehr draussen. «Dann sinkt das Thermometer nachts unter den Gefrierpunkt und das verhindert den Abbindeprozess von Mörteln und Klebstoffen.»

Viel Handarbeit nötig

Grosse Brunnentröge würden heute leider kaum mehr gehauen. Das ist teuer in der Anschaffung und vor allem summieren sich die späteren Kosten von Frischwasser, Abwasser und Unterhalt. Herger konnte aber in den letzten Jahren diverse Zierbrunnen gestalten. Einer davon bereichert die Schulanlage in Halten und lädt die Kinder zum Spiel mit Wasser ein. Zudem hat er in den letzten Jahren immer wieder Brunnentröge saniert. Die Auftraggeber sind oft Architekten, aber auch Privatleute und Gemeinwesen. Einen Brunnen zu sanieren bedeutet viel Handarbeit. 60 Stunden hat er für den Brunnen beim «Summerhus» aufgewendet. In aller Regel wird die Arbeit zudem mit der Denkmalpflege abgesprochen. Diese sichert meist einen gewissen Beitrag zu, wenn ein wertvolles Objekt saniert wird.

Brunnen sind heute mehr zur Zierde da

Brunnen waren bis zur Einführung des Leitungswassers als öffentliche Orte der Wasserversorgung Treffpunkt für Menschen und insbesondere für Wäscherinnen. Mit dem Aufkommen von Wasserleitungen, die das Nutzwasser direkt in die Haushalte brachten, verschwanden die Entnahme- und Waschbrunnen im öffentlichen Raum.

Sie wurden in vielen Dörfern und Städten durch mehr oder weniger künstlerisch gestaltete Brunnenanlagen ersetzt. Viele historische Brunnenanlagen stehen heute unter Denkmalschutz und gelten zum Teil als Sehenswürdigkeit. Dadurch sind Brunnenanlagen auch weiterhin ein Anziehungspunkt im öffentlichen Raum.

Dank der diversen Niederdruckwasserversorgungen gibt es im Wasseramt immer noch zahlreiche private Brunnenbesitzer, die das Wasser aus den Quellen weiterhin schätzen . (rm)

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